Kinder lernen sich selbst zu behaupten und Strategien im Umgang mit Gewalt zu entwickeln

Wie wehre ich mich richtig?

Kinder üben in verschiedenen Situtationen angemessen, selbstbewusst und angstfrei zu reagieren. Auch ein Hunde- und Pkw-Training gehören zum Konzept des Stopp-Kurses von Frank Henning, der bereits in verschiedenen Fernsehsendungen als anerkannter Experte Tipps für Eltern und Kinder gab. Foto: Rischmüller

BAD SALZDETFURTH  „Hören Sie auf!“ Die Augen nehmen den erwachsenen Angreifer selbstbewusst und fest ins Visier, der Mund beim aggressiven, lauten Anschreien ist eindrucksvoll geöffnet und der Oberkörper angespannt nach vorn gebeugt- auch die abwehrend nach vorn gestreckten Hände signalisieren, dieses Kind weiß, wie es sich wehren und die Aufmerksamkeit der umstehenden Leute auf die Situation lenken kann. Genau darum geht es beim Stopp-Kursus von Frank Henning.

Der Entwickler des Kurskonzeptes verfügt über 24 Jahre Berufserfahrung als Pädagoge. Selbst Vater von zwei Kindern, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsmöglichkeiten näherzubringen und sie sicherer im Umgang mit Themen wie Angst, Gewalt und Mobbing zu machen. Seine Mitarbeiter unterliegen genau wie die Kursinhalte strengsten Qualitätskriterien: Ausschließlich Pädagogen, die selbst Eltern sind und über mindestens zehn Jahre Berufserfahrung, langjährige Kampfsporterfahrung sowie ein qualifiziertes polizeiliches Führungszeugnis ohne jegliche Eintragung verfügen, dürfen mit den Kindern in den Kursen arbeiten. „Mit unserem Konzept unterscheiden wir uns deutlich von den klassischen Kampfsportangeboten“, betont Henning. Denn beim Kampfsport kämpfen Gegner gleichen Alters und gleicher Gewichtsklasse unter strengen Regeln und unter Aufsicht eines Schiedsrichters miteinander. Bei dem Angriff eines Erwachsenen auf ein Kind jedoch könnten die Gegensätze nicht größer sein. Wer sich da beispielsweise an Regeln halte, habe sofort verloren. Doch wie verteidige ich mich in solchen Momenten oder auch bei Übergriffen auf dem Schulhof angemessen? Henning definiert es kurz und knapp: „Werde ich mit Worten angegriffen, wehre ich mich auch mit Worten. Werde ich jedoch mit Fäusten angegriffen, ist es wichtig, mich auch körperlich zu wehren.“

Bei der Auswahl der Kursinhalte war es dem Pädagogen wichtig, die Bereiche abzudecken, in denen Kinder häufig Ängste entwickeln und in denen sie gefährdet sind. Der sichere Weg zur Schule, das richtige Verhalten gegenüber fremden und bekannten Personen, die Vermeidung von Angriffen, das Verhalten bei Angriffen gegen die eigene oder andere Personen oder auch der Umgang mit Mobbing oder Hunden waren Themen, die Henning mit den Kindern besprach.

In Rollenspielen, Übungen und unter Einbeziehung von Hund Struppi bei einem speziellen Hundetraining entwickelten die Kinder ein Gespür für die entsprechenden Situationen und lernten angemessen zu reagieren. Die gesellschaftlichen Bedingungen ändern sich ständig und somit auch die Entwicklungen, Umgebungen und Bedrohungslagen der Kinder. Dem Kursleiter war es daher wichtig, den Kindern ein Gefühl von Selbstvertrauen, eigener Stärke und Sicherheit zu vermitteln.

Gerade ängstliche und zurückhaltende Kinder benötigen in diesen Bereichen meist Unterstützung, so seine Erfahrung. „Angst kann man nicht sehen aber ängstliches Verhalten“, erklärte der Pädagoge den Eltern und forderte sie auf, ihren Kindern gut zuzuhören. Andeutungen oder verändertes Verhalten könnten Anzeichen von Sorgen des Kindes sein. Darüber hinaus betonte er, dass auch die Eltern reflektieren sollten, inwiefern die „Regeln“ für das Kind klar und deutlich seien. „Geh nicht mit einem Fremden mit“, ist für das Kind keine eindeutige Definition, denn ist der Nachbar ein Haus oder erst der Nachbar drei Häuser weiter für die Eltern ein Fremder.

Und stimmen die Einschätzungen der Eltern und die des Kindes diesbezüglich überein? Im Normalfall nicht, so der Pädagoge. Besser sei es, Personen, mit denen das Kind mitgehen darf, namentlich zu benennen. Werde ein Kind in der Schule bedroht, helfe oft schon das eingangs beschriebene Verhalten, um nicht zum Opfer zu werden. „Denn welches cool wirken wollende Kind, das andere bedroht, findet es schon toll, seinerseits laut und aggressiv vor anderen angeschrien zu werden“, schmunzelte er.

Auch der humorvolle Umgang mit übergriffigen Mitschülern sei eine Variante, sich angemessen zu wehren, ergänzte Henning. Auf einen „blöden“ Spruch zu reagieren, indem man dem anderen zu verstehen gibt, dass man den Spruch ja „irrsinnig witzig“ findet und sich diesen daher unbedingt merken muss, sich umzudrehen, wegzugehen und den anderen einfach dastehen zu lassen, sei ein Weg, den Streit zu beenden. „Denn wann und mit wem ich mich streite, das entscheide ich selbst und nicht der andere“, hob der Experte hervor.

Ein ganz besonderer Dank galt am Abschluss der Kurszeit auch den Verantwortlichen der Kirchengemeinde Heilige Familie in Bad Salzdetfurth, die den notwendigen Raum in Form des Gemeindesaales zur Verfügung stellte. So bedankten sich Organisatoren, Kinder und Eltern bei Sabine Paul und Rainhild Montag für ihr Engagement. ar

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