Lautstark und bunt gegen NPD-Trupp

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Gatterbann am Eulenspiegel-Brunnen für zwölf auswärtige NPD-Kundgeber und 300 Gegendemonstranten mit dem Bürger-Bündnis „Einbeck ist bunt“. 

EINBECK Unerhört trotz Lautsprechers: 12 rechtsextreme NPD-Darsteller haben am Sonnabend auf dem Marktplatz knapp 20 Minuten angemeldete Agitation betrieben und blieben doch durchweg unverständlich.

Denn zu Kirchenglockengeläut und Kneipenmusik hielten rund 300 Leute lautstärker dagegen und bliesen dem NPD-Dutzend mit Trillerpfeifen und Trompeten den Marsch zum Abmarsch. Dazu hatte das Bündnis „Einbeck ist bunt“ aufgerufen. Dem folgten Gewerkschafter, Geistliche und Kirchenglieder, reichlich Parteipolitiker, Mandatsträger und etliche Kandidaten von SPD, CDU, FDP, Grünen, Die Linke., Antifaschistische Linke, Migranten und vor allem Privatpersonen aus dem Raum Dassel-Einbeck-Bad Gandersheim. Nur 16 Stunden vor der Bundestagswahl blieben Kundgebung und Gegendemo friedlich.

Dafür sorgte die Einbecker Polizei mit weniger Bereitschaftskräften als im Vorjahr. Ohne Helm und schwere Einsatzkluft wirkten die Ordnungshüter entspannender auf möglicherweise durchdrehende Hitzköpfe. Obendrein wurde der Rathaus-Vorplatz gleich nach Wochenmarktschluss vorbereitet und mit „Hamburger Gattern“ komplett abgeriegelt, damit sich die Gegner nicht zu nah kommen konnten.

Während die NPD-Gruppe im schwarzen VW Golf mit Eichsfeldkreis-Zulassung und Hornlautsprechern eintraf, ließen sich ihre örtlichen Gesinnungsgenossen am Alten Rathaus nicht blicken. Der anführende thüringische NPD-Landesvorsitzende grinste wie aufgedreht, bedankte sich für die „schöne Kulisse“ und gestikulierte kameragierig in alle Richtungen. Ein gescheiterter NPD-Kandidat für das Northeimer Landratsamt musste den Weißbärtigen unterdessen artig abfilmen.

Angeregt unterhielt sich der mehrfach vorbestrafte Rädelsführer auch mit seinem kahlköpfigen „National-Kameraden“ aus der Seelenbinderstraße in Berlin-Köpenick. Andere der NPD-Kundgeber hielten sich in Einbeck wieder nicht an das gültige Vermummungsverbot und verhüllten ihr Gesicht.

Als die Polizei die Polit-Provokateure aus der Stadt verabschiedete, zogen einige ortsansässige Jugendliche und Heranwachsende flink hinterher durch Knochenhauerstraße, Geistraße und Hören Richtung Möncheplatz. Knapp vor Handgreiflichkeiten, blieb es bei ausgesprochen aggressiven Beleidigungen gegenüber Polizeibeamten.

Anfangs feierte das bunte Bündnis mit Pastor Daniel Konnerth einen aktuellen Friedensgottesdienst in der Marktkirche St. Alexandri. Deren Glocken läuteten extra lang und beschallten die gemischte Szenerie von oben.

 An der Andacht nahmen auch Bürgermeisterin Dr. Sabine Michalek, Staatssekretär Frank Doods und andere Stadträte, die Bad Gandersheimer Bürgermeisterin Franziska Schwarz und SPD-Landtagsabgeordneter Uwe Schwarz teil.

Bündnissprecher Marcus Seidel und CDU-Bundestagsabgeordneter Dr. Roy Kühne wandten sich zum Demo-Ende noch mit Kleinmegaphon an die verbliebenen Bunt-Demonstranten.

„Wir können stolz auf unser Bündnis sein – es hat gestanden. Wir haben hier ein Zeichen gegen Nazis gesetzt. Wir waren laut, kreativ und friedlich“, unterstrich Peter Zarske für das Bündnis. Er lobte vor allem „den friedlichen Ablauf. Hier haben Demokraten gegen Nazis gestanden und sich nicht provozieren lassen“. cmf

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