Abriss bewegt viele Gemüter / „Ort verliert an Charme“

Fußgängerbrücke ist weg

Die Brücke wurde nun abmontiert.

BAD SALZDETFURTH Am Tag nachdem Bad Salzdetfurths Bürgermeister Henning Hesse die Entscheidung verkündete, die Fußgängerbrücke zwischen Gartenstraße und Unterstraße abreißen zu lassen (die RuBS berichtete), wurde die Aktion gestartet.

 Ein Autokran, ein ZAH-Lastwagen und mehrere Monteurfahrzeuge rückten um 7 Uhr in der Gartenstraße an. Auch Josef Ringe-Krause vom Bauamt war vor Ort, um den Abriss zu überwachen. „Wir haben die Anwohner über die Maßnahme zuvor informiert“, sagte er, als einige Passanten noch einmal ihren Unmut über den Abriss zum Ausdruck brachten. Dann ging es schnell. Die einzelnen Teile der Brücke wurden abgetragen und verladen. Jetzt zeigte sich, wie marode der Unterbau in den Jahren geworden ist. Die im Ortsrat angedachte Zwischenlagerung des Unterbaus auf dem Bauhof hatte sich somit erledigt. Die verrosteten Träger werden nunmehr verschrottet. Gegen Mittag konnte die Aktion bereits beendet werden, die Fahrzeuge rückten ab, und die Brücke war Geschichte. Im Moment ist nicht klar, ob überhaupt und wenn ja, wann eine neue Brücke an die Stelle der jetzt abgerissenen tritt. Der Bad Salzdetfurther Architekt Thomas Seidler vom Architekturbüro Moreno+Seidler, der auch Vorsitzender der Hildesheimer Altstadtgilde ist, kritisiert den Abriss. Er sieht einen großen Sanierungsstau, der lange vor sich hergeschoben wurde. „Es ist erkennbar, dass die Stahlbauteile im unteren Bereich der Brücke – teilweise vollständig durchgerostet – über einen Zeitraum von mehreren Jahren hinweg nicht instandgehalten wurden. Auch eine privat beauftragte Statikerin hatte diagnostiziert, dass die Schädigungen im oberen sichtbaren Bereich der Brücke sich über einen mehrjährigen Zeitraum hinweg aufgestaut hatten“, meint er. Seidler befürchtet, dass Bad Salzdetfurth an Charakter und Charme verliert, „wenn mit dem schönen Ortsbild nicht behutsamer umgegangen wird“. Er habe mittlerweile wie viele andere Bürger auch den Eindruck, dass sich die Stadtverwaltung „scheibchenweise der zu pflegenden Substanz im Ort entledigt. Jetzt wurde wieder ein Stück wegdesinfiziert.“ Der Unmut sei mittlerweile insgesamt sehr groß. Dies wurde auch auf der jüngsten Ortsratssitzung deutlich, bei der mit mehr als 50 Personen ungewöhnlich viele Bürger anwesend waren. Auch kritisiert er die von der Verwaltung genannten Summen, dass ein Neubau zwischen 30 000 und 60 000 Euro kosten würde: „Der Unterschied ist zu groß und im Bau-Bereich untypisch. Möglicherweise seien hier Angebote eingeholt worden, ohne den genauen Umfang der Arbeiten vorab festzulegen.“ Zusammen mit anderen Anwohnern will er in diesen Tagen im Rathaus vorstellig werden, um die Situation nochmals zu erläutern. rm/gre

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