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Historisches Flugzeug statt Trecker

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Der Fördervereinsvorsitzende des Luftfahrt-Museums, Klaus-Dieter Hoppe (links), sowie Horst-Dieter Görg als Koordinator der Sonderausstellung freuen sich darüber, dass die Messerschmitt Bf 108 Taifun „Elly Beinhorn“ in Laatzen gezeigt werden kann. Sie wurde von der Lufthansa-Berlin-Stiftung als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Foto: Vollmer
Der Fördervereinsvorsitzende des Luftfahrt-Museums, Klaus-Dieter Hoppe (links), sowie Horst-Dieter Görg als Koordinator der Sonderausstellung freuen sich darüber, dass die Messerschmitt Bf 108 Taifun „Elly Beinhorn“ in Laatzen gezeigt werden kann. Sie wurde von der Lufthansa-Berlin-Stiftung als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Foto: Vollmer

Laatzen / Störy Für einen Spezialauftrag begeben sich die Hanomag-Schrauber aus Störy auch schon mal auf eher unbekanntes Terrain. Während sonst Oldtimer und Nutzfahrzeuge der hannoverschen Traditionsfirma im Mittelpunkt ihres Interesses stehen, war es zur Abwechslung diesmal ein historisches Flugzeug.

Die einmotorige Messerschmitt Bf 108 Taifun ist der Star der Elly-Beinhorn-Ausstellung im Luftfahrtmuseum Laatzen. Die Hannoveranerin Elly Beinhorn hat Geschichte geschrieben. Mit einem hölzernen, stoffbespannten Kleinflugzeug, einer Klemm 25, flog sie nach Afrika. Mit der Messerschmitt umrundete sie gerade mal im Alter von 25 Jahren als erste Frau die Welt. Sie stellte zahlreiche Weltrekorde auf und heiratete den berühmten Rennfahrer Bernd Rosemeyer aus Lingen an der Ems. Beide waren Lichtgestalten für mehrere Generationen über Deutschland hinaus, aus ihrem Privatleben ist vergleichsweise aber wenig bekannt.

Der Arbeitskreis Technik- und Industriegeschichte in Hannover würdigt die Powerfrau aus Hannover in seinem nächsten Buch der Reihe „Es begann in Hannover – Reifen, Raketen, Rekorde“ mit einem eigenen Kapitel. Bei den Recherchen fanden sich so viele Bilder, Plakate, Filme und Exponate, dass es eigentlich eine Selbstverständlichkeit war, eine Sonderausstellung über diese besondere Frau auf die Beine zu stellen. Noch vor der Veröffentlichung der eigentlichen Geschichte lockt nun das Luftfahrtmuseum in Laatzen mit vielen besonderen Exponaten. Im Mittelpunkt steht ohne Frage die Messerschmitt Bf 108 Taifun „Elly Beinhorn“, das exakt ihrem Flieger von damals entspricht. Das ganz spezielle Exponat wurde per Tieflader aus Hamburg zum Museum gebracht.

„Das war eine ganz schön aufwändige Aktion“, berichtet der Hildesheimer Horst-Dieter Görg, der die Ausstellung vorbereitet hat. Noch gut kann er sich an die Verhandlungen mit der Lufthansa-Berlin-Stiftung erinnern, in dessen Besitz sich das historische Fluggerät befindet. „Im Sommer 2015 haben wir dann per Handschlag die Leihgabe besiegelt. Zwischenzeitlich war die Sache dann aber wieder unklar, da Bedenken wegen des Transportes angemeldet wurden. Zum Glück ist dann alles wie geplant über die Bühne gegangen“, erläutert Horst-Dieter Görg. Beide Flügel wurden für die Reise nach Laatzen abgebaut und sicher verstaut. Ohne Probleme kam der Transporter dann am Museum an.

Dort legten dann auch Klaus Thon und Rainer Koch, die sich sonst im Technik-Forum Hanomag in Störy betätigen, kräftig mit Hand an. Neben der Platzierung der Messerschmitt galt es natürlich auch, die zahlreichen Fotos und Dokumente perfekt in Szene zu setzen. Unterstützung gab es auch von Uta Möller aus Bad Salzdetfurth, die im Vorfeld der Schau viele grafische Dinge wie das Erstellen von Repros erledigt hat.

Als weiteren Leckerbissen können die Besucher das erste Wettbewerbs-Motorrad für Sandbahnen, eine 350-er Zündapp, bestaunen. Die Maschine wurde von dem Motorsportler Bernd Rosemeyer gefahren. Das Glück der Fliegerin und des Motorsportlers wurde jedoch durch einen schlimmen Unfall jäh beendet. Beim Versuch, auf einer Autobahn bei Frankfurt den Geschwindigkeitsrekord von 432 Stundenkilometern zu brechen, kam Bernd Rosemeyer am 28. Januar 1938 ums Leben.

Ganz ohne Hanomag geht es dann doch nicht. Die Besucher haben die Möglichkeit, das Modell des Diesel-Rekordwagens ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Der Nachbau befindet sich mittlerweile auf der Zielgerade. Große Teile sind bereits fertiggestellt. Nur Teile der windschnittigen Karosserieverkleidung fehlen noch.

11 000 Besucher

Nicht zuletzt profitieren die Hanomag-Leute auch von der Elly-Beinhorn-Ausstellung. Sie erhalten jeweils zwei Euro vom Eintrittspreis für den Flitzer. „Bei 11 000 Besuchern dürfte der Diesel komplett finanziert sein“, erklärt Horst-Dieter Görg, der zugleich auch Vorsitzender der Hanomag-Interessengemeinschaft ist. Die Sonderausstellung „Elly Beinhorn - Fliegerass und Powerfrau aus Hannover“ ist bis zum 30. März im Luftfahrt-Museum in Laatzen, Ulmer Straße 2, zu sehen. Geöffnet ist die Schau dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro, Kinder und Schüler zahlen 4 Euro.

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