Projekt LandArbeit: Konzert bringt großen und kleinen Leuten viel Spaß

Gießkannen Töne entlockt

Große und kleine Leute musizieren beim Gießkannenkonzert mit. Foto: Vollmer

HEINDE  Ein wenig irritiert hätten die Leute im Baumarkt schon geschaut als Karl Heinz Klages in der Gartenabteilung verschiedenen Gießkannen den einen oder anderen Ton entlocken wollte. „Eine Zink-Kanne klingt schließlich nicht wie eine aus Plastik. Auch auf das Fassungsvermögen kommt es an“, berichtet der musikalische Leiter des Bläserchores der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Innerstetal. Er gibt zu, noch nie zuvor mit einer Kanne musiziert zu haben. Aber wer kann das schon von sich behaupten?

Schließlich gab es im Vorfeld für ihn und seine Mitstreiter einen klaren Auftrag: Beim Aktionstag der Interessengemeinschaft LandArbeit galt es, mit möglichst vielen Gießkannen ein Konzert zu gestalten. Dazu waren alle Gäste, die mit einer mindestens Fünf-Liter-Gießkanne zu dem alten Kirchweg auf dem Bergrücken zwischen Heinde und Listringen gekommen waren, eingeladen. Die Initiatoren wollten mit der außergewöhnlichen Aktion vor allem die erneuerte Allee der Öffentlichkeit vorstellen. Teile des Weges wurden vor kurzem mit 300 Linden neu bepflanzt. Zunächst gestaltete Pastor Thorsten Buck eine Andacht für die Besucher. Anschließend führten Kindergartenkinder ein Musical mit dem Titel „Es ist noch Platz in der Arche“ auf. Einige nutzten die Gelegenheit, um die mitgebrachten Gießkannen zu bemalen. Bei einem „Landart-Workshop“ konnten zudem aus Naturmaterialien Kunstwerke gestaltet werden. Das Vorbild dafür lieferte der Künstler Andy Goldsworthy. Dann war der große Moment für die Gießkannen-Musiker gekommen. Zunächst präsentierte der Bläserchor ein Stück mit dem Titel „Volle Kanne für die Allee“. Als nächstes durften die Gäste raten, welche bekannte Melodie sie denn gerade hören. Die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „In the Mood“ von Glenn Miller. Kleine und große Leute aus Heinde und Umgebung mischten sich dann unter die Musiker. Nach einer kurzen Probe präsentierten sie vierstimmig das Kinderlied „Alle Vögel sind schon da“. Wer wollte, konnte an dem Nachmittag an einer Info-Wanderung teilnehmen. Dabei drehte sich alles um die Geschichte des idyllisch gelegenen Weges. Die Lindenallee ließ Karl Graf von Wallmoden, der von 1793 bis 1883 lebte, anlegen. Sie entspricht in ihrem Verlauf dem Kirchweg, der kürzesten Verbindung von und nach Listringen. Zu der Zeit gab es in Listringen noch keine eigene Kirche. Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die Vergabe von 300 Baumpatenschaften. Alle Paten bekamen eine Holzscheibe, die mit einer Nummer versehen ist. „Eine regelmäßige Verpflichtung ist damit aber nicht verbunden. Es wäre aber schön, wenn sich die Paten vom Gedeihen ihres Baumes von Zeit zu Zeit überzeugen und falls möglich auch mal gießen“, berichtet Andreas von Hoeren für die Interessengemeinschaft „LandArbeit“. Anschließend wurden die jungen Bäume, die ebenso mit Nummern versehen sind, begossen. Ein großer Wasserbehälter stand dazu auf der Hälfte des Weges bereit. Schließlich zogen große und kleine Leute samt Kannen zurück zur Heinder Kirche. Dort werden die Behälter für eine Woche lang an der Fassade befestigt. „Die Aktion ist ein voller Erfolg gewesen. Es waren an dem Tag etwa 400 Menschen unterwegs“, freut sich Andreas von Hoeren. mi

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