Duinger Museum zeigt die Geschichte des Töpferns in der Region vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert

Duinger Tonwaren im Wandel der Zeit

Stephanie Link leitet seit 13 Jahren das Töpfermuseum in Duingen. In vier Ausstellungsräumen werden hunderte von Exponaten der historischen Töpferindustrie ausgestellt. Foto: Boidol

Duingen Die Geschichte der Töpferei anhand von fast 900 Exponaten: Im Töpfermuseum in Duingen kann sich der interessierte Bürger einen umfassenden Eindruck über das Töpferhandwerk in der Region und über sie hinaus verschaffen.

Seit 28 Jahren gibt es das Museum, Stephanie Link ist seit 13 Jahren die Leiterin. Die Dauerausstellung ist chronologisch aufgebaut. Direkt am Eingang finden sich die ältesten Stücke: Schon im 12. Jahrhundert gab es vor Ort Töpferei in größerem Stil, deren Waren auch exportiert wurden. „Es gab Kugeltöpfe in allen Größen und mit vielen Funktionen, die zum Kochen verwendet wurden“, so Link. Das Problem bei diesen Gefäßen, auch Irdenware genannt, sei gewesen, dass sie nicht komplett dicht waren: Flüssigkeiten verdunsteten, wenn sie darin gelagert wurden.

Das Steinzeug

Mit dem Steinzeug kam die Veränderung. Die Tongefäße wurden bei höheren Temperaturen, also bei rund 1 200 Grad, gebrannt. Hierdurch eignete es sich zur langfristigen Aufbewahrung von Lebensmitteln. Damit wandelten sich auch die Gefäßformen: Es entstanden zunehmend Trinkgefäße oder Krüge. Für die Produktion des Steinzeuges wurde ein bestimmter Ton benötigt, der nur in Mittelgebirgen vorkommt. Deshalb gab es in Gegenden ohne diese Vorkommen einen Markt für das Steinzeug. So konnten die Duinger etwa ab dem 16. Jahrhundert weiträumig ihre Waren exportieren. Bis nach Schweden oder Danzig wurden sie geliefert.

Viele Exponate im Museum stammen aus der Epoche der Renaissance. „Es war eine Zeit, in der die Menschen eine große Vorliebe für das Dekorieren hatten“, sagt Link. Diese Waren aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind häufig mit detaillierten Bildern oder bunten Farben verziert. Während die Männer an den Töpferscheiben saßen, übernahmen die Frauen die Verzierungsarbeiten.

Da das Steinzeug schwieriger zu fertigen war, war es auch teurer und daher zu Beginn eher den wohlhabenderen Gesellschaftsschichten vorbehalten. „Viele Gefäße waren wohl auch eher zur Repräsentation gedacht“, sagt Link über einige besonders fein gearbeitete Exponate, von denen sie sich nicht vorstellen kann, dass sie reine Gebrauchsstücke waren. Außerdem werden kuriose Einzelstücke aus dieser Phase im Museum gezeigt: Ein Schreibzeug oder eine Spardose aus Ton sind darunter, aber auch Flaschen für besonders heilsame Mineralwässer.

40 Töpfereien im Ort

1782 gab es 40 Töpfereien in Duingen, und rund zwei Drittel der Bevölkerung lebten von der Töpferei. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren 23 Töpfereien im Ort ansässig, doch es ging bereits bergab mit dem Tonhandwerk. Zuletzt wurden fast nur noch gröbere Gebrauchsgegenstände für den Haushalt gefertigt, beispielsweise große Töpfe zur Sauerkraut-Lagerung oder Butterfässer, die ebenfalls im Museum ausgestellt werden. Milchsetten zur Entrahmung von Milch waren Produkte, die von Töpfern in Duingen bis zum Ende hergestellt wurden. Die Zentrifuge löste auch dieses Hilfsmittel ab. „Das war sozusagen der Todesstoß für die Töpferei“, so Link. Um 1900 verschwand das traditionsreiche Handwerk gänzlich aus Duingen.

Eine Töpferscheibe im Museum erinnert noch an die Endphase der Töpferei. Über 100 Jahre ist sie alt. „Ich habe sie aus der letzten Töpferei hier im Ort“, sagt Link. Auch alte Bilder, die die Arbeit an den Scheiben zeigen, sind ausgestellt: „Man sieht dort, wie schmutzig die Töpfer waren. Die Töpferei war deshalb auch kein sehr geachteter Beruf“, erklärt die Museumsleiterin. In Duingen seien viele Menschen im Sommer Landwirte und im Winter Töpfer gewesen. Aus einer Tongrube wurde das Material gewonnen. „Jeder Duinger Bürger, der hier ein Haus besaß und eine Töpferwerkstatt betrieb, hatte das Recht, im Wald nach Ton zu graben“, erklärt Link. Die Grube entstand aus einem Schacht, von dessen Seitenwänden der Ton abgetragen wurde. Wenn die Gruben einsturzgefährdet waren, wurden sie wieder zugeschüttet. Dabei verwendeten die Töpfer auch so genannte Fehlbrände, also den Ausschuss der Produktion. „Deswegen findet man hier überall Überreste wie Scherben“, erklärt Link.

Nach dem Abbau musste der Ton einen Winter lang gelagert werden, um ihn zunächst zu trocknen und danach wieder zu befeuchten. Anschließend wurde er in einer eine Mühle zermahlen, damit die Handwerker ihn weiter bearbeiten konnten.

Kinderprogramm

Um Kindern das Töpfern sowie die langen Produktionsdauern dieser Tätigkeit näherzubringen, töpfert Link mit ihnen. „Dafür hätte ich noch gerne eine Werkstatt“, sagt sie. Derzeit müssten die Projekte in den regulären Ausstellungsräumen stattfinden. Link bietet das Kindertöpfern entweder zu besonderen Anlässen wie dem Museumstag oder der Gesundheitsmesse an sowie als Programm für Kindergeburtstage. An Kinder richtet sich auch ein vom Museum vertriebenes Buch mit dem Titel „Maries Töpferreise“. Elvira Reck hat die Geschichte verfasst, in der die zehnjährige Engel-Marie aus dem historischen Duingen zusammen mit ihren Eltern auf Reisen geht, um die Töpferwaren ihrer Heimat in fremden Städten zu verkaufen. Die Geschichte ist im Jahr 1780 angesiedelt und wurde von dem Illustrator Martin Türk mit passenden Bildern versehen.

Die Öffnungszeiten des Museums, Töpferstraße 8, sind mittwochs und sonntags von 15 bis 17 Uhr sowie nach Voranmeldung. Weitere Informationen gibt es unter www.toepfermuseum-duingen.de.

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