Trotz Komplikationen geklappt: Riesenkran hebt 140-Tonnen-Druckzylinder in die Halle der PM2 bei Sappi

Meilenstein in der Papierherstellung

Voller Einsatz für den Kranführer: Der Zylinder kurz vor dem Einsatzort in der Halle. Zahlreiche Mitarbeiter überwachen die Aktion. Foto: Schwarzer-Schulz

ALFELD Der gerade begonnene Umbau der Papiermaschine 2 (PM2) im Sappi-Werk ist ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens. Entgegen der Planung dauerte es am Montag rund fünf Stunden, bis einer der größten Kräne Europas (Höhe: 96 Meter) den knapp 140 Tonnen schweren MG-Druckzylinder durchs Hallendach auf der Rahmenkonstruktion ablegen konnte, von wo aus er dann in die darunter stehende PM2 eingesetzt wird.

MG steht für „machine glazed“, also maschinenglattes Papier, für das der Zylinder sorgen soll. Für die Verzögerungen sorgte zunächst der Wind, später ein defekter Neigungssensor im Kran. Laut Stefan Karrer, Geschäftsführer Sappi Alfeld, geht es darum, im Alfelder Werk den Sprung ins 21. Jahrhundert zu bewältigen und den Standort für nachfolgende Generationen zu sichern.

Seine Kollegin Rosemarie Asquino, Marketing-Director Specialities Sappi Europe, erklärte die Hintergründe für die 61 Millionen teure Investition: „Die Nachfrage für grafische Papiere, die für Magazine, Zeitungen und Broschüren eingesetzt werden, ist derzeit stark im Schrumpfen - die Kommunikation verlagert sich immer mehr aufs Internet. Auf der neuen PM2 werden künftig oberflächenveredelte Papiere für Verpackungen, Etiketten und technische Anwendungen hergestellt.“ Daraus entstehen durch externe Weiterverarbeitung Deckel für Joghurtbecher, Suppenbeutel und andere Verpackungen großer Marken, aber auch lokaler Hersteller. Mit der dann produktivsten Papiermaschine der Welt soll die Produktion vor Ort zu 100 Prozent auf diese lukrativen Spezialpapiere umgestellt werden. Als Ziel formulierte Stefan Karrer: „Bis 2018 wollen wir Marktführer in diesem Segment sein. Am 12. Oktober wird der Start-Up der umgebauten PM2 erfolgen und im März kommenden Jahres hoffen wir, die Maschine offiziell einweihen zu können.“ Die Umwandlung der PM2 bedeute für Sappi, am Wachstum in diesem Markt teilnehmen zu können, und nicht, wie Rosemarie Asquino es ausdrückte, weiterhin Kundenanfragen mit „nein“ beantworten zu müssen. Die große Effizienz der Maschine wirkt sich allerdings auch massiv auf die Belegschaft aus. Die Sappi-Geschäftsführung und der Betriebsrat bestätigten, dass damit 132 der 870 Arbeitsplätze überflüssig werden. „Wir erstellen gerade einen Sozialplan, der gegen Ende des Jahres umgesetzt werden soll.“ Dabei soll es auch Umbesetzungen der Stellen geben. sch

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