Chaos vor den Schulen

Verschärft Corona das Problem mit den Elterntaxis?

Einige Schulen hatten schon vor Corona Haltezone für "Elterntaxis" eingerichtet. Doch nun werden wohl noch mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Foto: Peter Steffen/dpa
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Einige Schulen hatten schon vor Corona Haltezone für "Elterntaxis" eingerichtet. Doch nun werden wohl noch mehr Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Foto: Peter Steffen/dpa

Wenn Kinder mit dem Elterntaxi zur Schule kommen und die Eltern dabei ein Chaos auslösen: Vielen ist das ein Dorn im Auge. Ändert sich durch Corona diese Sichtweise?

Peine (dpa) - Parken an der Bushaltestelle oder Wenden auf dem Gehweg: Gestresste Eltern lösen vor Schulen regelmäßig Chaos aus, wenn sie ihren Nachwuchs absetzen oder abholen. Viele ärgern sich über die sogenannten Elterntaxis.

In der Corona-Pandemie hat sich der Alltag vieler Menschen aber verändert, was vor allem zum Ferienende deutlich wird. Die Schulen mussten mit Hygienekonzepten auf die Situation regieren. Manche Eltern denken neu über den Weg ihrer Kinder nach: Setzen wir sie in einen vollen Bus oder bringen wir sie doch lieber selbst?

Wirbel um Kilometerpauschale für Eltern in Peine

Um überfüllte Busse mit zu wenig Abstand zu vermeiden, wollte der Landkreis Peine in Niedersachsen den Eltern helfen. Die Verwaltung bot daher für das Bringen der Kinder eine Pauschale von 30 Cent pro Kilometer an und sorgte damit für einigen Wirbel. Inzwischen wurde die Testphase vorzeitig beendet. "Eine erste Auswertung und zahlreiche Gespräche unter anderem mit Schulen, Beförderungsunternehmen und der Polizei haben gezeigt, dass die geplante Entschädigung für Eltern, die ihre Kinder statt mit dem Bus mit dem Auto zur Schule bringen, viele andere Probleme mit sich bringt", teilte Kreissprecher Fabian Laaß mit.

Platzmangel vor den Schulen führt oft zu Chaos

Zuvor hatte es einige Gegenstimmen gegeben. "Auch wenn Kreativität in Corona-Zeiten grundsätzlich wünschenswert ist, geht diese Aktion eindeutig in die falsche Richtung", sagte Alexandra Kruse vom ADAC. Aus Sicht des Automobilclubs entsteht das Chaos oft durch den wenigen Platz vor Schulen. "Es wird verkehrswidrig an Bushaltestellen oder in zweiter Reihe gehalten, wo ein Aussteigen nicht sicher ist", so Kruse. Die angedachte Kilometerpauschale sei vor allem mit Blick auf die Rolle der Kinder als eigenständige Verkehrsteilnehmer "ein ganz falsches Signal".

Eltern sollten nicht direkt vor dem Schulgebäude halten

Ein paar Kilometer südlich, im Landkreis Northeim, ist eine ähnliche Förderung mittlerweile bis zu den Herbstferien verlängert worden. Seit Ende April können dort 20 Cent pro Kilometer beantragt werden. Um Verkehrsprobleme zu vermeiden, sollten Eltern nicht ganz an die Schule fahren und auf langwierige Abschiedsrituale verzichten, hieß es aus Northeim.

Dennoch hagelt es für die Förderung der Elterntaxis viel Kritik. Die Polizei warnt immer wieder vor den Risiken und kontrolliert auch vor den Schulen. Das Sozialministerium in Hannover wirbt eher dafür, den Schülertransport zu stärken; der Städte- und Gemeindebund in Niedersachsen sieht einen beträchtlichen Verwaltungsaufwand. Nur wenige Kommunen seien finanziell in der Lage, solche Prämien auszuschütten.

Kurz vor dem Schulstart in Bayern in der kommenden Woche riefen das Deutsche Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub VCD dazu auf, Elterntaxis zu vermeiden. "Es gibt meist keinen Grund, Kinder morgens mit dem Auto in die Schule zu chauffieren", betonte Holger Hofmann, Geschäftsführer des Hilfswerkes, in einem gemeinsamen Aufruf.

© dpa-infocom, dpa:200904-99-428378/5

Mitteilung des Landkreis Peine

Landkreis Northeim zur Schülerbeförderung

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