„Sie wollen den Konflikt“

Zur Kundgebung bei Renold in Juliusmühle waren auch Beschäftigte von Einbecker, Dasseler und Uslarer Firmen gekommen. Bei den Warnstreiks in den Firmen Gattermann, DURA, Renold und Kayser haben am Donnerstag Gewerkschaftsangaben zufolge knapp 400 Beschäftigte zeitweise die Arbeit niedergelegt. Renold-Betriebsratsvorsitzender Achim Wenzig (l.) gehört erstmals zur Verhandlungskommission der Metall- und Elektroindustrie Niedersachsen. Die Forderung der Arbeitgeberseite nach der Abschaffung des Achtstunden-Tages kommentierte er mit „Das kann nicht ihr Ernst sein.“ DURA-Betriebsratsvorsitzende Rita Haupt erinnerte an die hohen Unternehmens-Gewinne und weiteren guten Prognosen: „Wir haben mit unserer Arbeit mit dafür gesorgt. Nun wollen wir auch unseren Teil vom Kuchen.“ Die IG Metall fordert ein Lohnplus von sechs Prozent. Foto: Sürie

EINBECK/DASSEL Die Lunte brennt: Bundesweit haben sich bis Donnerstag 500 000 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie an der mittlerweile zwei Wochen währenden Warnstreikwelle beteiligt, im Bezirk allein 29000 , im Zuständigkeitsbereich der IG Metall-Geschäftsstelle Süd-Niedersachsen-Harz 6000. Die Zeichen stehen auf Streik.

Die Arbeitgeber verstünden offensichtlich nur diese Sprache, machte der Erste Bevollmächtigte, Manfred Zaffke, angesichts der erneuten ergebnislosen Verhandlungsrunde der aktuellen Tarifverhandlung von Dienstag vor dem Werkstor der Firma Renold in Juliusmühle deutlich: Sie müssten die Konsequenzen verantworten, wenn sie ihre Chance nicht nutzten und sich weiter nicht auf die Beschäftigten mit ihren berechtigten Forderungen zubewegten, dafür aber mit geringschätzenden Äußerungen zur Realität der Arbeitswelt hervortäten und allen Respekt vermissen ließen, die Forderungen der IG Metall gar als Schwachsinn abtäten.

„Wir brauchen eine neue Arbeitszeit-Kultur,“ untermauerte Zaffke die Forderung, die Arbeitszeit für 24 Monate auf bis zu 28 Stunden reduzieren zu können – verbunden mit dem Rückkehranspruch auf die 35-Stunde-Woche, einem Entgeltzuschuss für Beschäftigte in Schichtarbeit und „anderen belasteten Arbeitszeitmodellen“.

Wer den Fachkräftemangel beklage, andererseits aber den fast historischen Tiefstand an Ausbildungsstellen in Niedersachsen verursacht habe, dürfe sich nicht wundern. Arbeitgeber müssten „in die Zukunft denken“: „Wer Fachkräfte haben und halten will, muss Arbeitszeitmodelle anbieten, die zum Leben passen!“

Längst sei das unternehmerische Risiko auf die Beschäftigten abgewälzt worden, die hätten ihre Pläne für Familie, Freizeit und persönliche Interessen nur noch nach Chefs und Kunden zu richten. „Flexibilität ist aber keine Einbahnstraße!“

Ob sich die Arbeitgeber bis nächste Woche „bewegen“, wenn die Entscheidung darüber fällt, ob Verhandlungen überhaupt noch Sinn machen, scheint dem Ersten Bevollmächtigten bisher wenig wahrscheinlich. Das Ende der „Blockadepolitik“ sieht er nicht. „Sie blockieren, provozieren, taktieren und stellen unverschämte Forderungen“ (wie die Abschaffung der Achtstunden-Tags). Das lässt für Manfred Zaffke nur einen Schluss zu: „Sie wollen den Konflikt!“

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