2015 sollen wieder mehr Besucher das Ticken der Uhren in Bockenem hören

Zeiger bleiben nicht stehen

Immer noch stolz auf seinem „Filmstar“. Durch die Turmuhr neben Jörg-Dieter Besch sauste im Film das kleine Gespenst von Burg Eulenstein. Foto: Kolbe-Bode

BOCKENEM  In diesem Jahr standen die Uhren im Bockenemer Turmuhrenmuseum zwar nicht still, aber die Besucherzahl fiel um die Hälfte geringer aus als in den Vorjahren. Aufgrund des Schlaganfalls, den Jörg-Dieter Besch als Hauptbetreiber im Jahr 2013 erlitt, kamen die Werbemaßnahmen ins Stocken. Zudem musste Ersatz für die Führungen der Besuchergruppen gefunden werden. Aus dem Team der ehrenamtlich Beschäftigten übernahmen Gerd Hecht und Hans Jörg Drake die Führungen und erledigten kleinere Reparaturen an den historischen Präzisionsstücken. Der laufende Betrieb wurde von Erika Besch und weiteren ehrenamtlich tätigen Personen geregelt.

Nach zwei Rehabilitationsmaßnahmen geht es Jörg-Dieter Besch nun etwas besser. Er ist zwar noch auf einen Rollstuhl angewiesen, fühlt sich aber deutlich beweglicher und kann auch schon ab und zu aufstehen, um eine Uhr zu stellen. Zum Glück befindet sich das Museum durch die geringere Besucheranzahl nicht in finanzieller Not. Ein Etat von der Stadt, private Spenden und Zuwendungen von Professor Hartmut Weule, dem Ur-Ur-Enkel des Bockenemer Turmuhrenwerk-Gründers Johann Friedrich Weule, sichern den Betrieb. Jörg-Dieter Besch erklärte schmunzelnd: „Neuanschaffungen sind derzeit nicht geplant, denn wir sind voll und ich muss ja auch an die Statik des Hauses denken.“

Für das nächste Jahr hat sich das Museumsteam vorgenommen, wieder viele Besucher anzulocken. Den Erfahrungswerten nach sind es jährlich etwa 2 000 Besucher gewesen. Künftig soll es neue Angebote geben, die einen Museumsbesuch mit anderen Attraktionen der Umgebung verknüpfen. Dadurch soll das Museum verstärkt für Besuchergruppen in Reisebussen oder für Vereins- oder Klassenfahrten in den Fokus rücken. Beispielsweise könnte nach dem Besuch des Museums eine Stadtführung erfolgen, die von Erika Besch und ihrem Ehemann im Herold-Kostüm durchgeführt wird. Zur anschließenden Stärkung würde das Bauerncafé in Hary angesteuert werden, weil es dort genug Platz für große Personengruppen gibt. Auch bei den Hansetagen im nächsten Jahr rechnet Besch mit steigenden Besucherzahlen.

Als außergewöhnliche Besucher in diesem Jahr sind Besch zwei Japaner in guter Erinnerung geblieben. Die Führung wurde sogar von einem Dolmetscher begleitet, wobei die Übersetzungen von Fachausdrücken für sehr viel Heiterkeit sorgten. „Deshalb hat die Führung auch besonders lange gedauert und die Japaner waren total begeistert“, berichtete Besch amüsiert. Stolz ist er auch über seinen „Filmstar“, wie er die Turmuhr nennt, die für die Verfilmung des Kinderbuches „Das kleine Gespenst“, vor zwei Jahren in ein Münchener Filmstudio transportiert wurde. In dem Film wird die über 100 Jahre alte Weule-Turmuhr aus Bockenem zur Rathausuhr im beschaulichen Städtchen Eulenberg. Um Mitternacht läutet sie mit zwölf kräftigen Schlägen die Geisterstunde auf Burg Eulenstein ein. „In dem Film ist die Uhr mit ihrem Schriftzug mehrmals gut zu sehen“ freut sich Besch.

Gerd Hecht plant, einen Film mit vielen technischen Informationen über das Museum und seine „tickenden Schätzchen“ zu drehen. Der Film soll im Internet zu sehen sein. Gern soll das Turmuhrenmuseum auch über soziale Netzwerke wie facebook oder twitter präsentiert werden. Wer Interesse hat, diese Aufgabe in ehrenamtlicher Funktion zu übernehmen, möge sich bei Jörg-Dieter Besch unter Telefon 05067/249240 melden.

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