Dubiose Betrugsmasche

Toiletten-Trinkgeld: Wie viel ist genug - darf es der Mitarbeiter behalten?

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Eine "Sitzerin" hatte geklagt, als sie nichts vom eingenommen Trinkgeld sah. Das Gericht gab ihr Recht und sprach ihr 1.000 Euro zu.

Biergarten, Festivals & Co.: Jeder muss mal aufs Klo. Doch ist es moralisch vertretbar, kein Trinkgeld zu zahlen? Und dürfen die Angestellten es überhaupt behalten?

In Sanicare-Anlagen auf Raststätten ist es schon Gang und Gebe, mindestens 50 bis 70 Cent am Eingang der Sanitäranlage zu bezahlen. Schließlich hat man auch keine andere Wahl – ansonsten öffnet sich das Drehschloss nicht. Doch an so manch einem öffentlichen Platz, einer Wirtschaft oder auch Festivität, gibt es stattdessen nur Klo-Hütten oder –wägen. Davor sitzt meist ein (oftmals mürrisch dreinschauender) Angestellter, der sich um die Hygiene auf den Toiletten kümmert. Daneben liegt auf einem Tischchen eine Schüssel, Schale oder Teller, auf dem bereits Kleingeld liegt.

Biergarten, Restaurant & Co.: Gehört es sich, der Toilettenfrau kein Trinkgeld zu geben?

Schließlich gehört es für manche zum guten Ton, der Klo-Dame bzw. Klo-Herren nach getanem Geschäft ein wenig Trinkgeld zu geben. Aber wäre es auch moralisch vertretbar, wenn ich es nicht tue? Rechtlich gesehen nicht. Sie sind grundsätzlich nirgendwo dazu verpflichtet, einen Obulus dazulassen. Schließlich besteht zwischen Ihnen und der Sanitärfachkraft kein Vertrag – und somit auch keine Zahlungspflicht. Diese ist allein von Ihrem Auftraggeber angestellt und bezieht von diesem ihr Gehalt.

Es steht Ihnen also frei, ob Sie das tun wollen. Wenn ja, dann ist ein guter Richtwert zwischen 50 Cent und einem Euro. Besonders, wenn die Toilette sauber und gepflegt ist, zeigt man so der Sanitärfachkraft, dass man mit ihrer Arbeit sehr zufrieden war. So wäre ein kleines Trinkgeld nur fair.

Anders sieht es allerdings aus, wenn Sie in einem Restaurant sind. Wenn Sie dort essen und trinken, ist für Sie die Toilettennutzung kostenlos inbegriffen. Zudem sind Restaurants laut dem Gaststättenrecht rechtlich verpflichtet, sich daran zu halten. Allerdings liegt dieses seit 2006 in Händen der Bundesländer. Das heißt konkret: Diese entscheiden darüber, wie sie die Regelung handhaben wollen.

Doch wie sieht es aus, wenn Sie nur mal kurz aufs Töpfchen müssen – aber nichts bestellen? Dann müssen Sie sich an die Anweisungen des Wirts bzw. des Personals halten. Dieser entscheidet laut Hausrecht darüber, ob Sie seine Toilette kurz nutzen dürfen oder nicht. Manche verbieten es – andere wiederum fordern im Gegenzug auch Geld. Dies gilt übrigens auch, wenn Sie die öffentlichen Toiletten von Einkaufszentren, Kaufhäusern oder Bahnhöfen aufsuchen wollen. Hier dürfen die Besitzer ebenfalls entscheiden, ob Sie dafür einen Obulus verlangen oder nicht. Wenn ein Schild explizit auf Gebühren hinweist, dann müssen Sie sich fügen.

Wer hingegen länger im Biergarten & Co. sitzt und weiß, dass er wohl öfters das stille Örtchen aufsuchen muss, dem empfiehlt es sich, nach seinem letzten Toilettengang Trinkgeld dazu lassen. Dann kann es sich auch mal auf ein bis zwei Euro belaufen. So kommt an einem Tag schon mal ein sattes Trinkgeld von mehreren hundert, wenn nicht sogar tausend Euro zustande. Doch darf die Toilettenfrau das auch behalten?

Klofrau erstreitet sich Trinkgeld vor Gericht - und bekommt 1.000 Euro

Die Frage scheint nicht eindeutig zu beantworten zu sein. Schließlich sorgte bereits 2014 ein Fall vor dem Arbeitsgericht Gelsenkirchen für Furore, bei dem es um eine üble Betrugsmasche einer Reinigungsfirma ging. Diese hatte eine sogenannte "Sitzerin" engagiert, wie es öfter in der Branche üblich sein soll. Dabei handelt es sich angeblich nicht um Reinigungskräfte, sondern nur um Personen, die neben der Toilette sitzen, Trinkgeld entgegennehmen, zählen und "Danke" sagen.

Die "Sitzerin" sollte also nur das Trinkgeld einsammeln und bekam dafür einen Stundenlohn von 5,20 Euro. Als sie merkte, dass die Einnahmen teilweise 1.000 Euro am Tag überstiegen, ging sie vor Gericht. Schließlich sahen weder sie noch ihre Kollegen einen Cent davon. Die Frau bekam vom Gericht Recht und erhielt am Ende als Entschädigung selber 1.000 Euro.

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