Sozialministerin besucht JUH und Lukaswerk-Suchthilfe

Behrens: Pandemie bislang gut gemeistert

Stark für Suchthilfe: Stefan Jagonak und Stefan Warnecke vom Lukaswerk, Frauke Heiligenstadt, Sozialministerin Daniela Behrens, Uwe Schwarz und Landrätin Astrid Klinkert Kittel.
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Stark für Suchthilfe: Stefan Jagonak und Stefan Warnecke vom Lukaswerk, Frauke Heiligenstadt, Sozialministerin Daniela Behrens, Uwe Schwarz und Landrätin Astrid Klinkert Kittel.

Einbeck – Bislang ist die Corona-Pandemie im Land gut gemeistert worden, betont Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens in Einbeck und lobt die „Super-Impfleistung“. Ohne Impfzentren und ehrenamtliche Kräfte „wäre das sonst groß in die Hose gegangen“, sagt Behrens beim Besuch in der Johanniter-Rettungswache in Einbeck und setzt weiter auf mehr Impfbereitschaft in der noch ungeimpften Bevölkerung. „Es gab kein Organisationsversagen, sondern leider lange keinen Impfstoff.“ 

Gleichwohl „wünschen wir uns manchmal eine etwas längere Leine vom Land“, hakt Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (SPD) nach und fragt, was sie Eltern sagen könne, wenn die sich nach baldiger Immunisierung für den Nachwuchs erkundigen. Das Unternehmen BioNTech habe inzwischen ein Impfserum speziell für Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren zur Zulassung angemeldet, sagt die Sozialministerin. Nach der Prüfung stehe zwar noch die Anwendungsempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) aus. Klar sei allerdings, dass die mobilen Impfteams Kindern keine Impfungen verabreichen werden, wenn die Impfzentren zum Oktober geschlossen werden. Dann impfen die Hausärztinnen und Hausärzte.

Die Sozialministerin, wegen der Corona-Lage derzeit die wohl meist beschäftigte Ressortchefin in Niedersachsens Regierungskabinett, hat den Informationsbesuch beim Johanniter-Ortsverband noch eingetaktet in die heiße Wahlkampfphase für Bundestagskandidatin Frauke Heiligenstadt. Die Gillersheimer Landtagsabgeordnete, Kreistagsvorsitzende und SPD-Unterbezirkschefin kommt mit den Kreistagskollegen Uwe Schwarz und Peter Traupe sowie Rita Moos und Martin Grund von der Einbecker SPD ins alte Elektrizitätswerk an der Bismarckstraße, wo die Johanniter seit 2018 die Rettungswache betreiben.

Neben Regionalvorstand Jörg Dudenhöft und Bereichsleiter Einsatzdienste Thorsten Ernst vom Johanniter-Landesverband berichtet der Einbecker Dienststellenleiter und Regionalbereitschaftsführer Marc Küchemann besonders über die jüngsten Hilfseinsätze nach der Todesflut in Bad Neuenahr und Ahrweiler. Mit 150 Aktiven bauten die Johanniter 50 Behandlungsplätze für verletzte Menschen auf. „Da haben sich Dramen abgespielt“, erinnert Küchemann.

Gerade in Rheinland-Pfalz sei „nicht alles reibungslos abgelaufen“, bilanziert Bereichsleiter Ernst. Im dortigen Flutgebiet habe es „chaotische Verhältnisse gegeben, die in Deutschland bisher nicht denkbar waren“. Jetzt müssten die richtigen Schlüsse gezogen werden. Ernst hält eine „emotionslose Nachbereitung für nötig, auch mit Experten von außen“. Auch ohne Katastrophenlagen müsse geregelt werden, wie die bestehenden Strukturen verbessert werden können. Denn „wer weiß, wie sich die Pandemie weiter entwickelt“, räumt Behrens ein.

„Corona hat das Leben schwer gemacht auch für die Suchthilfe“, sagt die Gesundheitsministerin im neuen Innenhof-Quartier der Lukaswerk-Gesundheitshilfe in der Beverstraße. Zwar sei extra ein Online-Angebot mit Tagesklinik-Videokonferenz für Sport und Ergotherapie eingerichtet worden. Das seien durchaus willkommene Angebote für mehr Auswahl in Krisenzeiten. Trotzdem bleibt der persönliche Kontakt zu Klienten unersetzlich, sagen Leiter Stefan Warnecke und Suchtberater Stefan Jagonak. „Prävention geht nur mit langfristiger Arbeit.“

Ziel bleibe mehr Risikokompetenz und die richtige Resilienz, die Widerstandsfähigkeit gegen Abhängigkeiten von Stoff. Alkohol stehe weiter an erster Stelle und mache Klienten die meisten Probleme, gefolgt von illegalem Cannabis. Gerade THC-Gebrauch sei stark angestiegen. Warnecke weiß von Einzelfällen extrem junger Konsumenten, die mit zwölf bis 13 Jahren zum Lukaswerk kommen. Überdies gebe es Probleme mit Amphetamin und Kokain, obendrein Mischkonsum mit mehreren Stoffen und Alkohol. „Das Suchtgeschehen wird komplexer“, meint Jagonak. Derzeit würden rund 450 Klienten und Klientinnen beraten, behandelt und betreut mit rund tausend Kontaktgesprächen. cmf

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