Online-Bürgerversammlung: Wie kann man als Kommune aktiv werden?

Starkregen steht im Mittelpunkt

Wenn dunkle Wolken aufziehen: Starkregen gibt es in Bad Salzdetfurth immer wieder.
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Wenn dunkle Wolken aufziehen: Starkregen gibt es in Bad Salzdetfurth immer wieder.

Bad Salzdetfurth – Das Wetter wird zunehmend extremer. Besonders hart wurden viele Bürger zum Beispiel vom Hochwasser 2017 getroffen. Starkregenereignisse stellen Kommunen vor neue Herausforderungen. Mit einem Modellprojekt will das Land Niedersachsen die Kommunen in Zukunft unterstützen. Für das Pilotprojekt „Kommunale Starkregenvorsorge“ wurden zwei Modellkommunen ausgewählt. Auch auf Bad Salzdetfurth ist die Wahl gefallen.

Der Klimawandel ist längst Realität und in Niedersachsen spürbar. Dies drückt sich in Hitzewellen, Dürren aber auch in Starkregen aus, der die Kapazitäten von Entwässerungsanlagen überseigt. Um Bewohner sowie Sachwerte vor den Gefahren von Starkregenereignissen zu schützen und verheerende Schäden zu verhindern, braucht es vorbeugende und vorausschauende Strategien. Das Pilotprojekt wird von der Kommunalen Umwelt-AktioN (UAN) begleitet und umgesetzt. In Zusammenarbeit mit den Modellkommunen Bad Salzdetfurth und dem Flecken Steyerberg soll unterschiedlichen Fragestellungen auf den Grund gegangen werden. Angelegt ist das Projekt auf drei Jahre. So soll unter anderem geklärt werden, wohin das Wasser bei Starkregen fließt, welche Bereiche besonders gefährdet sind, wie man als Kommune aktiv werden kann und wie man die Bürger in die Vorsorge und Maßnahmenplanung mit einbeziehen kann. Seit Projektstart ist nun rund ein Jahr vergangen. Unter dem Motto „Bürger macht mit“ waren Bürger am Donnerstag zu einer Online-Bürgerversammlung eingeladen. Bürgermeister Björn Gryschka freute sich über mehr als 50 Teilnehmer, die ihr Interesse entgegenbrachten. „Wir haben erst überlegt, ob eine Präsenzveranstaltung möglich ist. Aber leider lassen es die Regelungen derzeit nicht zu. Die Erfahrungen der Bürger vor Ort sind wichtig und können Einfluss auf die Ergebnisse nehmen. Deshalb haben wir uns für eine Online-Veranstaltung entschieden“, erklärte Gryschka. Neben den Kommunen und der UAN sind auch das niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz und die Arbeitsgemeinschaft bestehend aus den Ingenieurbüros itwh, PFI Planungsgemeinschaft und Emscher Wassertechnik beteiligt. Auch externe Experten wie das NLWKN sind Projektbeteiligte. Die Unwetter der letzten Jahre haben gezeigt, dass sie zunehmend eine Gefahrensituation für Anwohner darstellen. Eben noch herrscht schönes Wetter und im nächsten Moment folgen verschlammte Straßen und vollgelaufene Keller. Starkregen gab und gibt es in Bad Salzdetfurth immer wieder. Lothar Fuchs (itwh) erläuterte im Rahmen der Videokonferenz zunächst die Unterschiede zwischen Hochwasser und Starkregen. Dann ging er anhand der Beispiele vom 3. Juni 2017 und dem 22. Juni 2017 auf den Starkregenindex ein. So fielen am 3. Juni 50mm Niederschlag in zehn Stunden, was auf dem Starkregen-Index intensivem Starkregen (Kategorie 4) entspricht. Am 22. Juni fielen im Vergleich 70mm Niederschlaf in sieben Stunden. Dies entspricht außergewöhnlichem Starkregen bis extremen Starkregen (Kategorie 7-8). Ein heutiger Starkregen der Kategorie 5 (intensiver Starkregen) wird sich künftig eher in Richtung Kategorie 6 (außergewöhnlicher Starkregen) entwickeln. Dabei zeigte Lothar Fuchs auch eingesendete Videos und Bilder des Starkregens im Juni 2017. Problematisch sind in diesem Zusammenhang die Leistungsfähigkeit der Entwässerungssysteme und zunehmend versiegelte Flächen durch Wohnbebauung. Gleich nach dem Hochwasser hatte die Stadt Bad Salzdetfurth den Kontakt zum UAN aufgenommen. „Unser Interesse als Stadt ist es, herauszufinden welche einfachen Maßnahmen und Alltagshandlungen es gibt und wie wir die Folgen ansonsten verhindern können“, erklärt Bürgermeister Björn Gryschka. Starkregengefahrenkarten und eine Gefährdungs- und Risikoanalyse sind geeignete Instrumente, um die Gefahr einschätzen zu können und zu visualisieren. Im ersten Projektjahr ist bereits viel passiert: Zahlreiche Treffen mit den Pilotkommunen haben stattgefunden, es gab bereits eine Ortsbegehung und Daten von Einwohnern wurden gesammelt und geprüft. Denn bevor gehandelt werden kann, muss zuerst erkannt werden, wo genau die Gefahren liegen. Anhand der Erkenntnisse können dann Handlungskonzepte mit Maßnahmenoptionen zur Vermeidung oder Verminderung von Gefahr und Schäden entwickelt werden. Hierbei geht es vereinfach darum, aus der Kenntnis von Abflusswegen, Wasser zurückzuhalten, zu speichern oder in Notwasserwegen abzuleiten. Das Szenario Starkregen soll zudem von Beginn an bei bauplanerischen Vorhaben mitbedacht werden. Annabelle Iwannek (itwh) berichtete von den Ortsbegehung und den Auswirkungen auf Gefährdungskarten. Dabei ging sie besonders auf Groß Düngen (Bereich Bergstraße), Wesseln (Bereich Bahnhof) sowie Bad Salzdetfurth (Bereich Am Mühlenbusch) und Östrum (Bereich Siedlerweg) ein. Im Sommer soll dann eine zweite Begehung mit Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden. Auch einige Teilnehmer berichteten über ihre Erfahrungen und boten ihre Hilfe an.  Auf der neu eingerichteten Mail-Adresse starkregen@bad-salzdetfurth.de sind bereit über 20 E-Mails mit weit über 200 Fotos aus unterschiedlichen Ortsteilen eingegangen. Das Projektteam bedankt sich für die Mithilfe und wies darauf hin, dass es weiterhin möglich ist Bild- und Videomaterial zur Verfügung zu stellen – dann am besten auch mit Ortsangabe. Neben einer Ortsbegehung im Sommer sind nun auch Workshops mit den Bürgern geplant. stw

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