Ernährung heute – Wie gesund leben wir wirklich?

+

Der Ernährung kommt in unserer Gesellschaft eine immer größere Rolle zu. Begriffe wie Low-Carb, vegan oder glutenfrei sind buchstäblich in aller Munde.

Immer mehr Foodblogs inspirieren unsere Essgewohnheiten und auf Instagram lassen sich schön drapierte Müslischalen bestaunen. Fitness-Apps zählen unsere Schritte, berechnen unseren Kalorienverbrauch und geben anschließend Ernährungstipps. Es scheint fast so, als würde unser Alltag allein von Ernährung bestimmt werden. Doch leben wir dadurch wirklich gesünder?

In den letzten 15 Jahren hat sich viel getan auf deutschen Tellern. Der Vegetarier-Bund ProVeg Deutschland geht von 8 Millionen Vegetariern aus. Das sind umgerechnet 10 Prozent der Bevölkerung. Rund 1,3 Millionen Menschen ernähren sich sogar rein pflanzlich. Somit leben 1,6 Prozent der Deutschen vegan – Tendenz steigend. Viele Deutsche befassen sich also sehr genau mit Ihrem Essen. Gleichzeitig war Deutschland noch nie so dick wie heute. Fast 60 Prozent der Männer und immerhin 37 Prozent der Frauen liegen über dem empfohlenen Normalgewicht.

Dies liegt insbesondere an dem Überangebot an Nahrung, mit dem wir täglich konfrontiert werden. Noch nie zuvor gab es so viele sichere und billige Lebensmittel wie heute. Der im Land herrschende Wohlstand erlaubt es fast jedem, sich gesund zu ernähren. Warum funktioniert eine ausgewogene Ernährung in der breiten Masse also nicht? Hierauf gibt es keine pauschale Antwort. Gleich mehrere Faktoren spielen eine Rolle, wenn es um die Essgewohnheiten der einzelnen Person geht. Persönliche Gewohnheiten werden schon im Kindheitsalter angelegt und nur selten hinterfragt. In den Supermärkten tummeln sich tausende schön designte Produkte, die alle gekauft werden wollen und uns ein wohlschmeckendes Erlebnis versprechen. Viele Kunden lassen sich nur allzu gerne mit solchen Produkten locken.

Dabei ist wissenschaftlich relativ klar definiert, was der Körper braucht. Wenig Zucker, nicht zu viel Fett, etwas Eiweiß, dazu Ballaststoffe und vor allem Gemüse und Obst. So wird die Ernährungspyramide schon seit Jahrzehnten beschrieben. Dennoch wird diese immer wieder ignoriert, während der gewohnten Ernährung nachgegangen wird. Der Vorgang des Essens gewann in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Es ist nicht mehr nur reine Nahrungsaufnahme, unsere Nahrung verleiht uns Orientierung und Identität. Die Ernährung lässt mittlerweile Rückschlüsse auf den Bildungsgrad und den sozioökonomischen Status zu. „Du bist was du isst“ – dieser Spruch war noch nie so wahr wie heute.

Der Fleischkonsum in Deutschland ist übermäßig hoch. Dies liegt vor allem an den günstigen Preisen für diese Lebensmittel. Im Discounter gibt es ein Kilo Fleisch schon ab vier Euro. So kommt es, dass ein Deutscher im Schnitt 60 Kilogramm Fleisch pro Jahr verzehrt. Diese Menge ist im Hinblick auf die Gesundheit jedoch bedenklich. Wissenschaftliche Studien belegen, dass mit einem übermäßigen Verzehr von Fleisch das Krebsrisiko steigt. Ebenso erhöht sich die Wahrscheinlichkeit an Herz- Kreislauferkrankungen oder Fettleibigkeit zu erkranken.

Die Menschen essen heute „to-go“. Bäckereien, Schnellrestaurants und Supermärkte stehen dazu an jeder Ecke bereit. Der Trend zum Fastfood ist kaum noch aufzuhalten. Mittlerweile gibt es sogar gesundes Fastfood, das sich neben Burger und Co. bewährt. Schmackhaft und schnell soll die heutige Ernährung sein. Auf diesen Zug springen immer mehr Unternehmen auf. In den Regalen der Läden finden sich immer mehr Fertigprodukte, die ohne künstliche Zusätze auskommen. Das führt dazu, dass immer weniger Deutsche selbst den Kochlöffel schwingen. Laut einer Untersuchung der IfD Allensbach kochen nur noch rund 36 Prozent der Deutschen regelmäßig. Über 13 Prozent kochen gar nicht.

Es herrscht eine starke Diskrepanz beim Thema Ernährung. Während einerseits der Trend zum Verzicht und der gesunden Ernährung immer mehr Bedeutung gewinnt, wird andererseits immer weniger auf eine ausgewogene Ernährung geachtet. So lässt sich eine Entwicklung in beide Extreme beobachten. Die Frage, wie gesund wir heutzutage essen, kann daher nicht leicht beantwortet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare