„Wir machen Euch satt!“

LandwirtInnen stehen Verbrauchern Rede und Antwort

Klären auf und werben um Vertrauen: Aktive LandwirtInnen im Gespräch mit der Bevölkerung.

EINBECK Morgens standen die Landfrauen früh um fünf Uhr im Stall, von zehn bis 13 Uhr dann Verbrauchern auf dem Einbecker Marktplatz bei klirrender Kälte Rede und Antwort. Dialog und Transparenz statt Protest: Während die Narren das Einbecker Rathaus enterten, suchten LandwirtInnen aus der Region ganz in der Nähe das persönliche Gespräch mit den Verbrauchern.

Unter dem Motto „Fragen Sie Ihren Landwirt“ mischten sich neben aktiven LandwirtInnen auch der Vorsitzende des Landvolkverbandes Northeim-Osterode, Hartmut Danne, unter die Menschen, Ingeborg Cramm von den Einbecker Landfrauen und ihre Mitstreiterinnen, Vertreter des Maschinenrings, der Landberatung und der Landwirtschaftskammer. Vor dem Hintergrund der Grünen Woche in Berlin ging es bei dieser öffentlichkeitswirksamen Aktion vor allem darum, im persönlichen Gespräch Fakten zu vermitteln, um Vertrauen in die heimische Landwirtschaft zu werben und Kritiker vom verantwortungsvollen Umgang der Landwirte mit Natur und Tier zu überzeugen. Deren Auftrag sei es schließlich, eine ausreichende und gesunde Ernährung dauerhaft sicherzustellen. Um die angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung auch noch in 30 Jahren zu gewährleisten, müssten die Erträge aber um 60 Prozent gesteigert werden, betonte Hartmut Danne. Das erfordere eine nachhaltige und moderne Landwirtschaft: „Doch eine moderne Landwirtschaft ohne Immissionen wird es niemals geben können.“ Danne wies den Vorwurf zurück, Landwirte belasteten die Böden und verpesteten die Umwelt: „Wir haben den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln eindeutig gesenkt und dabei trotzdem den Ertrag gesteigert.“ Auch sei der Antibiotika-Einsatz mittlerweile um 53 Prozent zurück gefahren worden. Nur: „Das wird in der Öffentlichkeit kaum registriert.“ Dabei sei es auch nicht ganz unwichtig, „dass das unseren Berufsstand viel Geld kostet“. Denn bei allen Bemühungen um das Tierwohl: Auch das gebe es nicht zum Nulltarif. Natürlich sei die Landwirtschaft nicht vor schwarzen Schafen gefeit, räumte Danne gegenüber der EULE ein. Nur sie aber seien es, die dann einen ganzen Berufsstand in Misskredit brächten und Verbraucher verunsicherten. „Weg vom Populismus und zurück zu den Fakten“, forderte daher Landfrauen-Vorstandsmitglied Ingeborg Cramm. Landwirte als Erzeuger gesunder Lebensmittel – egal, ob bio oder konventionell – bewegten sich im Rahmen „nachvollziehbarer gesellschaftlicher Forderungen nach Einfluss auf Produkte und Preisgestaltung“. So lange deutsche Landwirte in der Lage seien, hierzulande wirtschaftlich zu produzieren, hätten die Verbraucher auch Einfluss auf ihre Lebensmittel, Einblick und Kontrolle. „Dabei dürfen weder Politik noch Verbraucher vergessen, dass dies nur möglich ist, wenn Landwirte zu Preisen produzieren können, die die Verbraucher akzeptieren und von denen der Bauer auch leben kann.“ Nicht nur die Wirtschaftlichkeit leide, wenn nur ein Teil der Bevölkerung bereit sei, für Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen, der weit größere Teil jedoch auf billige Industrie- und Importware aus Ländern zurückgreife, in denen nicht so strenge Auflagen für die Nahrungsmittelproduktion gelten wie in Deutschland. Die Politik müsse also die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen, damit ausreichend Nahrungsmittel vor Ort produziert werden könnten. „Wenn wir die heimische Landwirtschaft erst verlieren, begeben wir uns in eine völlig Abhängigkeit. Dann wissen wir nicht mehr, was wir essen...“, gibt die Landfrau zu bedenken. Und dieses Szenario könne schließlich niemand ernsthaft wollen. con

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