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The Beat goes on!

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Von wegen Totengräber: „The Gravetakers“ schmettern beim Comeback mit Bernd Diesner, Eckhard Warnecke, Peter Deiters, Amos Armbrecht und Micha Nolting (v.l.) überraschend Queen's Powerhymne „We will rock you“ im Rheinischen Hof. © Foto: Friese

EINBECK Yeah! Yeah! Yeah! Die Jungs haben es drauf, noch immer: Vor voller Bude haben Einbecks uralte Beat-Kapellen „The Gravetakers“ und „The Burglars“ das jugendliche Lebensgefühl der „Generation Schützenhaus“ frisch befeuert. Klangvolles Comeback beim Exklusivkonzert „Beat, Beat, Beat“ im Rheinischen Hof. Jetzt wird überlegt, ob die heißen „Rentnerbands“ nachlegen und beim Eulenfest im Oktober nochmals aufdrehen.

Für immer jung: Schon Stunden vor Beat-Beginn kommen treue Fans zum Rheinischen Hof, erkennen einander und erzählen Anekdoten wie beim großen Klassentreffen.

Überall kleben Plakate von den Großmeistern der Beat-Vertonung. An Plastikpalmen hängt durchgenudeltes Plattenvinyl mit Schützenhaus-Stempel. Die Bühne ist gesäumt mit Star-Postern und Fotos der Heimspieler mit Chefroadie Toto Rose. „Ich krieg' eine Gänsehaut nach der anderen“, raunt ein drahtiger Mit-Sechziger seiner heiter strahlenden Begleiterin zu und meint die Erinnerungen an „unsere Zeit“ – an Jugendtage, als neue Hits spätabends bei Radio Luxemburg knistern und gute Platten nur bei Radio Brandt warten; als rote Lippen am Rand der Jugendheim-Limobälle geküsst werden; als enge Schlaghosen und knappste Miniskirts versteckt bleiben müssen, damit es zuhause keinen Ärger gibt. Die Geschichte zum Einbecker Beat ist längst nicht auserzählt.

Schon steigen Stimmung und Temperatur im Saal. Als Start-Up läuft eine Oldie-Tonspur mit Hitschnipseln und Senderrauschen, bevor „The Burglars“ zeigen, wie Einbecks Jugend in den 1960-ern von den Beatles und/oder den Rolling Stones mitgerissen wird, von den Kinks und The Who. Es geht um „Money“ und Mädchen, wilden Hüftschwung, vollendeten Engtanz und immer viel zu wenig Geld in der Tasche.

Als aufstrebende Spiegel-Band spielen die „Burglars“ auf billigstem Equipment – mit einer Prise Rockabilly-Protopunk! Inzwischen deutlich über 60 Jahre jung, greifen die Altherren-Rocker beim Revival zu teuren Teilen. Solche bringen auch „Sugar Beat“ mit. Die Hauscombo einer etwas größeren Saatgutfirma bildet die zweite Welle der gerockten Vergangenheitsbelebung, brilliert mit Hendrix und macht herrlichen Spaß.

Noch mehr Hitze bringen die Headliner „The Gravetakers“ mit ultraheißer Version von „My Friend Jack“ der Mod-Band The Smoke. Leadgitarrist Bernd Diesner lässt die Saiten höchst effektiv kreischen, bis die Beat-Gemeinde kocht. Authentisch und frisch klingt das Spencer-Davis-Medley mit vortrefflich verzerrter Hammondorgel und kehlig treibendem Gesang von Micha Nolting. Glockenartig harmonieren Amos Armbrecht und Peter Deiters beim Kinks-Hit „Sunny Afternoon“ und dem „Nowhere Man“ aus Liverpool.

Überraschend dann Queen's „We will rock you“ mit Super-Gitarrenriff zur Hammer-Stimme von Eckhard Warnecke als Freddie Mercury (!). Und weil „unsere Zeit” so schön ist, fangen die „Gravetakers“ gleich noch einmal von vorne an. Bis endlich auch die Vollblutmusikanten von „SalzDerHelden“ auf die Bühne dürfen. Der Nachwuchs verdient ja auch eine Chance – zum Jungfühlen ist niemand zu alt. cmf

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