Magazinräume des Patschkauer Heimatvereins neu im Stadtmuseum

Erlebnisgeneration warnt vor Krieg und Vertreibung

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Gelungene Integration: Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, würdigte beim Patschkau-Festakt im Alten Rathaus, wie die schlesischen Vertriebenen vor fast 70 Jahren in Einbeck ankamen und seither in der neuen Heimat angenommen wurden.

EINBECK (cmf) – Genau 60 Jahre nach Begründung der Patenschaft zwischen Einbeck und dem schlesischen Patschkau ist die vollständige Sammlung des Heimatvereins Patschkau und Umgebung im Stadtmuseum am Steinwege angekommen. Willkommen angenommen, um Wirken und Erfolg von Vertriebenen und Spätaussiedlern aus Schlesien bei Wiederaufbau und Mitgestaltung besonders zu würdigen.

Die umfangreiche Sammlung steht, sorgfältig sortiert, in zwei Magazinräumen, um die geretteten Artefakte über das 1254 erstmals urkundlich erwähnte Patschkau für künftige Enkelgenerationen zu bewahren. Unterm Museumsdach gesichert sind seltene amtliche Listen, Fotos und emotional beladene Erinnerungsstücke über Heimatverlust und erfolgreiche Neueingliederung im Westen. Denn ohne die vielen Ostdeutschen, die nach 1945 über Kreiensen am Ilme-Ufer eintrafen, wären Einbeck und ganz Niedersachsen nicht, was sie heute sind, resumierte Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf beim Rathaus-Festakt.

Das „Einbecker Modell” ist für die bekannte Landesbeauftragte Vorbild für gelungene Integration und gleichzeitig Mahnung gegen Krieg, Flucht und Vertreibung.

Das werde gerade durch die Sammlung deutlich, zumal die Präsentation nicht anno 1946 stehen bliebe. „Nur wenn Gegenwartsbezüge gelingen, wird das Interesse wachgehalten”, befand die 51-jährige Landtagsabgeordnete und lobte die von Goetheschule und Stadtmuseum konzipierte Ausstellung „Angekommen. Angenommen”. Durch solche Schulprojekte „wird Patschkau auch weiter Teil Einbecks sein”, bekräftigte Doris Schröder-Köpf.

Zuvor hatte Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek nachgezeichnet, wie sich die Städtepartnerschaft mit dem polnischen Paczków entwickelt hat, weil kluge Persönlichkeiten auf beiden Seiten für die Konfliktüberwindung eintraten – bis die weltpolitische Wetterlage ab 1950 aufklärte und 1954 die beispielhafte Patenschaft begründet wurden. Nach Zusammenbruch von „Ostblock” und der „friedlichen Revolution” mit neuer deutscher Einheit besiegelten Einbeck und Patschkau 1992 ihre tragfähige Städtepartnerschaft. Altbürgermeister Martin Wehner schob 1997 die Heimatstube im Rathaus-Trauzimmer an. Mit kräftiger Mithilfe von Musemschefin Dr. Elke Heege sei die Heimatstube 2007 in den Steinweg verlegt worden. Ex-Bürgermeister Ulrich Minkner regelte wiederum mit Heimatverein-Vorstandschef Leo Schiller den Patschkauer Nachlass: Mit Inbetriebnahme der Magazinräume „geht heute unser langgehegter Wunsch in Erfüllung”, unterstrich Schiller. Die Projektkosten getragen haben der Heimatverein mit vielen Spendern. Obendrein gab es Landesmittel für kleine Museen und Vertriebenen-Kulturförderung, von der Landkreis-Stiftung für Kultur- und Denkmalpflege sowie von der rührigen Einbecker Bürgerstiftung. Als Stiftungsrepräsentanten erneuerten Joachim Stünkel und Stefan Beumer die weitere Förderungsbereitschaft. Denn ohne Heimatsammlungen über Flucht und Vertreibung ginge gesellschaftliches Gedächtnis verloren. Doch die Erlebnisgeneration derer, die grauenvollen Krieg und folgendes Leid selbst erlebt haben, schwindet unaufhaltsam. Zu viele Sammlungen seien bereits „aufgelöst, eingelagert oder abgegeben worden”, beklagte Doris Schröder-Köpf. Gleichwohl hätten alle Einbecker mit schlesischen Herkunftswurzeln ein Recht auf Zeugnisse zur eigenen familiären Migrationsgeschichte, befand Bürgermeisterin Michalek. Schließlich habe „jeder vierte Einbecker ostdeutsche Familienwurzeln”, rechnete Leo Schiller vor und beschwor die nachhaltige Völkerverständigung.

„Einbeck hat sich bleibende Verdienste um die Stadt Patschkau und die umliegenden Dörfer erworben”, sagte Schiller dankbar.

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