Gleichstellungsbeauftragte verabschiedet sich in den Ruhestand

Ursula Geiger ist dann mal weg

Ursula Geiger geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auch nach ihrer beruflichen Tätigkeit wird sie sich weiter für gute Zwecke engagieren. Foto: Rischmüller

BAD SALZDETFURTH Als Ursula Geiger im Mai 1995 vom Rat der Stadt Bad Salzdetfurth einstimmig in das Amt der Gleichstellungsbeauftragten gewählt wurde, ergaben sich in der Praxis zunächst einmal einige Fragezeichen. Wo liegen Schwerpunkte oder auch Entscheidungskompetenzen? Das waren nur einige der Themen, die es galt zu klären und mit Leben zu füllen. 19 Jahre später sitzt Geiger in ihrem Büro und organisiert ihren letzten Arbeitstag.

In den vergangenen Wochen unternahm sie Anstrengungen, um ihrer Nachfolgerin Ute Fenske einen gut organisierten Arbeitsbereich zu hinterlassen. Dass ihre Kooperationspartnerinnen sie vermissen werden, zeigte sich schon bei den diesjährigen Aktionen zum Internationalen Frauentag. Dankbar äußerten sich die Frauen über das Wirken und Engagement der Gleichstellungsbeauftragten in den fast 20 Jahren. Unermüdlich setzte sie sich insbesondere für Frauenthemen ein und forderte deren stärkeres politisches Engagement, das Ende häuslicher Gewalt und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Darüber hinaus war es ihr besonderes Anliegen, Migrantinnen im Alltag und beim Spracherwerb zu unterstützen.

Zahlreiche Seminare zur Steigerung und Förderung der Kompetenzen von Frauen organisierte Ursula Geiger. Hierbei reichte die Themenvielfalt von Netzwerkarbeit bis hin zu kaufmännischen Qualifizierungsmaßnahmen oder Pannenkursen für Frauen. „Ohne mein eigenes Netzwerk wäre all dies nicht möglich gewesen“, resümiert die Gleichstellungsbeauftragte, die sich durch ihre Erfolge weithin Anerkennung und Vertrauen erarbeitete. In vielen Vier-Augen-Gesprächen sei es ihr immer wieder gelungen, in scheinbar eher aussichtlosen Situationen Lösungen zu finden.

Vertrauen brachten ihr auch die Frauen entgegen, die sich entschieden, aus der Spirale der häuslichen Gewalt auszubrechen. Ein Thema, welches Ursula Geiger bis zu ihrem letzten Arbeitstag berührt. Kurz zuvor wurden die neuesten Zahlen des Hildesheimer Frauenhauses veröffentlicht. Erschreckend sei, dass das Thema „Gewalt gegen Frauen“ entgegen der landläufigen Meinung eben nicht bestimmten Gesellschaftsschichten oder Personengruppen zuzuschreiben sei. Da sei auch die Gattin eines Arztes oder Unternehmers, die, geschlagen in jeder Hinsicht, Rat bei den Gleichstellungsbeauftragten oder im Frauenhaus suche. Solche Frauen gelte es zu unterstützen, aufzubauen und auf dem Weg in ein gewaltfreies Leben zu begleiten, so Ursula Geiger. Oft konnte sie mit ihrem Einsatz Wege für Betroffene verkürzen oder beschleunigen. Im Laufe ihres Berufslebens habe sie viele starke Frauen kennengelernt. Frauen, die in sich ruhen und ihren Weg gefunden haben und so zum Vorbild für andere wurden. „Mich hat es immer beflügelt weiterzumachen, um zu schauen, wie sich Frauen entwickeln. Es ist ein Privileg, anderen helfen und solche Erfahrungen machen zu können.“

Wichtig war es ihr, immer die Männer mit ins Boot zu holen und nicht gegen sie zu arbeiten. Gerade bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei die Unterstützung der Männer von extremer Bedeutung. Die Gesellschaft und auch die Wirtschaft müssten den eingeschlagenen Weg weitergehen. „Wenn in einer Partnerschaft beide die Stunden reduzieren, schafft dies Arbeitsplätze und tu auch den Familien gut“, so Ursula Geigers Wunsch für die berufliche Zukunft von Frauen mit Familie.

Ein großer Dank gelte allen, die sie bei der Verwirklichung ihrer Ziele unterstützt hätten. Es blieben viele Momente der Erinnerung an wunderbare Gespräche und Aktionen. Die vielen positiven Rückmeldungen der vergangenen Wochen taten Ursula Geiger gut, die Welle der Sympathie sei ein Geschenk. Jetzt freut sich die Ruheständlerin auf den Moment, an dem sie morgens das erste Mal denkt „Was tue ich heute?“. Denn bisher hieß es immer nur: „Was tue ich heute zuerst?“ ar

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