Einträchtig im Ehrenamt

Volle Kraft voraus: Beim inzwischen 15. Neujahrsempfang der Marinekameradschaft Admiral von Hipper beleuchtete Gerhard Glogowski (l.) natürlich mit Braunschweiger Charme das Ehrenamt als Ausdruck gesellschaftlich gewollter Gemeinwesengestaltung. MK-Chef Dieter Henze dankte dem langjährigen Innenminister und früheren Ministerpräsidenten Niedersachsens durch gehaltvolle Einbecker Präsentmischung für seine spezielle Positionsbeleuchtung. Die erleben zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Marine und öffentlichem Leben, darunter MdB Dr. Roy Kühne, Einbecks Vize-Bürgermeisterin Antje Sölter, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel (r.) sowie Bad Gandersheims Bürgermeisterin Franziska Schwarz nebst dem dienstältesten Landtagsabgeordneten Uwe Schwarz. An Bord auch Umwelt-Staatssekretär und Stadtratsvorsitzender Frank Doods mit Kreiensens Vize-Ortsbürgermeisterin Nadine Seifert-Doods, Top-Banker und jede Menge Vertreter der befreundeten heimischen Vereine. Foto: Friese

KREIENSEN Windlichter brennen entlang der Treppenreeling im Bürgerhaus und weisen den Weg zum Neujahrsempfang der Marinekameradschaft Admiral von Hipper. Zwischen gerahmten Knotentafeln und aufgetakeltem Dreimastschoner wirft ein weiß-roter Kleinleuchtturm sein Drehlicht auf den Stützpunkt, dem Heimathafen der ehemaligen Marineangehörigen aus Kreiensen und Umgebung.

Wie an der Küste schwebt eine kleine kecke Möwe über dem mannshohen Drehstrahler und lugt scheinbar nach schnappfertiger Beute. „Willkommen an Bord“ steht in blauer Frakturschrift über dem maritimen Diorama – und Hipper-Kommandant Dieter Henze begrüßt im tiefseeblauen Wams des Deutschen Marinebundes alle Gäste per Handschlag, macht alle bekannt mit Gerhard Glogowski. Der langzeitige Niedersächsische Innenminister, frühere Ministerpräsident und vieljährige Vorsitzende bei Eintracht Braunschweig ist Ehrengast beim inzwischen 15. Jahresauftakt der Altmariner und spricht später starke Worte über Ehrenamt und gesellschaftlichen Mehrwert durch den unbändigen Gestaltungswillen engagierter Menschen – ehrenamtlich, immer freiwillig, weitgehend unbezahlt und grundweg unverzichtbar für die gefestigte Demokratie.

Zuvor macht die vereinte Hipper-Crew klar Schiff in der ersten Bürgerhaus-Etage. In der Kombüse wartet genug Proviant für die guten Gespräche zum Jahresbeginn. An den Tischen werden dicke Alben mit Bildern aus Jahrzehnten Marinekameradschaft weitergereicht. Nach scharfgesungenen Shanties über Wellen, Dünung und Heimathorizonte wird der Ausschank an der Hipper-Theke eingestellt, als Chef-Antreiber Henze auf der Brücke ernsthaft wird.

„Die Truppe befindet sich am Wendepunkt“, sagt der Vorsitzende und beklagt „Macken und Mangel bei Militär und Marine“. Nach der Havarie der U35 fahre derzeit kein einziges Unterseeboot der Marine. Auch bei Flugzeugen, Hubschraubern und Panzern gebe es gravierende Probleme. „Das Schrumpfen geht weiter“, sorgt sich Henze: „Die Truppe ist an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Deshalb ist die Politik gefordert, die Marine wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bewegen.“

Da sei allerdings nicht gerade hilfreich, dass nach über 100 Tagen noch immer keine Bundesregierung zustande gekommen ist. „Das muss doch wohl viel schneller gehen als eine Reha-Maßnahme.“

Erfolgreich möchte Henze auch die mögliche Einbecker Bewerbung für den „Tag der Niedersachsen 2021“ begleiten. Die Großveranstaltung sei in den letzten Jahren leider mehr Stadtfest geworden. Dennoch bietet der MK-Chef der Stadt Einbeck seine Erfahrung an, zumal er bereits zwölf Mal im Kuratorium für den Niedersachsentag mitgemacht habe. Damit betont der Hipper-Kommandant auch den wachsenden Zusammenhalt zwischen der Bierstadt und ihren Kreiensener Erweiterungen nach der kommunalen Fusion.

„Das Ehrenamt in unserer Zeit“ sei wesentlich für die Zukunftsentwicklung, unterstreicht Gastredner „Glogo“ Glokowski. Es sei Antwort der Bürgergesellschaft auf gesellschaftliche Entwicklungen, die der Staat allein nicht schultern kann.

Neue Ideen kämen nur aus der Bürgergesellschaft heraus. „Der moderne Mensch“, meint Glogowski, sei im Grund ein „Desaster für die Demokratie“, weil wachsender Individualismus mehr Staatsferne erzeuge. Doch gerade die „Gesellschaft der Ichlinge“ besitze einfach keine Organisationskraft. Das leiste wiederum jenen Vorschub, die mit populistischen Plattformeln auf Stimmenfang gingen. So werde eine gefährliche Zweiteilung der Gesellschaft befördert. Vereinen fehle Nachwuchs, weiß Glogowski. Die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, gehe zurück. Junge Menschen wollten heute nicht mehr auf Jahre hinweg „Schriftführer“ sein oder auch Vorsitzende. „Das müssen wir lösen!“ cmf

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