Mantrailer-Hunden werden in Bockenem ausgebildet

Spürnasen nehmen Fährte auf

Vollmer
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Bockenem – Wenn eine Person spurlos verschwunden ist, spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle. Oftmals entscheidet die Dauer bis zum Auffinden über Leben und Tod. Bei größer angelegten Suchaktionen verstärkt auch Helfer auf vier Pfoten zum Einsatz. 

Mit ihrer Spürnase haben sie schon oft dabei geholfen, dass die Suche zum Erfolg führt. Doch bis sie eingesetzt werden können, müssen die Hunde eine mehrjährige Mantrailing-Ausbildung absolvieren. Seit Frühjahr 2019 gibt es eine Gruppe in Bockenem. Das Interesse ist groß. Mittlerweile trainieren regelmäßig zehn Teams – mit steigernder Tendenz. „Jeder kann uns anfordern, es muss nicht unbedingt eine Vermisstenanzeige vorliegen. Alles geschieht auf ehrenamtlicher Basis. Die Suche kostet kein Geld“, erklärt die Leiterin der Suchhundestaffel Niedersachsen, Alexandra Hürzeler. Die Gruppe arbeitet unter dem Dach des Internationalen Hunde Verbandes (IHV). Von großer Wichtigkeit ist eine zeitnahe Alarmierung. Je eher der Hund auf die Suche geht, desto größer ist die Chance, den Vermissten aufzuspüren. Etwa 30 Minuten nach der Alarmierung ist die Staffel einsatzbreit. Alexandra Hürzeler zeichnet auch für die 15 Teams in Goslar verantwortlich, die seit 2016 im Training sind. Dass es eine Gruppe im Ambergau gibt, ist nicht zuletzt Jessica Pankratz zu verdanken. Die Bockenemerin erfuhr eher zufällig von der Suchhundestaffel, wenig später nahm sie an einem Probetraining teil. Jessica Pankratz erzählte im Hundesportverein Bockenem von ihren positiven Erfahrungen, dort fand sie weitere Interessierte. Ostern 2019 ging dann das erste Treffen über die Bühne. Auch wenn es einem Vierbeiner mit einer langen Schnauze leichter fällt, kann im Prinzip jede Rasse an einer Mantrailing-Ausbildung teilnehmen. „Ein Hütehund, der ja mehr visuell unterwegs ist, muss beim Training erlernen, auf die Nase zu setzen“, erläutert die Staffelführerin. Jedes Team trainiert individuell. „Dass es mal nicht so gut läuft, kann durchaus passieren. Auf jeden Fall muss der Spaß am Training an erster Stelle stehen“, erläutert die 52-Jährige. Eine fundierte Ausbildung, die in der Regel etwa zwei Jahre dauert, sei aber unerlässlich, schließlich kann davon ein Menschenleben abhängen. Drei Prüfungen sind zu absolvieren, zwei für die Retter auf vier Pfoten und eine für den Hundeführer. Das Training sei sehr vielschichtig, die Teams werden auch auf schwierige Situationen vorbereitet, wenn zum Beispiel die Suche mit einem Leichenfund endet. „Alle müssen wissen, was auf sie zukommt“, betont die Verantwortliche. Dazu gehört auch ein Rückblick auf den Einsatz mit einer Nachbesprechung, was hätte besser gemacht werden können. Wie funktioniert Mantrailing? Dabei geht es um die Verfolgung der Spur eines bestimmten Menschen auf Grund einer Geruchsprobe. Das kann ein T-Shirt, ein Taschentuch oder eine Socke sein. Also alles, womit die gesuchte Person direkt in Berührung gekommen ist. Nachdem das Tier den gewünschten Individualgeruch aufgenommen hat, beginnt er damit, die menschliche Spur zu verfolgen. Dabei wird er von seinem Partner an einer fünf bis zehn meterlangen Schleppleine und an einem gut sitzenden Brustgeschirr geführt. Gut trainierte Personenspürhunde sind in der Lage, diesen einen bestimmten Geruch unter vielen anderen Gerüchen herauszufiltern und zuverlässig zu verfolgen. „Es ist schon eine große Leistung, sich von so vielen anderen Gerüchen nicht ablenken oder irritieren zu lassen“, betont Hürzeler. Die Ausbildung läuft in mehreren Phasen ab, zunächst erfolgt die Suche auf Sicht. Später versteckt sich die Person, der Mantrailerhund nimmt die Suche über den Geruchsartikel auf. Die Strecke wird im Laufe der Zeit kontinuierlich verlängert. Derzeit ist Mantrailing in Bockenem noch eine Frauendomäne. Männer dürfen sich natürlich auch gerne der Gruppe anschließen. Weitere Informationen gibt es bei Alexandra Hürzeler unter der Rufnummer 0171/5316253.

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