Brötchentüten machen auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam

Botschaft auf der Tüte

Der Bad Salzdetfurther Jan Seeler im Gespräch mit Ute Fenske, Gleichstellungsbeauftragte. Gewalt gegen Frauen lehnt er kategorisch ab. Er wünscht sich Zivilcourage vom sozialen Umfeld der Betroffenen. Die Brötchentütenaktion findet er einen guten Weg, um für das Thema zu sensibilisieren. Foto: Rischmüller

BAD SALZDETFURTH J Erstmalig nutzte die Bad Salzdetfurther Gleichstellungsbeauftragte Ute Fenske die Möglichkeit, am Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen!“ auch selbst Brötchentüten an die Passanten zu verteilen. Auffällig in knalligem Gelb mit fetten Aufdruck zeigen besagte Tüten, dass Gewalt gegen Frauen nicht in die Tüte kommt.

In Stadt und Landkreis nehmen Jahr für Jahr Bäckereien, Kioske, Tankstellen und Lebensmittelläden an der Aktion teil, um ein Zeichen gegen Übergriffe auf Frauen zu setzen. Hierbei werden Brötchentüten verteilt, deren auffälliger Slogan und der in der Tüte enthaltene Flyer mit Informationen für Betroffene und deren Umfeld für die Thematik sensibilisieren soll. Es finden sich Hinweise auf Beratungsstellen und Unterstützungsmöglichkeiten.

In Hildesheim setzt sich das „Aktionsbündnis 25.11.“ dafür ein, dass diese wichtigen Kontaktdaten auf kreativem Weg ihren Weg in die Haushalte finden. Denn genau dort, im häuslichen Nahbereich kommt Gewalt am häufigsten vor. Längst ist das Thema dank immer mehr Aufklärung kein Tabu mehr. Auch Versuche der Täter, die Gewalttaten an ihren Frauen zu bagatellisieren sind seit dem Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes im Jahr 2002 nicht mehr fruchtbar.

Jan Seeler aus Bad Salzdetfurth findet bei der Übergabe der Brötchentüte deutliche Worte. „Gewalt gegen Frauen ist völlig inakzeptabel.“ Hierbei sei es völlig gleichgültig ob es sich um häusliche oder globale Gewalt handele. Die Beschneidung von Frauen in weit entfernten Ländern sei ebenso zu bekämpfen wie der Übergriff des Ehemannes gegen seine Ehefrau in der Region Hildesheim. Wichtig sei es auch bei entsprechenden Beobachtungen Zivilcourage zu zeigen. So sei er selbst in der Vergangenheit auf einen Mann zugegangen und habe diesen ruhig gebeten mit seiner Partnerin angemessen umzugehen. „Ich wundere mich immer wieder, sogar beim Einkaufen, wie manche Männer sich gegenüber ihren Frauen verhalten“, erzählt er Fenske im Gespräch.

Da kann die Gleichstellungsbeauftragte ihm nur beipflichten, denn aus ihrer Sicht fehle es in Deutschland an einer Konfliktkultur. Zusammen mit den vermeintlich fehlenden Alternativen und der Hilflosigkeit der Frauen komme es dann leicht zu Eskalationen. Es ginge für das Umfeld solcher Gewaltbeziehungen nicht darum sich selbst in Gefahr zu bringen, um für Deeskalation zu sorgen. Manchmal reiche es, die Frau einfach an anderer Stelle in einem Vier-Augen Gespräch zu fragen, was sie da mit sich machen ließe.

Häusliche Gewalt ist für Fenske keine Privatsache, sondern eine Straftat. Auf die Frage Seelers, was aus ihrer Sicht die beste Prävention sei, antwortet sie, diese müsse im Kindesalter beginnen. „Wer sich als Kind geliebt und dazugehörig in Familie und Gesellschaft fühle, werde später selbst seltener gewalttätig. Deshalb sei es so wichtig, was Eltern ihren Kindern vorleben. Erleben die Jüngsten, wie der Vater die Mutter schlägt oder die Elternteile sich gegenseitig abwerteten, empfänden sie dies, als seien sie selbst ebenfalls unmittelbares Opfer. Für die Organisatorin sei die Brötchentütenaktion ein guter Weg, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Die persönliche Ansprache führe in der Regel zur persönlichen Auseinandersetzung mit der Thematik. Gewalt ist für Gleichstellungsbeauftragte in keinem Fall eine Lösung, sondern führe nur zu Ängsten und dem Festigen von Machtgefügen.

Als eine generelle pauschale Abwertung von Männern möchte sie die Brötchentütenaktion jedoch nicht verstanden wissen. „Mir geht es darum, dass die betroffenen Frauen im Bedarfsfall über die Kontaktdaten der Beratungsstellen und Unterstützungsmöglichkeiten verfügen. Sie sind nicht alleine, denn Hildesheim und die Region verfügen mit dem „Aktionsbündnis 25.11.“ über ein außerordentlich gut aufgestelltes Netzwerk mit vielen kompetenten und engagierten Helferinnen.“ Fenske betont, dass sie ebenso für Gespräche mit Männern zur Verfügung stünde, die für sich in Konfliktsituationen neue Lösungswege suchten. „Auch für sie gibt es im Landkreis Angebote“, betont sie.

Donnerstags von 14.30 bis 19 Uhr ist die Gleichstellungsbeauftragte unter der Telefonnummer 05063-999119 erreichbar. ar

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