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Mit augenzwinkernder Leichtigkeit

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Bürgermeisterin Franziska Schwarz zeichnete Schriftstellerin Annegret Held in Brunshausen mit dem Roswitha-Literaturpreis 2022 aus.
Bürgermeisterin Franziska Schwarz zeichnete Schriftstellerin Annegret Held in Brunshausen mit dem Roswitha-Literaturpreis 2022 aus. © Martin Friese

Bad Gandersheim – Lebendige Figuren, packende Dialoge, stimmige Stadtszenen und starke Landschaftsschilderungen aus einer untergegangenen dörflichen Welt, genau beschrieben mit dem Augenzwinkern einer Frau und spannend erzählt mit herzerfrischender literarischer Leichtigkeit – das kennzeichnet das Werk der Schriftstellerin Annegret Held. Jetzt ist die bei Kaiserslautern lebende Romanautorin im Bad Gandersheimer Kloster Brunshausen mit dem Roswitha-Preis 2022 ausgezeichnet worden.

Ministerin Daniela Behrens (l.) lobt die gleichstellende Wirkkraft der Roswitha-Preisträgerin Annegret Held (r.). © Martin Friese
Ministerin Daniela Behrens (l.) lobt die gleichstellende Wirkkraft der Roswitha-Preisträgerin Annegret Held (r.). © Martin Friese

Annegret Held gehöre „in die erste Reihe der deutschen Gegenwartsliteratur, neben den aktuellen Stars“, unterstreicht der Frankfurter Literaturkritiker Prof. Martin Lüdke bei der Preisübergabe. Vier ihrer Romane ragten besonders heraus durch sprachliche Genauigkeit und treffliche Beobachtung. „Annegret Hermann ist ein Urvieh, ein Naturtalent, das manchmal gezügelt werden muss“, sagt Jurymitglied Lüdke.
Die Preisträgerin lasse „kleine Leute zu Wort kommen“ und zeige „große Verantwortung, den Menschen im Dörflichen gerecht zu werden“, meint Laudatorin Margarethe von Schwarzkopf. „Heimatromane sind lange nur belächelt worden, heute nicht mehr!“ Dabei sei Annegret Held eine Autorin, die nicht in TV-Talkshows drängt. „Dich entdeckt man, und dann freut man sich.“
Annegret Held kennt, worüber sie schreibt. Sie stamme aus einem Dorf im Westerwald, einem Kaff, das für sie Zentrum der Welt ist, jener Welt, in die sie immer wieder zurückgekehrt ist, in ihren Büchern wie im Leben. Sie kennt die Menschen, die lange Zeit in bitterer Armut lebten, kennt deren Geschichte. So sei sie zur Chronistin dieses Landstrichs geworden. Im Roman „Apollonia“ (2012), dem grandiosen Epos „Armut ist ein brennend Hemd“ (2015) und der „Räuberballade“ (2020) erzähle sie die Geschichte des Westerwalds und seiner Menschen, nie von oben herab, sondern immer von innen heraus.
Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens, weiter zuständig für Gleichstellung der Geschlechter im Land, lobt die Wirkkraft von Annegret Held, deren Debut „Meine Nachtgestalten – Tagebuch einer Polizistin“ 1988 erscheint. Sie habe sich ihren Traum als Autorin erarbeitet und verwirklicht als selbstbewusste selbstbestimmende Frau in schwierigen Zeiten. Noch in den 1980-er Jahren sei die Berufsoffenheit für Frauen nicht so durchlässig gewesen wie heute. Damals hätten es Alleinerziehende viel schwerer gehabt auf ihrem harten Lebensweg. „Sie sind eine Heldin“, betont Behrens.
Die 47. Roswitha-Preisträgerin widmete ihre Dankesrede Wegbegleitern und Förderern, Lektoren und Verlegern, Agenten und Familie, allesamt ihre Schutzengel. Musikalisch ummantelt wurde die Preisverleihung von Cecile Beelmann und Klaus Dibbelt.
Der Bad Gandersheimer Roswitha-Preis ist der älteste Literaturpreis Deutschlands. Die Verleihung wird durch die Stiftung Niedersächsischer Volksbanken und Raiffeisenbanken, die Volksbank e.G. in Bad Gandersheim, die Paracelsus-Kliniken Bad Gandersheim und die Avacon Netz GmbH gefördert. - cmf

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