Leitung des Krankenhauses sieht „Talsohle durchschritten“ / Zwei Abteilungen werden ausgelagert, Chefarzt muss gehen

Ameos spricht weitere Kündigungen aus

Generalbevollmächtigter Patrick Hilbrenner.

ALFELD Es sind Begriffe wie „Umstrukturierung“, „Vertrauen gewinnen“ und „positive Zukunft“, die Patrick Hilbrenner, Generalbevollmächtigter des Ameos-Klinikums Alfeld, gestern bei einem Pressegespräch bemühte, um die nächsten Hiobsbotschaften zu verkünden.

Ameos muss einen großen Spagat schaffen. Zum einen brauchen sie zufriedene Mitarbeiter und Patienten, die vertrauensvoll ins Krankenhaus gehen, zum einen drückt die finanzielle Situation auf Stimmung und Bilanzen. Die Alfelder Einrichtung hat jährlich einen Umsatz von 21,5 Millionen Euro, schreibt aber bisher pro Jahr Verluste von sechs Millionen Euro. Deshalb informierte Hilbrenner gestern über weitere Maßnahmen, die dem Haus bis Ende 2015 eine „schwarze Null“ bescheren sollen. Die Leistungen der Physiotherapie werden ab 2015 von einem externen Dienstleister erbracht. Zwölf Mitarbeiter haben Kündigungen erhalten. Allein diese Abteilung macht laut Hilbrenner ein jährliches Minus in Höhe eines mittleren sechstelligen Betrages. Doch, und das sei das in die Zukunft ausgerichtete Signal, die Leistungen werden ab 2015 weiter im Haus angeboten. Ameos verhandelt mit fünf externen Dienstleistern, die wohl fünf Mitarbeiter übernehmen. Die anderen können sich auch auf die Stellen bewerben. Gehaltseinbußen werden die Mitarbeiter aber in Kauf nehmen müssen. Laut dem Generalbevollmächtigten werden zurzeit Gehälter „30 Prozent über dem marktüblichen Tarif“ gezahlt. Ebenfalls von externen Anbietern wird ab 2015 der Schreibdienst der eigentlichen Ärztebriefe erledigt. Die Technik mache es laut Hilbrenner möglich, dass dies heute auch in Greifswald oder Rostock erbracht werden könne. Hilbrenner stellt aber klar, dass dies die letzten Maßnahmen der Umstrukturierung seien: „Ab jetzt gibt es von uns keine schlechten Nachrichten mehr.“ Dies alles sei kein Aufhübschen der Braut für einen Verkauf, und das Krankenhaus wird keinesfalls geschlossen: „Das ist auch das hauptsächliche Signal an die Bevölkerung. Hier geht es weiter. Ameos steht zu dieser Region.“

Doch wurden nicht nur im Sinne der Umstrukturierung „Nägel mit Köpfen gemacht“: Ameos hat sich gestern von René Radtke (48) getrennt, der sechs Jahre lang Chefarzt der unfallchirugisch-orthopädischen Abteilung war. „Aus betriebswirtschaftlichen und finanziellen Gründen“, wie es heißt. Die Abteilung habe, so Hilbrenner, Schätzungen zufolge Ende des Jahres etwa 300 Fälle weniger als 2013, wo es 1 850 Fälle waren. Ameos geht dadurch ein siebenstelliger Betrag durch die Lappen. Radtke habe, so Hilbrenner, kein Konzept gehabt, wie diesem Trend entgegengewirkt werden soll. Prof. Dr. Rudolf Bumm, Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, meint, dass zwar viel Vertrauen in der Bevölkerung verlorengegangen sei, aber die niedergelassenen Ärzte zum Klinikum stehen würden, obwohl auch hier viele Gespräche nötig seien. Das Radtke ein „Bauernopfer“ der miesen Entwicklungen sei, sei nur bedingt der Fall: „Wir strukturieren seit März um, die Zahlen gingen aber schon seit Dezember steil nach unten.“ Neuer kommissarischer Chefarzt wird der leitende Oberazt Dr. Ulrich Schön (45), der laut Prof. Dr. Bumm über exellente Fähigkeiten verfügt. Gleichwohl wird ein neuer Chefarzt gesucht, der voraussichtlich im Herbst vorgestellt werden soll. Die Job-Voraussetzungen: Zum einen soll er Experte in der Wirbelsäulenchirguie haben. „Damit zeigen wir, dass wir unser Leistungsspektrum auch erweitern wollen“, erklärt Hilbrenner. Zum anderen soll er eine gehörige Portion Sozialkompetenz mitbringen – um den Spagat zu schaffen, niedergelassene Ärzte, Mitarbeiter und Bevölkerung weiter bei Laune zu halten und die Zahlen wieder zu schwärzen.

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