Bürgerinformation zum Städtebauförderprogramm in Bockenem / Weitere Versammlung

„Den Finger in die Wunde legen“

Das Interesse am Städtebauförderprogramm scheint groß zu sein. Rund 200 Gäste waren zu einer ersten Bürgerinformation in die kleine Sporthalle gekommen, um mehr über das Thema zu erfahren. Foto: Vollmer

BOCKENEM Wenn es nach der Beteiligung an der Bürgerversammlung geht, dürfte die Innenstadtsanierung in Bockenem ein voller Erfolg werden. Fast 200 Einwohner wollten sich bei den Experten über den Stand der Dinge informieren. Über das riesige Interesse freute sich nicht nur Bockenems Bürgermeister Martin Bartölke. Auch die Fachleute waren von der Resonanz mehr als angetan. Die Sanierer haben da schon ganz andere Versammlungen erlebt.

„Das Beste, was der Stadt Bockenem passieren kann, ist die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm des Landes. Andere Kommunen, die einmal mit dabei sind, möchten gar nicht mehr heraus“, erklärte Uwe Mußgnug von der Deutschen- Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) aus Hannover. Die DSK hat die Arbeiten für die vorbereitendende Untersuchung, die für das Antragsverfahren dringend notwendig ist, zum größten Teil abgeschlossen.

Uwe Mußgnug weiß als zuständiger Projektleiter sehr genau, welche Punkte in dem Verfahren eine Rolle spielen. Zunächst muss die Stadt bis zum 31. Mai einen Antrag stellen. Früheste Aufnahme in das Förderprogramm wäre dann das Jahr 2015. Sollte es kein positives Votum der Behörde geben, würde für das Folgejahr ein erneuter Antrag gestellt werden. Der Förderzeitraum liegt bei zehn bis 15 Jahren. Öffentliche Vorhaben werden jeweils zu einem Drittel vom Bund, Land und der Stadt bestritten. Wie hoch der Zuschuss für private Sanierungsvorhaben ausfällt, liegt in den Händen der Stadt. „Erst einmal müssen wir den Finger in die Wunde legen, welche Dinge es zu verbessern gilt“, sagte Uwe Mußgnug.

Im Mittelpunkt stünde die Sicherung, Modernisierung und Instandsetzung von Gebäuden im Fördergebiet. Dazu gehört auch die Erhaltung und Umgestaltung von Straßen und Plätzen. Viele Dinge müssten natürlich im Einklang mit der Denkmalpflege geschehen.

Ein ganz wichtiger Aspekt in dem Prozess sei die Öffentlichkeitsarbeit. „Nur so funktioniert die Städtebauförderung“, sagte der Fachmann. Bei vielen Dingen sei die Mitarbeit der Bürger notwendig. Dazu bringe das Programm auch für bestimmte Personengruppen steuerliche Vorteile mit sich. Allerdings würden von der Stadt bei baulichen Maßnahmen, durch die Grundstücke aufgewertet werden, Ausgleichsbeiträge gefordert. „Die sind aber günstiger als Erschließungsbeiträge, wie sie zum Beispiel beim Straßenbau anfallen“, sagte Mußgnug. Er sicherte den Einwohnern eine fachliche Beratung in allen Fragen der Kernstadtsanierung zu.

Fachliche Beratung

Wenn es der Stadt Bockenem gelungen ist, in das Förderprogramm aufgenommen zu werden, gebe es eine weitere Bürgerversammlung. Der Stadtsanierer ist überzeugt davon, dass das Verfahren in Bockenem greift. „Ich habe selten so viele Interessierte bei einer Versammlung gesehen“, meinte der DSK-Vertreter, der an dem Abend auch Stadtheimatpfleger Dieter Rüdiger und seinem Vorgänger Manfred Klaube für die Unterstützung dankte. Sie hätten zum Beispiel historisches Material zur Verfügung gestellt.

Anziehungspunkte

Städteplaner Hans-Joachim Brudniok aus Göttingen gab als ein Ziel die Attraktivitätssteigerung der Altstadt an. Ebenso würden die Verbesserung der Standortbedingungen oder eine Steigerung der Investitions- und Ansiedlungsbereitschaft mit ins Auge gefasst. Die steigende Zahl an Leerständen sei kein Einzelproblem, so der Diplom-Ingenieur. Es gelte, in der Mitte neue Anziehungspunkte zu schaffen. In Bockenem gibt es immerhin 200 denkmalgeschützte Objekte. „Auf den Unterlagen, die mir zur Verfügung stehen, lässt sich aufbauen“, meinte der Göttinger.

Das Untersuchungsgebiet wurde in Quartiere eingeteilt, um die einzelnen Besonderheiten besser darstellen zu können. „Wir werden die Dinge fachlich neutral darlegen. Es geht darum, in der Stadtmitte eine hohe Nutzungsvielfalt zu erreichen“, betonte Hans-Joachim Brudniok. Dabei blickte er auch auf besondere Bauwerke wie die Superintendentur aus dem 16. Jahrhundert. Etliche Gebäude hätten zudem den Brand von 1847 überdauert. „Besonders bemerkenswert sind auch die Details an vielen Schaufenstern“, erläuterte der Städteplaner. Ihm liegt ebenso am Herzen, Leerstände zu beseitigen. „Es müssen Anreize geschaffen werden. Das wird sicher nicht in jedem Fall gelingen, dann muss der Eigentümer über eine Umnutzung in Wohnraum nachdenken“, so Brudniok.

Eine Fragebogenaktion an die Hauseigentümer soll dabei helfen, sich ein Bild über den Zustand der Objekte zu machen. Ebenso können die Bockenemer notieren, was ihnen in der Stadt gefällt oder verbessert werden sollte. „In Bockenem ist es noch nicht fünf vor zwölf, es gibt aber jede Menge zu tun“, sagte der Städteplaner.

Tanja Klein stellte für die Planungsgruppe das weiter gefasste Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) vor. Das Konzept sieht vor, einen Planungsbeirat zu installieren. Wer wollte, konnte gleich an Ort und Stelle sein Interesse bekunden.

Fragebogenaktion

Es sind zwei Termine geplant. Das erste Treffen findet am 25. Februar statt. Bei der anschließenden Fragerunde wollte jemand wissen, ob denn nun jedes Gebäude in Augenschein genommen wird. „Zunächst bekommen wir Informationen über die Fragebogen. Nach der Aufnahme in das Förderprogramm stellen sich für die Eigentümer bestimmt verschiedene Fragen. Dann kommen bei Bedarf auch Berater ins Haus“, antwortete Uwe Mußgnug.

In der Bockenemer Stadtverwaltung betreut Bauamtsmitarbeiter Holger Schrader die Innenstadtsanierung. Es steht für Rückfragen unter der Telefonnummer 05067/242412 zur Verfügung. mi

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