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„825 Jahre Erzhausen“

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Erzhausen feiert am 20. August sein 825-jähriges Bestehen.
Erzhausen feiert am 20. August sein 825-jähriges Bestehen. © Harald Boeckler

Erzhausen – Das 825-jährige Bestehen des Ortes Erzhausen soll am Sonnabend, 20. August, groß gefeiert werden. Wechselhaft ist die Geschichte des 825 Jahre altes Dorfes, das idyllisch im Leinetal liegt, zu beiden Seiten eingeschlossen von zwei Höhenzügen, dem Selter und dem Spiegel. Im Tal schlängelt sich die Leine entlang, daran erstreckt sich die Feldmark, die langsam zum Selter ansteigt. Neben der Leine verläuft die Nord-Süd-Strecke der Bundesbahn.

Im Jahre 1156 erwarben die Zisterziensermönche vom nahen Kloster Amelungsborn bei Holzminden in Erzhausen einen beträchtlichen Grundbesitz und legten 1197 mit der Errichtung eines Kloster-Außenhofes den Grundstein für das heutige Dorf. Das wird sogar in einer im Staatsarchiv Wolfenbüttel vorhandenen Urkunde bestätigt, die von Papst Coelestin unterzeichnet wurde. Erzhausen lag damals an der Grenze zwischen dem Bistum Hildesheim und dem Erzbistum Mainz und hieß vorerst noch nicht Erzhausen, sondern Erdishusen, was wohl die Behausung eines Erdistos bedeutete. Die gesamte Feldmark von Erzhausen betrug im 16. Jahrhundert 30 Hufen und 22 Morgen. Nach der Ortschronik war Erzhausen über Jahrhunderte ein echtes Bauerndorf.

1696 bestand es aus 15 Höfen mit 45 Pferden, 47 Kühen, 8 Rindern und 32 Schweinen. Handwerker gab es zuerst nicht, jeder Bauer war sein eigener Handwerker. Die Bewohner mussten zu dieser Zeit den größten Teil ihrer Ernte an das Kloster Amelungsborn abgeben. Es war ein Kloster der Zisterziensermönche, die nicht nur ein Leben in Frömmigkeit führten, sondern auch tatkräftig Wälder rodeten und Bodenkultur sowie Landwirtschaft förderten. Amelungsborn behielt die Gutsherrschaft über alle Höfe in Erzhausen, bis 1839 der Klosterhof verkauft wurde. Christian Bohnsack erwarb ihn für 1.400 Reichstaler. Noch heute ist der Hof in Besitz der Familie Bohnsack. Nun kauften sich die Bauern Land dazu und konnten sich auf ihren Äckern frei bewegen.

Der Selter weist einen sehr guten Baumbestand mit vielen Buchen und einem wildromantischen Felsengebirge auf. Unterhalb des Marienfelsens im Selter befindet sich die Marienquelle, aus der vor einigen Jahrzehnten der Apotheker aus Greene Wasser schöpfte, um daraus Mineralwasser herzustellen. Mitten im Selter befindet sich der mächtige Kammerstein mit seinen sieben Kammern, daneben ragt die Kammerkeule – das Wahrzeichen von Erzhausen – 30 Meter hoch und unten sehr schmal. Das Material aus den Selterfelsen war in den vergangenen 150 Jahren Broterwerb für die Steinhauer. Um 1900 wurden viele öffentliche Gebäude, besonders in Göttingen, aus dem Erzhäuser Steinmaterial errichtet, aber auch für den Bau der Eisenbahnstrecke Kreiensen-Holzminden wurden die harten Steine benutzt, ebenso wie für den Viadukt in Greene.

1683 wurde in Erzhausen zum ersten Mal eine Schule erwähnt. 1748 musste das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Ein neues wurde errichtet. Da der Schulbesuch Geld kostete, schickten nur wenige Eltern ihre Kinder zur Schule. Die Lehrer betrieben auf Grund der geringen Einnahmen noch nebenbei einen Handwerksberuf. Ein weiteres Schulgebäude wurde nach 1854 neben der alten Kirche erbaut und schließlich das letzte als Schule genutzte Haus 1951, das heute als Dorfgemeinschaftshaus der Allgemeinheit für Versammlungen und Feierlichkeiten zur Verfügung steht. Die alte Kirche in der Dorfmitte wurde mit der Zeit auch baufällig, der Turm musste sogar abgerissen werden. Daraufhin wurde 1982 im Oberdorf ein neues Gotteshaus errichtet. Daran schlossen sich viele Neubauten an, sodass ein ganz neuer Ortsteil – das Oberdorf – entstand.

Ein umwälzender Abschnitt in der Geschichte von Erzhausen, der das Ortsbild und das Aussehen der nördlichen Feldmark immens veränderte, war der Bau des großen Pumpspeicherwerks. Begonnen 1960, dauerten die Bauarbeiten fünf Jahre. Für die Anlage benötigte man etwa 80 Hektar Grund und Boden von der Feldmark Erzhausen. Die Leine wurde begradigt und um etwa 1,5 Kilometer verlegt. Im alten Leinebogen entstand die neue Kraftanlage. Besonders schwierig war das Gebiet im felsigen Selter für die Rohrbahn, die das Unterbecken in Erzhausen mit dem Oberbecken oberhalb von Naensen verbindet. Das Pumpspeicherwerk hat die Aufgabe, den elektrischen Spitzenenergiebedarf im Versorgungsgebiet eines großen Stromkonzerns zu decken.

Das Gemeinschaftsleben im 825-jährigen Erzhausen wird vorwiegend durch die örtlichen Vereine, die Feuerwehr und die Kirche geprägt, aus deren Mitgliedern sich auch der Festausschuss gebildet hat, der den Dorfgeburtstag plant und gebührend begehen möchte. Das Fest beginnt am Sonnabend, 20. August, um 13 Uhr auf dem Brunnenplatz mit einem feierlichen Gottesdienst. Im Anschluss daran findet ein Festakt mit musikalischen Darbietungen, mittelalterlichem Markttreiben und Kinderprogramm mit Einweihung des neuen Spielplatzes statt. Um 18 Uhr wird es eine Turnvorführung mit dem MTV Garlebsen-Ippensen geben, und ab 19 Uhr mündet das Ganze dann in einem gemütlichen Beisammensein mit Musik, Spaß und guter Laune. Für das leibliche Wohl wird mit Kaffee, selbstgebackenem Kuchen, Leckereien vom Grill, Spanferkel, Eis und kühlen Getränken gesorgt. Wer zu diesem Anlass einen Kuchen oder einen Salat spenden möchte, bitte bei Andrea Bohnsack (05563/236) oder Petra Bohnsack (05563/910591) melden. Der Umwelt zuliebe bittet der Festausschuss alle Gäste, Geschirr und Besteck mitzubringen.

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