Ausgesprochen weiblich

Knapp 200 Frauen und vereinzelte Männer machten mit beim Frauenforum-Frühlingsfest.

EINBECK Hut ab: Mit dem neuen Frühlingsfestformat hat das junge Einbecker Frauenforum mit „Tee und Hut“ auf Anhieb womöglich die größte Demonstration weiblicher Gleichberechtigungsfreude in Südniedersachsens Mittelzentrum auf die Beine gestellt.

Gut 200 hauptsächlich behütete Teilnehmerinnen erlebten am Weltfrauentag im Einbecker Rathaussaal über drei unterhaltsam rasante, gleichsam gesellschaftspolitisch informative Stunden über emanzipatorische Errungenschaften, weibliche Wirkungen und aktuelle Herausforderungen.

Dazu gehören Gehaltsfragen: „Wir Frauen hätten mehr von gleicher Bezahlung als von einer genderneutralen Nationalhymne“, so brachte es die 18-jährige Nichte von Stadträtin Beatrix Tappe-Rostalski auf den Punkt.

Derzeit, sagte die Ratspolitikerin, säßen nur neun Frauen im 44-köpfigen Stadtrat. In den Ortsräten sei das Verhältnis ähnlich. Frauen sollten mutiger werden, ihren Hut häufiger in den Ring werfen und aktiv für die lang erkämpften Rechte eintreten. Auch nach 100 Jahren aktiven und passiven Wahlrechts dürften Frauen nicht nachlassen, Gleichberechtigung einzufordern und den Hut selbst aufzusetzen.

Das Frauenforum besteht aus den neun Ratsfrauen und der Gleichstellungsbeauftragten Simone Engelhardt. Die brasilianisch angehauchte Frühlingsfeier wurde mit den Berufsbildenden Schulen Einbeck, Fingerfood Augusta, den Landfrauen Einbeck sowie LM Lederwaren, dem Soroptimist International Club Einbeck-Northeim und der Tee-Oase aufgezogen.

Dazu gab es anregende Heißgetränke, harmonische Frauensongs, zeitgeschichtliche Hutgeschichte(n) und aussagekräftige Frauen-Interviews.

Die angehenden Erzieherinnen Josephine und Rebecca fragten nach bei Superintendentin Stephanie von Lingen, Soroptimistin Anne Fritz und Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek sowie BBS-Lehrerin Marie-Christin Wielert, Ortsbrandmeisterin Ilona Lux und BBS-Schülerin Karina Hartmann.

Mit starken Bildern starker Frauen beleuchtete Ulla Feiste, was sich Frauen durch alle Epochen auf das Haupt setzten. Der Hut als symbolträchtiges Kleidungsstück auf exponiertem Körperteil sei Ausdruck von Gleichberechtigung auf dem Kopf.

Durch die Jahrhunderte hätten sich harte Hauben ohne Schleier und abenteuerliche Steifkonstruktionen entwickelt, die obenauf ausrasierte Haarpracht

erforderten.

Nach der kaiserzeitlichen Revolution auf und im Kopf sollte das Hutwesen tragbarer, anschaulicher und augenfälliger werden. Marlene Dietrichs männlich motivierte Mützenmode oder Jackie Kennedys Pillbox-Hütchen machten mehr her als die strengen Helme, wie sie in den alten Tagen der Fuggers aufgespannt wurden.

Nach aromatischen Kreativ-Häppchen folgte eine durchweg atemraubende Hutmodenschau, die intensiv im BBS-Sozialpädagogikunterricht geprobt worden war. Unter der Choreografie von Eunice Schenitzki wirbelten schließlich sieben weibliche BBS-Models mit drei Männermodels durch den Rathaussaal. Spitzwegs berühmtes Ge-mälde „Sommerspaziergang“ wurde stilecht lebendig.

Mit erfrischendem Elan zeigten die munteren Modelle, was Panama-Strohhut, Cowboy-Stetson oder federleichte Häubchen hermachen. cmf

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