Pöbeleien auf Spielplatz

„Wir möchten ohne Angst leben“

Rajiv (rechts) mit seinem Arbeitgeber in Breinum, der den „Störenfried“ sucht.

KREIS Vor zehn Jahren kam Rajiv* (Name von der Redaktion geändert) so wie seinerzeit viele dringend benötigte Computerfachkräfte aus Indien nach Deutschland, um als Softwareentwickler für Bosch in Hildesheim zu arbeiten. Seit zwei Jahren ist er zusammen mit mehreren indischen Softwarepezialisten in Breinum beschäftigt, und er lebt mit seiner Frau Shanta* und seinem dreijährigen Sohn in Bad Salzdetfurth. Das positive Bild, das er und seine Kollegen bisher von Deutschland hatten, ist vor einigen Tagen jäh gestört worden.

Rajiv schildert, was passiert ist: es war ein Sonntagnachmittag, und er war mit der Familie auf einem Spielplatz in der Kurstadt unterwegs, als eine Gruppe von sieben Personen sich näherte. Ein Mann aus der Gruppe, offensichtlich angetrunken, sprach die indische Familie zunächst an, kam plötzlich ins Torkeln und fiel hin. Die Situation sei vor allem für Shanta und den Sohn beklemmend gewesen, schildert der Familienvater. Dann kam eine Frau aus der Gruppe zurück, entschuldigte sich, schimpfte auf ihren Begleiter ein und zog ihn weg. Shanta wollte jetzt nur noch weg vom Spielplatz. Rajiv aber meinte, es gebe kein Problem mehr, man könne ruhig noch etwas bleiben. Nach fünf Minuten kam der „Störenfried“ allerdings zurück und rannte brüllend auf die Familie zu. Shanta sprach Passanten an, die sich in der Nähe befanden, und erzählte, dass sie belästigt werden. Der Sohn, der sah, wie der Mann seinen Vater schubste, wollte weglaufen und fiel dabei hin. Nun ging der Passant, der die zunehmend bedrohliche Lage erkannt hatte, dazwischen und hielt den „Angreifer“ zurück. „Sagen Sie jetzt am besten gar nichts und gehen Sie einfach“, forderte er Rajiv auf. Der Vorfall blieb aber in Rajivs Familie nicht ohne Folgen. Besonders Shanta und sein Sohn haben auch nach Tagen noch Ängste beim Verlassen des Hauses. Rajivs Arbeitgeber in Breinum, der mehrere indische Computerfachkräfte be-schäftigt und bisher nie irgendwelche negativen Vorfälle zu beklagen hatte, würde sich freuen, wenn der „Störenfried“ sich unter der Telefonnummer 0173/9081917 bei ihm meldet. Dann besteht die Möglichkeit, dass er sich vor Ort einmal ansieht, welch’ gute Arbeit der Softwareentwickler Rajiv und seine ausländischen Kollegen hier leisten. „Und es wäre prima, wenn es eine Entschuldigung gäbe, so dass die hier bestens integrierte Familie weiter ohne Angst in Ruhe leben kann“, betont Rajivs Chef.

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