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Theatererlebnis für Sehbehinderte

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Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Schwarz MdL (2.v.l.) und Geschäftsführer Thomas Groß (l.) haben die Sehbhinderten zur Audiodeskription begrüßt und ihnen eine haptische Einführung ins Stück geboten.
Aufsichtsratsvorsitzender Uwe Schwarz MdL (2.v.l.) und Geschäftsführer Thomas Groß (l.) haben die Sehbhinderten zur Audiodeskription begrüßt und ihnen eine haptische Einführung ins Stück geboten. © Gandersheimer Domfestspiele gGmbH / Frank Bertram

Bad Gandersheim – „Die drei Frauen gehen jetzt eine Treppe hinunter“. Paul Beßler beschreibt, was auf der Bühne der Gandersheimer Domfestspiele zu sehen ist für Menschen, die nicht sehen können. Sie sitzen im Publikum vor der Stiftskirche, hören über einen Kopfhörer die Stimme des Kommentators, der auch zusätzliche Erläuterungen gibt. 

„Eine der Frauen hat schwarze, hochtoupierte Haare.“ Die Gandersheimer Domfestspiele haben in dieser Spielzeit erstmals live gesprochene Audiodeskriptionen für Blinde und Sehbehinderte angeboten. Musik, die Sprache der Darsteller auf der Bühne und die zeitgleiche Beschreibung können sich so im Kopf zu einem Ganzen verbinden.

Sehbehinderte auf dem Platz vor der Festspielbühne
Erfolgreicher Start: Die Domfestspiele wollen das Angebot für Sehbehinderte im nächsten Jahr noch ausbauen. © Gandersheimer Domfestspiele gGmbH / Frank Bertram

„Mit der Audiodeskription haben wir als Niedersachsens größtes Freilichttheater ein Alleinstellungsmerkmal und sind auf dem besten Weg zu einem inklusiven Theater“, sagt Geschäftsführer Thomas Groß. Die Gandersheimer Domfestspiele arbeiten dabei mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen sowie der Stiftskirchengemeinde Bad Gandersheim zusammen, unterstützt von der Aktion Mensch. Ingesamt 15 Sehbehinderten mit ihren Begleitpersonen konnte dieser Service während zwei Vorstellungen ermöglicht werden. „Wir möchten nach dem erfolgreichen Start das Angebot im nächsten Jahr gerne noch ausbauen“, sagt Geschäftsführer Thomas Groß.

Paul Beßler sendete vom Fenster eines Büros der Stiftskirchengemeinde mit bestem Blick auf die Bühne seine live gesprochenen Beschreibungen und Erläuterungen auf die Kopfhörer der im Publikum sitzenden Sehbehinderten oder Blinden. „Ich bin deren Augen“, sagt der 77-Jährige. Der erfahrene Audiodeskriptor kommentiert auch im Staatstheater Braunschweig oder beim Fußball bei Eintracht Braunschweig für sehbehinderte Menschen das Geschehen.

Die Idee für das inklusive Projekt war bei einem Gespräch zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Gandersheimer Domfestspiele, Uwe Schwarz MdL, und dem Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Hans-Werner Lange, entstanden. Schwarz begrüßte dann auch die erste Gruppe von Sehbehinderten. Geschäftsführer Thomas Groß gab eine kurze Einführung in die mit Audiodeskription gezeigten Stücke. Außerdem konnten die Sehbehinderten einen haptischen Eindruck gewinnen: Bei „Der kleine Horrorladen“ durften sie die fleischfressende Pflanze Audrey II berühren, bei Monty Python’s „Spamalot – Die Ritter der Kokosnuss“ konnten sie vor der Vorstellung einmal das Schwert Excalibur in die Hand nehmen. 

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