Windkraft: Ortsrat Dassensen für Alternativprüfungen

„Bürger-Belange missachtet“

Bei der Ortsratssitzung erläutert Vize-Ortsbürgermeister Detlef Martin, wie ungerecht und undurchsichtig die städtischen Windkraft-Pläne gesehen werden: „Von einer alternativlosen Gleichbehandlung zu sprechen und eine als ausreichend ermittelte Vorrangfläche von 331 auf 524 Hektar zu vergrößern, ist für uns nicht nachvollziehbar." Foto: Friese

DASSENSEN Der Gegenwind gegen Windkraft-Sonderbaugebiete bleibt frisch: Der Ortsrat Dassensen hat jetzt seine Kritik an Planwerk und Machart erneuert – und beantragte unter Vorsitz von Ortsbürgermeister Manfred Sudhoff einstimmig inhaltliche Korrekturen, neuerliche Prüfungen alternativer Flächenzuschnitte und eine Einwohnerversammlung in Dassensen, bevor der Stadtrat voraussichtlich im Juni über Flächennutzungsplanänderung und Vorranggebiete entscheidet.

„Es gibt noch Erklärungsbedarf“, bekräftigte Vize-Ortsbürgermeister Detlef Martin bei der wiederum gut besuchten Sitzung im Schützenhaus Dassensen. Allerdings sei „nicht hilfreich, wenn einzelne Personen persönlich angegangen werden.“ Aber der Ortsrat erwarte einfach mehr Transparenz, warum erkennbare Alternativen nicht weiter berücksichtigt und durchgeplant würden. So habe etwa die Firma Prokon schon 2015 vorgeschlagen, die nördlich von Dassensen gelegenen Sonderflächen um 24 Hektar nach Westen zu vergrößern. Dann könnte nämlich auf das östliche Sonderareal bei Dassensen verzichtet werden, was auch Odagsen, Edemissen und Rotenkirchen entlasten würde. Trotzdem brächte der Prokon-Vorschlag 50 Hektar und 15 Prozent mehr Sonderbaufläche als die im Entwurf als ausreichend groß beschriebene Variante 4.

Die zuständigen Fachausschüsse für Stadtentwicklung und Planung sowie für Umwelt, Energie und Bau hatten in gemeinsamer Sitzung nach Bürgerprotesten und politischen Zweifeln unter anderem Nachkartierungen über artbedrohte Vogelvorkommen angeschoben. Das soll noch mit den Fachplanern aus Hannover besprochen und in den Fachausschüssen vor der Juni-Ratssitzung beraten werden.

Schon jetzt bedauert der Ortsrat, dass niemand aus den Ratsfraktionen Sturm läuft gegen den Planentwurf. Die Belastungen durch Windkraftanlagen (WKA) trügen nur zwei Bereiche im Stadtgebiet. Mögliche Alternativen wie im Feststellungsbeschluss auszublenden, „hat schon etwas von Zynismus. Wir fragen uns, wer dafür die Verantwortung übernimmt“.

Schwer stößt in Dassensen auch die Abwägungstabelle zur Ortsräte-Anhörung auf. Darin werde eine mildere Beeinträchtigung der Ortslage suggeriert, wenn die Konzentrationsflächen nun im Norden und Osten ausgewiesen werden sollten. Das wäre tatsächlich eine Ausweitung um 100 Prozent. „Wo sehen Rat und Verwaltung da die Abmilderung?“, fragte Martin. Der Ortsrat verglich und bemängelte auch andere Entwurfvarianten, auf denen unter dem Strich mehr Windstrom erzeugt werden könnte als Land und Landkreis erreichen wollten. cmf

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