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Störrisches Bergvolk?

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An allen Ortseingängen werden Besucher und Durchreisende mit solchen überdachten Holzschildern in Marienhagen begrüßt. Fotos: Zimmer
An allen Ortseingängen werden Besucher und Durchreisende mit solchen überdachten Holzschildern in Marienhagen begrüßt. Fotos: Zimmer

MARIENHAGEN  „Ich bin gerne Bürgermeister, weil ich stolz auf unsere Dorfgemeinschaft bin.“ Diese Worte sind die ersten, die Rainer Fütterer, der seit über 20 Jahren Bürgermeister von Marienhagen ist, über den Ort mit 744 Einwohnern einfallen.

„Früher hat mal ein Pastor aus Deinsen gesagt, wir seien ein störrisches Bergvolk. Wir sind nicht störrisch, wir feiern gerne“, erzählt Fütterer mit einem Lächeln. Stolz ist er aber nicht nur auf die Dorfgemeinschaft, sondern auch und vor allem auf das ehrenamtliche Engagement der Bewohner, das unter anderem im Förderverein des Freibads zu beobachten ist. Da das Marienhagener Freibad repräsentativ für den Ort ist, ist Fütterer diesem Verein besonders dankbar: „Wir hätten das Freibad nicht mehr, wenn es den Förderverein nicht geben würde.“ Einmal im Jahr findet hier sogar eine große Poolparty statt.

Ein weiterer, mittlerweile wohl sehr bekannter Verein ist der Verein „Pro Ortsumgehung Marienhagen“. Zahlreiche Lastwagen passieren täglich Marienhagens Ortsmitte, wobei die kurvigen und engen Straßenverläufe häufig zu Stauungen und Beinahe-Unfällen führen. „Die Ortsumgehung liegt uns sehr am Herzen, denn das ist der Weg zum Kindergarten, zum Friedhof, zur Kirche“, bechreibt Fütterer die Gefährdung der Anwohner (siehe Bericht unten). Ein ebenso aktiver Verein sei die Feuerwehr, da sie auch regelmäßig bei Dingen helfe, die unter Umständen nicht in ihren Aufgabenbereich fielen.

Der demografische Wandel hat auch in Marienhagen seine Spuren hinterlassen: Das Hotel, das bereits von Weitem sichtbar ist, wird zur Ruine, von den zwei Gaststätten ist nur noch eine in Betrieb. Dadurch sind die gewerblichen Steuereinnahmen sehr gesunken. Doch trotz des Einwohnerverlusts wurden in letzter Zeit viele leerstehende Häuser an Auswärtige verkauft, was wohl nicht zuletzt an den verhältnismäßig geringen Preisen liegt. Auch im Neubaugebiet am „Teggerring“ sind noch einige Baugrundstücke frei. „Was aber verbessert werden könnte, ist der öffentliche Nahverkehr“, findet Fütterer in Bezug auf die immer weiter sinkenden Einkaufsmöglichkeiten. Ebenfalls erwähnenswert sei nach Fütterers Ansicht der Kindergarten in Marienhagen, der 50 Kinder in zwei Gruppen betreut. „Hier werden die Kinder ausgesprochen gut auf die Schule vorbereitet“, betont er. Daneben seien aber auch der Musikverein, der Turn- und Sportverein und der Sozialverband sehr aktiv. Die ehemalige Turnhalle wurde zu einer Mehrzweckhalle umgebaut und verfügt nun über eine große Photovoltaikanlage. „Die produziert eine ganze Menge mehr Strom, als wir verbrauchen können“, erklärt Fütterer. Die Dorferneuerung fand auch in Marienhagen viele Arbeitspunkte: Neben dem Dach der Mehrzweckhalle profitierten auch viele Privatleute von dem Zuschuss. Dennoch steht auf dem Plan, das Pförtnerhäuschen im Ort zu renovieren. Hierzu sollen zum Teil durch eine Grillveranstaltung Spenden eingeholt werden. Von der Samtgemeinde Leinebergland verspricht sich Fütterer sehr viel: „Ich finde, dass das eine gute Sache ist. Für mich ist wichtig, dass die erhöhte Einwohnerzahl mehr finazielle Mittel bringt, die dort einfließen, wo sie dringend gebraucht werden. Dabei darf aber trotzdem für den einzelnen Bürger kein Nachteil entstehen.“

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