Bürgermeister-Kandidaten beim Stadtkommando

Feuerwehr-Check für drei Bewerber

Stadtkommando Bürgermeisterkandidaten Dassel in Wellersen
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Standortbestimmungen: Die Bürgermeister-Kandidaten Elias Kreuzinger, Sven Wolter und Michael Spallek stellen sich den drängenden Fragen aus dem Feuerwehr-Stadtkommando um Stadtbrandmeister Harald Sehl und Stellvertreter Tobias Oppen.

Wellersen – Drei Männer wollen Dassels Bürgermeister werden bei der Kommunalwahl am 12. September. Grund genug für das Feuerwehr-Stadtkommando, die drei Bewerber um das Spitzenamt im neuen Rathaus persönlich zu ihren brandschutzpolitischen Leitplanken zu befragen.

Im Dorfgemeinschaftshaus Wellersen stellen die beiden Einzelbewerber Elias Kreuzinger (27) und Sven Wolter (29) sowie FDP-Kandidat Michael Spallek (35) vor über 30 Spitzenleuten aus allen 16 Ortsfeuerwehren im Stadtgebiet klar, wie sie zu FF-Fusionen stehen und zur Kontroverse um einem neuen Feuerwehrbedarfsplan gegenüber dem aktuellen FF-Fahrzeugkonzept. Es geht um die kommunale Pflichtaufgabe zur Gefahrenabwehr und die dafür nötige finanzielle Hinterfütterung für kleinere Krisen und große Lagen.

 Die katastrophale Großlage mit tödlichen Flutwellen im Westen und Südwesten geht den Blauröcken noch spürbar unter die Haut: Zunächst gedenken alle der vier Feuerwehrleute, die in NRW ums Leben kommen, als sie selbst Leben retten wollen. Feuerwehr-Einsätze, so sagt Stadtbrandmeister Harald Sehl (Deitersen), seien grundsätzlich gefährlich. An sonntägliches Schulterklopfen nach Großeinsätzen und die meist folgende Gleichgültigkeit habe man sich gewöhnt, könne damit umgehen. 
 Vor der Bürgermeisterwahl in Dassel wolle das für die operative Gefahrenabwehr verantwortliche Stadtkommando indes genauer wissen, wo die Kandidaten stehen. Vize-Stadtbrandmeister Tobias Oppen (Portenhagen) hakt nach mit speziellen Fragen zur FF-Aufstellung.

 Bei 17 Ortschaften am ländlichen Sollingsaum wäre eine Zentralisierung der Feuerwehr „wirklich irrsinnig“, findet der unionsnahe Politologe Elias Kreuzinger und will alles dafür tun, die Wehren vor Ort zu erhalten.   „Das beginnt mit zeitgemäß ausgestatteten Gerätehäusern, geht über modernste Schutzaustattung und Fahrzeuge bis zur richtig guten Ausbildung“, sagt der studierte Schwabe. Einen Bedarfsplan hält Kreuzinger für eine mögliche sinnvolle Orientierungshilfe. Allerdings erfordere ein solches Planwerk viel Zeit und Aufwand bei Verwaltung und FF. Besser wäre, das Geld gleich direkt in Ausrüstung zu stecken. Das Fahrzeugkonzept habe der amtierende Stadtrat zwar „etwas zähneknirschend zur Kenntnis genommen“, gibt Kreuzinger zu verstehen. „Sie als Stadtkommando wissen aber am Ende am besten, was die Feuerwehr braucht.“ Kommunalen Budgetzwängen müsse sich allerdings auch die Feuerwehr unterwerfen. Das gelte auch für das aktuelle Fahrzeugkonzept.
 Der FF-Dienst müsse attraktiv bleiben und Spaß machen. Dazu gehörten auch ansehnliche Aufenthaltsräume für Gemeinschaftsgefühl und Kameradschaft. Ohnehin seien die Wehren auch für Kulturelles vor Ort aktiv. Gerade die Kinderbetreuung sollte in Dassel mehr darauf abzielen, „dass Kinder später selbst zur FF gehen“.

 Ohnehin sei der demografische Wandel, sagt FDP-Bürgermeisterkandidat Michael Spallek, eine der drängenden Herausforderungen, „die sich überall niederschlägt“, bei Mobilität und Umweltschutz. Die FF-Strukturen aber müssten erhalten bleiben. Es sei „unglaublich wichtig, dass schnelle Hilfe vor Ort ist. Da kann man es sich nicht leisten, irgendwelche zentralisierten Einheiten zu bilden“. Einen FF-Bedarfsplan „finde ich super, das kann ein wichtiger Orientierungshelfer sein, welche Kosten auf die Kommune zukommen“. Der liberale Fahrlehrer will das aktuelle Fahrzeugkonzept aber nicht für einen neuen Bedarfsplan stornieren oder zurückstellen. Das Konzept müsse fortgesetzt werden. Und „wer ein Haus hat, sollte in der Feuerwehr sein“, sagt Spallek als ortstreues FF-Mitglied. Die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Einsatz müsse gefördert werden. Auch über die Ehrenamtskarte könne das gelingen, wenn mehr Unternehmen mehr attraktive Angebote beitragen.
 „Wir brauchen jede Frau und jeden Mann, damit wir auch in Zukunft größere Lagen bewältigen“, macht der von der SPD unterstützte Sven Wolter klar und nennt die Großbrände in Relliehausen und in den Harz-Weser-Werken Dassel als Beispiele für spezielle FF-Anforderungen. „Bei HWW hat sich gezeigt, wie sinnvoll die Rettungspacks zur Personenrettung sind“, sagt Wolter. Als Hauptverwaltungsbeamter wolle er die Wehren tatkräftig begleiten. „Wenn es um freiwillige Zusammenschlüsse geht, dann werde ich Sie unterstützen. Aber der Impuls muss von der FF kommen, von Ihnen“ und von innen. Immer sei die „Fusionsrendite“ zu betrachten. So müsse man „gemeinsam gucken, welche Gerätehäuser für zwei Ortswehren am besten geeignet wären, einsatztaktisch und vom baulichen Zustand her“, argumentiert der Verwaltungsfachwirt aus Markoldendorf, der beim Landkreis Northeim beschäftigt ist. „Bedarfsplanung basiert auf viel Theorie“ und sei „nicht die absolut richtige Lösung“, wie sich in der Stadt Northeim zeige. Wolter will nach einem Wahlsieg lieber das bestehende Fahrzeugkonzept fortsetzen. Damit entscheide die FF, wo und wann welche Fahrzeuge gefordert sind. Die Verwaltung prüfe die Vorschläge, und Bürgermeister und Stadtrat „stellen das dann sicher“.   - cmf 

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