Gewerkschaftsunterlagen vermitteln intime Einblicke

Archiv birgt Überraschungen

Bei der Arbeit: Günter Jahns

DUINGEN Naturgemäß ändert sich mit der Zeit auch das Verständnis, was in einem kommunalen Archiv gesammelt und verwahrt werden soll. Lag früher der Schwerpunkt eindeutig auf der Aufbewahrung amtlichen Schriftguts, so ist mittlerweile „ausdrückliches Ziel der Überlieferungsbildung in kommunalen Archiven, auch die jeweilige lokale Lebenswelt abzubilden“. Dies spiegelt sich im Bestand des Duinger Archivs aber bislang nur sehr bruchstückhaft wider. Nachdem über lange Zeit keine nennenswerte Archivarbeit stattgefunden hatte, soll nunmehr verstärkt das Augenmerk auch auf solche Materialien aus der Duinger Geschichte gelegt werden.

Als kürzlich aus Bochum ein Brief der „Stiftung Geschichte des Ruhrgebiets, Archiv für soziale Bewegungen im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets“ beim Duinger Archivar Günter Jahns einging, war dies schon etwas Besonderes. Der Grund lag in der Tatsache, dass dieses Archiv im Besitz von gleich zwei gebundenen Kopien des „Protokoll-Buchs des Verbandes der Töpfer und Berufsgenossen“ aus Duingen war und hier nun anfragte, ob obiges Protokollbuch in Duingen bekannt sei oder sogar zu dessen Beständen gehört. Letzteres ist der Fall: zu den Beständen des Duinger Archivs zählen sowohl das Original des gebundenen Protokollbuchs als auch zwei ebenfalls gebundene Kassenbücher der dazugehörigen Sterbekasse. Die Stiftung teilte mit, dass sich die Kopie im Bestand der Industriegewerkschaft Chemie, Papier, Keramik befand, deren Archiv Anfang des Jahrtausends dorthin gelangt ist. Die berechtigte Frage, wie das Original-Protokollbuch in den Bestand des Duinger Archivs gelangt sei, konnte leider nicht beantwortet werden. Es ist zu vermuten, dass es nach dem Tod eines örtlichen Gewerkschaftsfunktionärs schon vor geraumer Zeit dem Archiv in Duingen übergeben worden ist. Ebenso ungeklärt ist, wie die Kassenbücher den Weg ins Duinger Archiv gefunden haben. Das Protokollbuch, zusammen mit den „Nebenbüchern“, ist von goßer Bedeutung – insbesondere für die Duinger Ortsgeschichte, zumal uns viele auch heute noch in Duingen bekannte Familiennamen begegnen. Darüber hinaus sind die Bücher von herausragender Bedeutung auch für die allgemeine Sozialgeschichte, geben die Aufzeichnungen doch geradezu intime Einblicke in die damalige bewegte Gewerkschafts- und Arbeiterwelt in Duingen. So werden wir unmittelbare Zeugen der internen Absprachen zu Lohnverhandlungen. Auch von Unterstützungszahlungen an arbeitslose Mitglieder wird berichtet. Natürlich werden neben Urlaubsfragen auch die konkreten Lohnforderungen protokolliert. Bei fachlicher Aufarbeitung von kompetenter Seite sind hier interessante Ergebnisse zu erwarten. Natürlich ist das Archiv auch weiterhin an der – auch nur leihweisen – Überlassung aller Arten von historischen Unterlagen interessiert.

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