Langer gibt Gas

Bei Erfolg geht’s mit Einhorn in den Bundestag

+
Nicole Langer hat auch ein Herz für Tiere: Hier mit ihrem sibirischen Waldkater „Herr Katzenkater“, den sie aus dem Tierheim geholt hat.

REGION Handwerklich begabt, 43 Jahre jung, blaue Augen, die blonde Mähne praktisch zu einem einen Meter langen Pferdeschwanz gebändigt, Autodidaktin, spontanes Wesen, kesse Lippe und jede Menge Lebenserfahrung: Nicole Langer, im Sternzeichen Löwe geboren – setzt sich hundertprozentig für ihre Überzeugungen ein. Dann gibt sie richtig Gas und gibt alles, was ihr möglich ist. Jetzt will es die Markoldendorferin auch politisch wissen und nach 27 Jahren erstmals das Direktmandat für die FDP im Bundestagswahlkreis Goslar, Northeim, Osterode holen.

„Wenn mir das gelingt“, schmunzelt die selbstständige Kostümbildnerin und Modistin (Putzmacherin), im früheren Leben Spediteurin, Truckerin und Rennfahrerin in der Kart-Klasse, die vier Jahre für ihre eigene Presse-Agentur an der Formel1-Strecke fotografierte, „dann werde ich mit einem Einhorn in den Deutschen Bundestag einziehen“. Da freilich befindet sich die FDP seit 2013 noch in der außerparlamentarischen Opposition. Ein hehres Ziel also für die wandlungsfähige und doch so bodenständige, im Live Active Role Play versierte Powerfrau. Die Wahlkreisversammlung der Liberalen hat sie auf Anhieb für sich eingenommen. Dabei hat sie nie ein politisches Amt bekleidet, nur die FDP, seit sie denken kann, „immer gewählt“. Die stehe für ihre Werte – Chancen zu eröffnen, dass man alles schaffen kann, dass man aber selbst etwas tun muss, wenn man in diesem Land nachhaltig etwas ändern will. Sie will Impulse geben, sensibilisieren. Ungerechtigkeiten sind Nicole Langer ein Dorn im Auge, und das Gefühl, „von denen da oben“ mit seinen Nöten nicht wahrgenommen zu werden, ist ihr mehr als vertraut. Sie hat es am eigenen Leib erlebt. Hartz IV-Bezug, unzählige Bewerbungen. Irgendwann nach 100 Bewerbungen hatte sie aufgehört, sie zu zählen. Ihre Bewerbung zum Spargelstechen sei mit der Begründung abgelehnt worden, Deutsche gäben am zweiten Tag ohnehin den gelben Schein ab... Nicole Langer wagte mutig den Schritt von Hartz IV in die nicht minderschwere Selbstständigkeit, in der gehaltsunabhängige Krankenkassenpflichtbeiträge Menschen mit niedrigem Gehalt schon an den Rand des Existenzminimums bringen können. „Die da oben“ wüssten gar nicht, wovon sie sprächen, wenn sie den Begriff „kleine Einkommen“ in den Mund nähmen – 2500 Euro brutto? Pustekuchen! Und dass unsere Gesellschaft nicht erst durch die Digitalisierung „unstete Lebensläufe“ bekomme, habe sie ihrem heutigen Bundesvorsitzenden ebenfalls ins Stammbuch geschrieben, obwohl dessen Rede die Initialzündung für ihre Bundestagskandidatur gab: „Ich bin die 3D-Animation unseres Leitbildes!“ Nicole Langer redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Spontan und doch durchdacht, eiert sie nicht herum, nimmt kein Blatt vor den Mund: Und sie schreibt auch den „Richtigen“, wenn sie mit denen nicht einer Meinung ist. Mit dem FDP-Landtagsabgeordneten und Kreisverbandsvorsitzenden Christian Grascha ist auf diese Weise ein bereichernder Dialog entstanden, an dessen Ende sie 2016 Mitglied der Liberalen wurde und seit 11. Januar auch deren Kandidatin für die nächste Bundestagswahl. Sie solle sich ja nicht verändern oder gar verbiegen, ermuntern sie ihre politischen Wegbegleiter, sondern genauso bleiben wie sie ist. Naja, ein bisschen Schminke werde sie sich jetzt vielleicht doch wieder zulegen, sagt die Frau lachend, die das gemeinsam mit Ehemann Milan erworbene Fachwerkhaus in Markoldendorf zusammen mit dem Stiefvater renoviert. In Eigenleistung selbstredend. con

Kommentare