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„Für Musik braucht man keine Sprache“

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Zum Auftakt der Musiktage erklingt wertige Musik aus dem Sound-Mobil.

EINBECK Wenn Anfang September die 30. Niedersächsischen Musiktage ihren Autakt in der neuen PS.-Halle in Einbeck nehmen, dann werden Schüler der BBS das musikalische Vorprogramm gestalten.Der Clou: Sie musizieren nicht mit Instrumenten, die man im Laden kaufen kann.

Ihren Klangkörper haben sie in der früheren BBS-Metallwerkstatt hergestellt, die heute zum PS.SPEICHER gehört. Ihr Sound-Mobil ist nach einer Konzeption des gelernten Werkzeugmachers und pensionierten BBS-Lehrers, Eberhard Schmah, entstanden – erbaut aus Ölfässern, Rohren, Blechbehältern, Lamellenkühler, Felgen und Motorhaube.

Hier ging es u.a. mit Metallkreissäge und vollautomatischer Blech-Tafelschere ans Werk, da wurde nicht geschweißt, sondern gebohrt, die Gewinde sind von Hand geschnitten. Das Sound-Mobil, eine Konstruktion, die einem Pickup ähnlich ist, hat seine Feuerprobe vergangene Woche bereits vor 300 Zuhörern bestanden: Denn es sieht nicht nur klasse aus, aus ihm lässt sich jede Menge wertige Musik herausholen. Eigens dazu waren die 16 SchülerInnen im Rahmen eines mehrtägigen Workshops dem bekannten Percussions-Künstler Stephan Krause (Hamburg) anvertraut worden – dem musikalischen Leiter ihrer Performance beim großen Finale zum Start der Niedersächsischen Musiktage in Einbeck. Der staunt nicht schlecht über das, was er rund um das Soundmobil in Einbeck erlebt: „Eine spannende Erfahrung.“ Es sei gelungen, viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern in einem gemeinsamen Projekt zusammen zu bringen, für das sie sich mit großer Leidenschaft einbringen. „Für Musik braucht man keine Sprache“, betont Profi Krause. Der Erfolg gibt ihm recht: Es sei schon eine große Kunst, so viele Menschen binnen so kurzer Zeit zu einem musikalischen Miteinander zusammen zu führen, hieß es übereinstimmend. Denn noch eines besticht an dem anspruchsvollen Projekt: Hier arbeiten angehende Erzieherinnen mit etwa gleichaltrigen Schülern der Sprachförderklasse zusammen: in Tandem-Arbeits-Teams, zusammengewürfelt mit je einem Schüler und einer Schülerin. Die jungen Frauen und Männer waren sowohl gleichberechtigt an der Herstellung des Sound-Mobils beteiligt als auch an dem musikalischen Part: Sie mussten sich austauschen, „eine“ Sprache finden, sich Fertigkeiten gemeinsam aneignen, tüfteln.  Da geraten auch erfahrene Pädagogen ins Schwärmen. Dieses Projekt habe gezeigt, wie schnell und nachhaltig Integration gelingen könne, wenn sie über persönliche Beziehungen und Bindungen erfolgt. Über das verbindende Element Sound-Mobil seien längst Freundschaften über den Schulalltag hinaus entstanden. „Ein Glücksgriff in Sachen Integration“ – die Schüler begegneten sich nun auf Augenhöhe.

Die Schule bewirbt sich mit dem Sound-Mobil-Projekt übrigens jetzt um den Niedersächsischen Integrationspreis.

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