Typisierungskation für Juliane in Groß Düngen am 31. Oktober

Stammzellenspender wird dringend gesucht

Silvia Wolter als enge Freundin der Familie und die kommissarische Schulleiterin Silke Jansen-Olliges müssen bei der Verlesung von Julianes Brief mit den Tränen kämpfen. Foto: Vollmer

GROSS DÜNGEN Juliane war so glücklich, als sie vor einiger Zeit die letzte Tablette nehmen musste. „Jetzt darf ich endlich wieder essen, was ich möchte“, freute sich die Siebenjährige. Da ahnte noch niemand, dass sich das Schicksal schon bald wieder von seiner unbarmherzigen Seite zeigen würde. Als Juliane vor knapp drei Wochen über Fieber klagte, läuteten bei den Eltern, Jens und Kathrin Schmidt, die Alarmglocken. Das Mädchen kam sofort zu weiteren Untersuchungen in die Klinik. Das Ergebnis brachte die schlimme Gewissheit: Der Blutkrebs war zurückgekehrt.

Vor zwei Jahren stellten die Mediziner zum ersten Mal die tückische Krankheit bei dem quirligen Mädchen fest. Nach einer Chemotherapie, die Juliane ganz gut wegstecke, sollte Leukämie trotz einiger begleitender Medikamente kein Thema mehr sein. Es kehrte wieder der Alltag bei der Groß Düngener Familie ein. Juliane besucht die zweite Klasse in der Joseph-Müller-Grundschule. Mit ihren Freundinnen tanzt die Siebenjährige im Ballett oder verbringt im Sportverein ihre Freizeit.

Daran ist derzeit nicht zu denken. Juliane kämpft um ihr Leben. Ihr junger Körper produziert keine roten Blutkörperchen „Juliane geht es derzeit nicht gut. Abwechselnd ist sie einen Tag zu Hause, dann muss sie wieder in die Klinik“, berichtet Silvia Wolter, die eng mit der Familie Schmidt befreundet ist. Juliane kenne sie seit der Geburt. „Sie ist fast ein Enkelkind für mich“, berichtet die Groß Düngenerin. Bei ihr laufen derzeit alle Fäden für eine Typisierungsaktion zusammen, denn nur eine Stammzellenspende kann das Leben von Juliane retten. Unterstützung erfährt sie von der Freiwilligen Feuerwehr Klein Düngen, denn Vater Jens Schmidt ist seit vielen Jahren Brandschützer mit Leib und Seele. In der Freiwilligen Feuerwehr Groß Düngen, die aus personellen Gründen aufgelöst wurde, war er früher als Ortsbrandmeister tätig. „Juliane ist das einzige Kind der Familie. Oftmals kommen ja Geschwister für eine Stammzellenspende in Frage“, berichtet Silvia Wolter.

Es bleibt die Hoffnung, dass es irgendwo auf der Welt einen Menschen mit nahezu den gleichen Gewerbemerkmalen im Blut gibt, der auch zu einer Spende bereit ist. Es kommt sehr selten vor, dass zwei Menschen nahe identische Gewebemerkmale haben. Im günstigsten Fall liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:20000, bei seltenen Konstellationen findet sich eventuell unter mehreren Millionen kein genetischer Zwilling.

Genetischer Zwilling

„Die Suche ist aber auch deshalb so schwer, weil noch immer viel zu wenig Menschen als potentielle Stammzellenspender zur Verfügung stehen“, erklärt Simon Stifter von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Sollte sich tatsächlich ein genetischer Zwilling finden, muss Juliane zunächst aber noch mehrere Chemotherapien über sich ergehen lassen. Erst danach kann die Stammzellenspende erfolgen.

Auch der Schirmherr der Typisierungsaktion, Bürgermeister Henning Hesse, weiß: „Wer sich nicht in eine Spenderdatei aufnehmen lässt, kann nicht gefunden werden.“

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Registrierungsaktion, die am Sonnabend, 31. Oktober, von 11 bis 16 Uhr in der Turnhalle der Joseph-Müller-Grundschule in Groß Düngen stattfindet, auf Hochtouren. Etwa 50 Helfer, darunter eine Reihe medizinischer Fachkräfte plus drei Ärzte, sind an dem Tag zur Stelle. Alle hoffen darauf, dass zahlreiche gesunde Menschen zwischen 17 und 55 Jahren in die Sporthalle kommen, um sich für Juliane und nicht zuletzt auch all die anderen Erkrankten ohne Kosten typisieren zu lassen. Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung werden dem Spender fünf Milliliter Blut abgenommen, damit die Gewebemerkmale bestimmt werden können. Spender, die sich bereits in der Vergangenheit an einer Aktion beteiligt haben, müssen nicht erneut teilnehmen. Ihre Daten stehen weiterhin für alle Patienten zur Verfügung. Genauso wichtig ist aber auch die finanzielle Unterstützung der Aktion. Die Registrierung und Typisierung eines Spenders kostet der DKMS 40 Euro. „Als gemeinnützige Gesellschaft ist die Deutsche Knochenmarkspenderdatei bei der Spenderneugewinnung allein auf Geldspenden angewiesen. Um die geplante Aktion überhaupt durchführen zu können, benötigen wir finanzielle Hilfe. Jeder Euro zählt“, erklärt der Mitarbeiter der Organisation.

In Gedanken sind auch ihre Mitschüler und Lehrer aus der Groß Düngener Grundschule bei Juliane. „Wir möchten etwas im Rahmen unserer Möglichkeiten tun“, erklärt die kommissarische Schulleiterin Silke Jansen-Olliges. Als besonderes Zeichen haben die Grundschüler Dutzende Luftballons mit guten Wünschen in die Höhe steigen lassen. „Wir wünschen Dir alles Gute“, stand zum Beispiel auf einem bunt bemalten Herz der vierten Klasse.

Anteilnahme

Als besonderen Moment verlas dabei Silvia Wolter einen Brief von Juliane: „Ich freue mich sehr, dass ihr mir so viel Anteilnahme schenkt. Ich muss sehr an Euch denken. Bitte drückt mir alle Daumen, damit ich schnell wieder gesund werde und einen passenden Spender finde. Denn ich möchte Euch gern wieder auf die Nerven gehen, mit Euch toben, spielen, basteln und lernen. Wenn ich wieder gesund bin, werden wir eine große Party feiern, daran denke und träume ich.“

Anschließend wurden Überraschungstüten gegen eine Spende von zwei Euro zugunsten der Aktion an die Schüler verkauft. Den Inhalt hat das kleine Lädchen in Heinde zur Verfügung gestellt.

Spenden können direkt auf das Konto der DKMS überwiesen werden: IBAN DE28 2505 0180 0910 1014 18, BIC SPKHDE2HXXX.

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