Suchthilfe besteht in Bad Salzdetfurth seit 30 Jahren / Angebot der AWO

Segensreiche Arbeit

Kontaktstellenleiter Werner Pluta (Zweiter von links) bedankt sich bei Rolf Böse, Agnes Ebensen, Kurt Hertzer und Franz-Paul Bock für ihr Engagement als Gruppenleiter. Foto: Vollmer

BAD SALZDETFURTH J Reinhard Schier wusste aus eigener Erfahrung um die Probleme von Suchtkranken als er vor 30 Jahren in Bad Salzdetfurth eine Selbsthilfegruppe ins Leben rief. Mit viel Idealismus ging er damals ans Werk. Auch bei der Stadt rannte Reinhard Schier offene Türen ein. Die Verwaltung gab ihm allerdings den Rat, sich an die Arbeiterwohlfahrt zu wenden. Im Sozialen Zentrum in der Göttingstraße wurde schließlich Ende Juni 1985 die Sucht-Selbsthilfe in der Kurstadt ins Leben gerufen.

Vielen Männern und Frauen, die in den Teufelskreis Alkohol- oder Tablettensucht geraten sind, konnte die Gruppe in den 30 Jahren zu einem unbeschwerten Leben ohne Suchtmittel verhelfen. Rolf Böse, einer der heutigen Gruppenleiter, ist seit 24 Jahren dabei. „Oftmals ist die Gruppe zu einer regelrechten Ersatzfamilie geworden“, berichtet er.

Der Leiter der Suchtkontaktstelle, Werner Pluta, ließ die drei Jahrzehnte in einer Feierstunde Revue passieren. „Alkohol- und Tablettensucht sind nicht heilbar. Sie lässt sich nur zum Stillstand bringen. Die Sucht kann jederzeit wieder ausbrechen“, so Pluta. Für die AWO sei die Gründung damals ein Glücksfall gewesen. „Bad Salzdetfurth gehörte zu den Vorreitern auf dem Gebiet, zumal die Suchterkrankung zunächst gar nicht in der Satzung vorgesehen war“, erläuterte der Leiter. Kurt Hertzer sorgte nach einer personellen Krise durch sein Engagement dafür, dass die segensreiche Arbeit in der Kurstadt nicht zum Erliegen kam. 1988 wurden die ersten Verträge unter Dach und Fach gebracht. Teilweise kamen 20 Männer und Frauen in die Gruppen. „Als Hauptaufgabe sollten die Familien wieder zusammenkommen. Zur Verbesserung der Lebensqualität ging es um Lohn und Beruf der Menschen sowie die Möglichkeiten, den Führerschein erneut zu erlangen“, berichtete Pluta. Dabei betonte er, dass es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelt. Ein gewisses Budget werde aber für die Ausbildung der Gruppenleiter benötigt.

In Bad Salzdetfurth treffen sich derzeit drei Gruppen. Ein enges Netzwerk pflegen die Bad Salzdetfurther auch mit den Selbsthilfeangeboten der AWO in Hildesheim, Alfeld und Sarstedt. „Daneben steht ein großes Netzwerk“, so Pluta. Bei den Treffen könnten die Betroffenen alle Probleme auf den Tisch legen und konkrete Hilfe erhalten. „Es wird darüber gesprochen, was für den Einzelnen am besten ist“, erläuterte der Kontaktstellenleiter. Oftmals würden die Probleme der Suchtkranken von gleicher Natur sein.

Die Vorsitzende der AWO Bad Salzdetfurth, Annette Nickel, bedankte sich für das ehrenamtliche Engagement. „Es ist wichtig, bei der Arbeit kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Nur so kommt man weiter“, ist die Vorsitzende überzeugt. Einen Dank richtete sie aber auch an die Familienangehörigen, die so viel Stärke zeigen, dass sie bei den Partnern bleiben. „Die AWO wird die Türen weiter offen halten“, erklärte Nickel.

Marlene Kahrmann überbrachte Grüße des Kreisverbandes. Es sei damals eine gute Entscheidung gewesen, die Sucht-Selbsthilfe unter das Dach der AWO zu nehmen. „Die Arbeit ist nicht hoch genug einzuschätzen“, meint die Bad Salzdetfurtherin. „Es wurde eine Organisation aufgebaut, die seinesgleichen sucht“, stellte Ortsbürgermeister Reinhard Stoffregen heraus.

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