Glück und Neuanfänge beim Bad Salzdetfurther Figurenherbst

Wollen wir heut mal China spielen?

Figurentheater begeistert nicht nur Kleinkinder – da sind sich Theatermacherin Brigitte van Lindt und Organisator Rolf Jakobs einig. Die Themenvielfalt des Figurentheaters ist so komplex, dass für jedes Alter etwas Interessantes passiert. Foto: Rischmüller

BAD SALZDETFURTH J Ausverkaufte Vorstellungen, neue Figurentheater und viele interessante Themen auf der Bühne zeichneten den diesjährigen Figurenherbst aus. Seit fast 20 Jahren holt Rolf Jakobs, Jugend- und Kulturbeauftragter der Stadt Bad Salzdetfurth, die Crème de la crème der Künstler in die Kurstadt, die sich unter diesen deutschlandweit einen Namen gemacht hat.

Gerne kommen sie, und manchmal nimmt das nächste Stück hier in der Region seinen Anfang – so wie bei Brigitte van Lindt von der Wolfsburger Figurentheater Compagnie. Bei ihrem letzten Aufenthalt vor ein paar Jahren präsentierte sie „Der kleine Drache Kokosnuss“.

Nach den Vorstellungen nutzte sie die Pause, um sich Hildesheim anzuschauen. Schnell fand sich ein kleiner Buchladen und dort stand das Buch für ihr Stück, welches sie dieses Jahr auf der Bühne darstellte: Oma Adele und das Glück aus der Kiste.

Illustration und Geschichte sprachen die Theatermacherin aus Wolfsburg an und sofort war klar, dass dies ihr nächstes Stück wird. „Ordnung ist das halbe Leben“, denkt Oma Adele. Bis sie eines Tages eine Kiste mit dem kleinen Querdenker Puck findet, der ihren Alltag kräftig durcheinanderbringt. Er schlürft die Suppe und Oma Adele versucht ihm zu vermitteln, dass man nur in China schlürft. Pucks pragmatischer Vorschlag, dann heute einfach mal China zu spielen wird in die Tat umgesetzt. Und schon sitzen die beiden Figuren nebeneinander und genießen das geräuschvolle Mittagsmahl. Unordnung wird ihr ganzes Leben. Was ist schon schön an praktisch, was ist interessant daran Rasen Bahn für Bahn zu mähen? Puck ist unpraktisch, hat Spaß im Leben und das schönste Rasenmuster der ganzen Küstenregion: Immer links gemäht bis Adele schwindlig war entstand eine wunderschöne Schneckenform. Aus grauen werden bunte Socken, aus Wolken werden Wolkenbananen – kurz: Adele lernt das Leben zu genießen und sich auf Veränderungen einzulassen. Das ist es, was van Lindt an dem Buchthema sofort begeisterte. „Wenn eine Kiste in das Leben kommt, kann man ja entscheiden ob man sie öffnet oder zulässt, ob man Veränderungen annimmt oder alles so lässt wie es schon immer war. Puck, der stellvertretend für das Kind in der Geschichte steht, zeigt mit Unbeschwertheit, dass Veränderungen auch Chancen bieten. Jung und Alt lernen voneinander und das Thema betrifft nach van Lindt’s Ansicht alle bis ins hohe Alter.

„Unser Figurentheater ist nicht nur für Kinder“, betont auch Jakobs. Er beobachtet die Nachfrage sehr genau und freute sich in diesem Jahr, dass viele Elternpaare mit ihren Kindern, aber auch Erwachsene ohne „kleine Verstärkung“ den Weg in die Vorstellungen fanden. So lachten Alt und Jung in den Vorstellungen miteinander, und keineswegs waren die Kleinen hierbei am lautesten zu hören. Nachdem der Vorverkauf wegen der Herbstferien schleppend angelaufen war, freute sich Jakobs über den Erfolg umso mehr.

Auch die Erwachsenenvorstellungen wurden nachgefragt, und so überlegt er, diese im nächsten Jahr wieder ins Programm zu nehmen. Besonders freuen würde es ihn, wenn im nächsten Jahr auch Schulen der Stadt und des Umlandes den Weg in den Figurenherbst finden würden. Nachvollziehbar, denn Erfahrungen mit Handpuppen haben die Schulkinder schon: So findet die Junghexe Mirona ihren Einsatz bei der Schuleingangsuntersuchung, Ferdi hilft beim Erlernen des sozialen Miteinanders und die Kumquats-Puppen kommen ebenfalls zum Einsatz im Unterricht.

„Nächstes Jahr werde ich früh auf die Schulen zugehen, damit diese den Figurenherbst in der Ganzjahresplanung berücksichtigen können“, so Jakobs. Natürlich steht er auch bereits jetzt Anfragen von Schulen offen gegenüber. „Mir ist es wichtig, dass Figurentheater nicht in die Schublade „nur für Kleinkinder“ gepackt werden“, betont er. „Hier findet der Technikfan detailverliebte Kulissen, bei denen komplexe technische Kenntnisse in das Bühnenbild integriert werden. Kreative Menschen können sich an den bunten und einfallsreichen Bühnenbildern erfreuen, Wortakrobaten werden von den Dialogen begeistert und Lernbegeisterte nehmen bei der Themenvielfalt Inspirationen mit.“

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