Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten / Gute Gleichstellungsarbeit gibt es nicht zum Nulltarif

„Dies ist eine Zäsur für Bad Salzdetfurth“

Mit dem Ausscheiden von Ursula Geiger (4.v.l.) endet eine Ära: Sie war die letzte hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis. Das Einstellen ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und die daraus resultierenden Zeitressourcenverknappungen führten schon jetzt zu gravierenden Einschnitten bei der Gleichstellungsarbeit, kritisieren die Gleichstellungsbeauftragten. Foto: Rischmüller

BAD SALZDETFURTH  Der letzte Monat ihrer Berufstätigkeit hat begonnen, und so ließ es sich Erich Schaper, Bürgermeister der Stadt Bad Salzdetfurth, nicht nehmen, der scheidenden Gleichstellungsbeauftragten Ursula Geiger auf der Konferenz der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten für ihre Erfolge in der Stadt zu danken. „Dies ist eine Zäsur für Bad Salzdetfurth“, konstatierte er. „Es hing mit der Person von Frau Geiger zusammen, dass die Stadt als letzte im gesamten Landkreis eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte beschäftigte“. Doch das wird sich mit Nachfolgerin Ute Fenske ändern. Diese nutzte die Konferenz, um sich ihren neuen Kolleginnen vorzustellen. Erstmals in der Geschichte der Frauenbeauftragten und Gleichstellungsbeauftragten wird sie nur ehrenamtlich tätig sein. Gesetzliche Rahmenbedingungen forcieren, dass viele Gemeinden aufgrund ihrer Größe nicht verpflichtet sind, eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte einzustellen. Grund genug für viele Kommunen, lediglich auf das ehrenamtliche Engagement von Frauen zurückzugreifen.

Die Auswirkungen der Entscheidungen zeigten sich auf der Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten mehr als deutlich. Gerade einmal sieben der 16 kreisweiten Gleichstellungsbeauftragten nahmen an dem Treffen teil. Längst nicht alle von ihnen waren krank oder weilten im Urlaub. Sie alle arbeiten ehrenamtlich, haben aber darüber hinaus auch eine hauptamtliche Tätigkeit. Müssen Gemeinden ihre Mitarbeiterinnen für Konferenzen wie diese freistellen, gilt diese Vorschrift nicht für die übrigen Arbeitgeber.

Doch dies sei nicht das einzige Problem, betonten die Gleichstellungsbeauftragten. So sieht das Gesetz zwar vor, dass jede Gemeinde eine Gleichstellungsbeauftragte beschäftigen muss, doch allein im Landkreis Hildesheim kommen sechs Kommunen dieser gesetzlichen Verpflichtung nicht nach. In Harsum, Elze, Giesen, Gronau, Holle und Söhlde sucht man teilweise schon seit vier bis fünf Jahren vergeblich nach einer Gleichstellungsbeauftragten. Dies bedeutet, dass rund ein Drittel der Gemeinden trotz eindeutiger Rechtslage ihre Stellen nicht besetzt. Es gibt aber wohl keine ausreichenden Sanktionen gegen eine Gemeinde, wenn sie sich nicht gesetzeskonform verhält. „Die Kommunalaufsicht beobachtet die Situation sehr wohl“, wusste Karin Jahns, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hildesheim, zu berichten. Doch mit mehr als einer Ermahnung hätten die betroffenen Gemeinden nicht zu rechnen.

Glücklicherweise gibt es Anlass zu verhaltenem Optimismus für sie und ihre Kolleginnen. Denn die neue Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Manuela Schwesig, aber auch die neue Landesregierung Niedersachsens zeigen Tendenzen und Überlegungen, hier für entsprechende Gesetzesänderungen und somit für eine Aufwertung der Gleichstellungsarbeit sorgen zu wollen. Ein wichtiger Schritt, denn diese gibt es nun einmal nicht umsonst. Gute Arbeit ist auch das neue Projekt der Gleichstellungsbeauftragten und des Hildesheimer Aktionsbündnisses 25.11. zum Thema „Gewalt gegen Frauen“. „Mit Weitblick“, heißt die Fotokampagne, zu der jede und jeder aufgerufen ist, mitzumachen, damit eine Enttabuisierung der Thematik vorangetrieben wird. Neue Studien belegen, dass jede dritte Frau in Deutschland im Laufe ihres Lebens Gewalterfahrungen machen muss. Um dem entgegenzuwirken und Gesicht zu zeigen, sollen Selbstportraits mit Weitblick für Aufmerksamkeit sorgen. Fotos mit einer Auflösung von mindestens fünf Megapixel können per Mail gesandt werden an: Weitblick2014@gmx.de. Ein kurzes Statement sowie Angaben zur eigenen Berufsbezeichnung sollten das Ganze komplettieren. Wer auf professionelle Unterstützung eines Fotografen nicht verzichten möchte, ist herzlich zu einem der vielen Fotoshootings im Landkreis eingeladen. Auch vor dem Bad Salzdetfurther Hotel Kronprinz wird am 14. September von 12 bis 15 Uhr im Rahmen des Mountainbike Cross-Country Bundesliga Finales gegen die Gewalt geknipst. Informationen rund um das Fotoprojekt finden sich in der Facebook-Gruppe „Mit Weitblick - Region Hildesheim gegen Gewalt an Frauen“. Die aussagekräftigsten Bilder werden im November in einer Ausstellung im Hildesheimer Rathaus und auf einem großen Banner präsentiert. Auch über eine Wanderausstellung durch Kommunen des Kreises wird nachgedacht. ar

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