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Domfestspiele: Doll geht: Der Lenz ist da!

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Schon das neue Konzept und den Spielplan 2017 im Gepäck: Der neue Intendant der Domfestspiele: Achim Lenz. © Foto: Sürie

BAD GANDERSHEIM Der neue Intendant der Gandersheimer Festspielzeit 2017 heißt Achim Lenz: Der 38-Jährige gilt als Jüngster in der Galerie der Domfestspiel-Intendanten, selbst den Noch-Intendanten Christian Doll toppte er, dem seinerzeit Jüngsten, als der 2012 mit gerade 41 Jahren die Intendanz antrat. Gleichwohl bringt der „Neue“, der ab 1. Oktober in der künstlerischen Verantwortung steht, die besten Voraussetzungen für die Besetzung mit: Die Kriterien des Aufsichtsrates erfüllt er nämlich, wie Vorsitzender Uwe Schwarz im Rahmen einer Pressekonferenz ausführte, „optimal“.

Achim Lenz hat Erfahrungen mit Freilichttheater (drei Jahre lang ist er bereits in der Festspielleitung der Domfestspiele und hier auch als Regisseur tätig), hat als Dozent die Anbindung etwa zur Folkwang-Universität der Künste und ist mit den örtlichen Bedingungen, mit der Stadt und ihren Menschen vertraut: „Er weiß, wie die Gandersheimer ticken!“, freut sich Schwarz. Darüber hinaus stimme die Chemie zwischen ihm und dem Intendanten Christian Doll, mit dem Ensemble, den Menschen in der Stadt, nicht zuletzt mit dem Aufsichtsrat.

Kein Wunder, dass der Erfolgsregisseur der „gefeierten“ Inszenierungen „Comedian Harmonists“, „Highway to Hellas“ unabhängig von einander Wunsch-Intendant sowohl des Aufsichtsrates als auch des scheidenden Intendanten Doll war.  Der hatte überraschend im Februar bekannt gegeben, die Intendanz in Schwäbisch-Hall zu übernehmen. Da die Entscheidung für Lenz nun ebenso schnell wie einmütig erfolgte, können die Verantwortlichen Doll, der die Festspiele seit 2012 „immens vorangebracht“ hatte, getrost aus dem Vertrag entlassen und nach der gerade laufenden Spielzeit ziehen lassen. Bürgermeisterin Franziska Schwarz verspricht sich von dem neuen Intendanten, dass sich die über die Region hinaus erstreckende Ausstrahlung der Festspiele weiter verfestigt. Über die Entscheidung des Aufsichtsrates werde auch in der Bevölkerung „Begeisterung“ herrschen, ist sie überzeugt.

Denn Lenz gilt nicht nur als Theatermacher, der Schweizer hat auch ein Faible für Land und Leute. Er gilt als kooperativer, als ein kommunikativer Mensch, er mag die Stadt, unterhält zahlreiche Kontakte zur Bevölkerung, und will hier als erster Intendant seit Festspielgedenken demnächst sogar seinen deutschen Wohnsitz aufschlagen. Wie ambitioniert der Schweizer die neue Herausforderung annimmt, beweist außerdem, dass er, wenige Monate vor dem offiziellen Amtsantritt, schon den Spielplan für 2017 herausrückte: Mit „Jetzt oder Nie – Die Comedian Harmonists Teil 2“, dem Schauspielklassiker „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller, dem Tanzmusical „Saturday Night Fever“ und dem Kinder- und Familienstück „Die kleine Hexe“ kommen vom 4. Juni bis 30. Juli 2017 vier Neuproduktionen auf die Freilichtbühne vor der Gandersheimer Stiftskirche. Dazu kommt das Schauspiel „Das Interview“ auf dem Gelände des Klosters Brunshausen als zweiter Spielstätte. Für das Festspielprogramm 2017 wird die evangelische Stiftskirche wohl so gut wie sicher grünes Licht geben, jedenfalls gebe es nur positive Rückmeldungen – was offenbar kein Wunder ist: „Es ist auch ziemlich toll“, empfindet auch Schwarz den Spielplan. Selbst für 2018, wenn die Festspiele ihr 60-Jähriges begehen, hat Lenz schon große Pläne. Er bemühe sich um ein Programm, „von dem wir noch Jahre später zehren...“.

Ohnehin will er sich für eine „aktive und lebendige Domfestspielzeit“ engagieren, den Eventcharakter der Festspiele noch mehr herauskehren und die Menschen aus der Region, Junge ebenso wie Erwachsene, stärker ans Theater binden. Theater sei schließlich „kein hehrer Musentempel“. Theater könne man nicht gegen die Zuschauer machen. Die Festspiele seien aus seiner Sicht vielmehr ein Treffpunkt, ein kommunikativer Teil des Gemeinwesens, ein innovativer und kreativer Mittelpunkt und Motor in Bad Gandersheim. Der Theaterpädagogik will er eine feste Stelle einräumen, sich in diesem Bereich für ein ganzjähriges Programm einsetzen, sich selbst über das ganze Jahr den Festspielen widmen.

Sein betriebswirtschaftliches Engagement stehe seinem künstlerischen in nichts nach, betonte der Intendant, der seinen Dreijahresvertrag am 20. Mai unterschrieb. Das hörte wohl auch Aufsichtsratsvorsitzender Schwarz ganz gern: Denn mit einer Ausdehnung des Kostenvolumens sei die Verpflichtung von Lenz trotz eines erheblichen Schlucks aus der Landespulle nicht verbunden gewesen. Nur mit „überzeugender Leistung“ werde es gelingen, weitere Sponsoren zu finden. „Da gibt es eine Menge Potenzial.“ Lenz bezeichnete er als ebensolchen Glücksgriff wie den Noch-Intendanten Doll. Nach Doll, der sich in seine erste Intendanz gleich „voll reingehängt“ habe, komme mit Lenz nahtlos ein Mann, der „mit dem gleichen Esprit ans Werk“ gehe. Wohl einzigartig ist, dass die Gandersheimer Domfestspiele in der aktuellen Spielzeit, die noch bis zum 24. Juli währt, gleich drei zukünftige Neu-Intendanten der Festspielgemeinschaft in ihren Reihen wissen: Doll, der nach Schwäbisch Hall wechselt, Daniel Ris, der bei den Burgfestspielen in Mayen antritt und eben Achim Lenz als künftigen Intendanten der Gandersheimer Domfestspiele. „Auch das gibt es nicht so oft“, sagt Schwarz. con

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