Lehrreicher Ferientermin

Mit der Schäferei unterwegs

Jugendliche und Schafe in Schäferei
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Bildungsarbeit ist Sabine Zwolinski wichtig: Die NABU-Vorsitzende hat bei dem Ferientermin über die Zusammenhänge von Beweidung und Ökologie informiert.

Dassel - Gute Laune ist gegeben, wenn Schafe und Jugendliche zusammen treffen. Reichlich Bewegung an der frischen Luft, lustige Lämmer und spannende Geschichten aus dem Alltag der Schäferei sind ein Garant dafür. Ganz nebenbei kann man dabei Zusammenhänge über Arten- und Klimaschutz lernen. Seit einigen Jahren schon bot die Schäferei Sollingschaf Jugendlichen zum Zukunftstag die Möglichkeit, in den Betrieb und die Schafhaltung hinein zu schnuppern. Zuletzt fiel dies wegen Corona aus. „Dabei ist die Bildungsarbeit ungemein wichtig“, meint Sabine Zwolinski, die als NABU-Vorsitzende auch stets den Blick auf die ökologischen Zusammenhänge zu vermitteln suchte. 

Nur wenn die ökologischen Zusammenhänge von Beweidung und Ökologie verstanden werden, wird die kostenintensive Weidetierhaltung erhalten bleiben. Arten gingen eben nicht nur durch Zerstörung tropischen Regenwaldes verloren, sondern auch klammheimlich still und leise quasi vor der eigenen Haustür. Kulturlandschaft braucht traditionelle Bewirtschaftung. Auf der besuchten Streuobstwiese tummelten sich unzählige Insekten auf z.T. inzwischen selten gewordenen Pflanzen. Wie bedroht dieser Schatz jedoch ist, war leicht zu erkennen. Die Wiese ist erst wenige Jahre wieder in Nutzung. Der Adlerfarn wird in mühevoller Arbeit zurückgedrängt. Die Bäume sind teilweise Jahrzehnte nicht geschnitten worden. Sie stecken in einem durchaus sinnvollem Baumschutz, der die Bäume aber mittlerweile im Wachstum behindert. Hier legten die Jugendlichen gleich Hand an und öffneten die Gitter. Bei älteren Bäumen wurde der Baumschutz entfernt, bei Jüngeren die Bäume im Stammbereich gepflegt und danach wieder sorgsam mit dem Gitter geschützt.

Die Streuobstwiese wird derzeit mit der Lammbockgruppe der Schäferei beweidet. Zwei ehemalige Flaschenlämmer ließen sich streicheln - und standen als Anschauungsobjekte zur Verfügung. Der Klauenschnitt konnte so direkt gezeigt werden. Auch das Thema Schur wurde angesprochen. Für die Schäferei ist in normalen Jahren allein schon die Wollmenge ein Problem. Auf dem Wollmarkt ist weder Schnucken- noch Skuddenwolle verkäuflich. Dieses Jahr lief der Absatz als Schneckenschutz für den Garten jedoch sehr gut. Schnell war auch erklärt, warum die Schäferei auf alte, vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen setzt. Bei den teilweise sehr mageren Flächen finden diese kleineren Schafe immer noch ihr Auskommen. Um die Rassen zu erhalten, müssten indes auch Lämmer geboren werden. Der Absatz an Fleisch ist indes gering. Die Jugendlichen konnten in einem einfachen Experiment verstehen, warum Schafe für die Ausbreitung und die genetische Varianz von Pflanzen sorgen: Ein reifer Samenstand eines Doldengewächses wurde an der Wolle von Flaschenlamm Linus entlang gestreift. Prompt hakten sich die Samen in das Wollvlies. „Irgendwann fallen die Samen wieder ab. So tragen wir gewissermaßen die Pflanzen auf unseren Flächen von A nach B“, erklärt Sabine Zwolinski. 

Auch wenn Sabine Zwolinski im Herbst den Vorsitz des NABU Dassel-Einbeck abgibt, so ist ihr Jugendarbeit doch immer eine Herzensangelegenheit gewesen. Da der einhellige Wunsch nach einem Folgetermin in den Herbstferien bestand, wird sie wieder einen Termin anbieten.

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