Podiumsdiskussion der drei Bürgermeister-Kandidaten in Bockenem / Über 500 Zuhörer

Großer Schlagabtausch bleibt aus

Moderator Claus-Ulrich Heinke sowie die drei Bürgermeister-Kandidaten Rainer Block, Markus Walter und Martin Bartölke (von links) lauschen gespannt den Fragen der Besucher.

BOCKENEM Politikverdrossenheit in Bockenem? Nach der Podiumsdiskussion der drei Bürgermeisterkandidaten mit über 500 Interessierten dürfte das kein Thema mehr sein. Von der Resonanz war das IG BCE Regionalforum Ambergau-Lammetal und der Bürgerverein Bockenem als Veranstalter regelrecht begeistert, auf der anderen Seite aber auch ein wenig überrascht. „Mit dieser Kulisse haben wir nicht unbedingt gerechnet“, erklärte der kommissarische Vorsitzende des Bürgervereins, Hans Jochen Martini, anschließend.

Für die Organisatoren gab es nach der Runde reichlich Lob. Als Moderator hatten sie Claus-Ulrich Heinke gewinnen können, der zu jeder Zeit souverän durch die Diskussion führte und die Veranstaltung anschließend als einen sehr guten Beitrag zur Demokratie bezeichnete. Er achtete penibel darauf, dass Martin Bartölke, Rainer Block und Markus Walter für ihre Beiträge gleich viel Redezeit zur Verfügung stand. Eine Eieruhr läutete jeweils das Ende eines Statements ein. Zuerst bekamen die drei Kandidaten, die am 15. Februar um das Rennen des Bürgermeisteramtes gehen, zehn Minuten Zeit für eine Vorstellung. Anschließend ging es um verschiedene Themen, die eine Arbeitsgruppe zuvor erarbeitet hatte. Ein wortgewaltiger Schlagabtausch blieb während der zweieinhalbstündigen Diskussion allerdings aus.

Wie kann es gelingen, dass neue Fachkräfte in den Ambergau ziehen? Schließlich wolle Toyoda Gosei in Bockenem ein globales Kompetenz- und Entwicklungszentrum für komplexe Dichtungssysteme schaffen. Die Attraktivität der Stadt müsse durch ein zielgruppenorientiertes Marketing gesteigert werden, meinte der parteilose Kandidat Markus Walter. Messen, Funk und Fernsehen seien da gute Mittel. Es ginge darum, die Schokoladenseiten der Stadt zu präsentieren. Verschiedene Attraktionen bringen seiner Meinung nach Bockenem einen gehörigen Standortvorteil. Nicht zu unterschätzen sei die Lage zur Autobahn. „In Sachen Krippe und Kindertagesstätten ist die Stadt gut aufgestellt“, entgegnete Rainer Block, der als parteiloser Kandidat von der SPD und den Unabhängigen unterstützt wird. Da der Gymnasialzweig an der Stadt vorbeigezogen ist, müssten die jungen Leute problemlos zu den Gymnasien nach Hildesheim und Seesen gelangen.

Der amtierende Bürgermeister Martin Bartölke möchte an die bisherigen Aktivitäten anknüpfen. Er verwies auf die entsprechenden Entwicklungskonzepte. Es ginge darum, die Lebensbedingungen für die Menschen so gut wie möglich zu gestalten und die sozialen Schwächen abzumildern. Ein wichtiger Aspekt sei auch, die Vereinbarkeit von Familien und Beruf optimal zu gestalten. „Leider ist es nicht gelungen, in den Fördertopf für Südniedersachsen zu kommen“, bedauerte der Amtsinhaber, der seine erneute Wahl als Verwaltungschef anpeilt.

Auch die Windkraftanlagen waren an dem Abend ein Thema. „Es handelt sich um ein offenes Verfahren, da lässt sich schwer in die Zukunft blicken“, entgegnete Rainer Block. Er würde sich nicht anmaßen, eine Fläche zu benennen. Als sehr wichtig stellt der Polizeibeamte einheitliche Abstände zur Wohnbebauung heraus. Für Martin Bartölke stehen die Schutzmaßnahmen für die Menschen im Vordergrund. Als Beispiel nennt er den Schattenwurf oder eine mögliche Lärmbelästigung. Eine Entscheidung über einen Standort werde allerdings an anderer Stelle getroffen. Ein Abstand von 1000 Meter von der Wohnbebauung sollte es seiner Ansicht aber schon sein. Für Markus Walter ist es von Wichtigkeit, wo der größte Nutzen aus den Anlagen geschöpft werden kann. Da spiele die Windhöffigkeit eine wichtige Rolle. „Außerdem muss geprüft werden, wo die geringsten Nachteile entstehen“, erklärte der Bockenemer.

„Mit dem Öffentlichen Personennahverkehr stimmt doch etwas nicht“, brachte Claus-Ulrich Heinke in die Runde ein. Martin Bartölke gab zu, dass der ÖPNV im Ambergau nicht sehr komfortabel sei. Dass es mit dem Regionalverkehr Hildesheim und der Regionalbus Braunschweig (RBB) zwei Anbieter gibt, mache die Sache nicht einfacher. Eine Rufbus-Option müsse nach Bartölke noch einmal erneut besprochen werden. Markus Walter sieht eine gute Möglichkeit, den ÖPNV im Stadtbereich zu verbessern, in der Einbeziehung von örtlichen Beförderungsunternehmen. Car-Sharing und den Einsatz von Mini-Bussen sieht er als Chancen, die Situationen zu verbessern. „Wir haben eine Vorzeigebusbahnhof, aber schlechte Verbindungen“, warf Rainer Block ein. In den Ortschaften sehe es schlecht aus. Arztbesuche würden gerade für ältere Menschen zu einem großen Problem. „Warum kommt hier nicht das Rufbus-System zum Zug?“

Die Frage, ob nicht irgendwann doch eine Mitgliedschaft in einer Partei erfolgt, stand erwartungsgemäß auch auf den Kärtchen des Moderators. „Ich bleibe parteilos, obwohl Partien natürlich ihre Berechtigung haben. Ein Bürgermeister sollte neutral und unabhängig sein“, stellte der Ortshäuser Rainer Block heraus. Der Verwaltungschef sei dem Bürger verpflichtet. Auch Markus Walter werde sich keiner Partei anschließen. Für den Betriebswirt steht die Neutralität ganz oben auf der Liste. Amtsinhaber Bartölke besitzt seit 2000 das Parteibuch der CDU. „Ich behaupte, dass ich mein Amt stets neutral ausgeübt habe. Parteien gehören mit zur Demokratie“, unterstrich Bartölke. Eine Mitgliedschaft sei nichts Verwerfliches.

Weitere Themen waren Leerstände in der Bockenemer Innenstadt, das kulturelle Leben oder das teilweise langsame Internet im Stadtgebiet. Anschließend durften die Besucher Fragen an die Kandidaten richten. Die Bürger der Stadt entscheiden am 15. Februar, wer künftig das Ruder in den Händen hält. Viele sind auch schon sehr gespannt darauf, wie hoch die Wahlbeteiligung ausfällt.

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