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Milliarden-Deal: Microsoft redet Activision klein – Keine „Must Have“ Titel

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Von: Daniel Neubert

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Microsoft gab zu Beginn des Jahres bekannt, den Publisher Activision Blizzard kaufen zu wollen. Doch der Deal muss erst einem Prüfverfahren standhalten.

Redmond, Washington – Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der Technik-Konzern Microsoft plant, den Spiele-Giganten Activision Blizzard zu übernehmen. Dafür wollte Microsoft eine Summe von 68,7 Milliarden US-Dollar zahlen. Bei einer Firmenübernahme dieser Größenordnung schalten sich jedoch verschiedene unabhängige Prüfkommissionen ein, um sicherzustellen, dass geltende Gesetze und Kartellrechte eingehalten werden. Microsoft muss jetzt kartellrechtliche Bedenken ausräumen, damit der Deal finalisiert werden kann.

NameMicrosoft
CEOSatya Nadella (4. Feb. 2014–)
Gründung4. April 1975, Albuquerque, New Mexico, Vereinigte Staaten
Umsatz125,8 Milliarden USD (2019)
GründerBill Gates, Paul Allen
TochterunternehmenGitHub, Yammer, Softomotive Ltd. und mehr

Microsoft will Activision Blizzard übernehmen, doch der Weg dorthin ist noch weit

Worum geht es? Anfang des Jahres überraschte der Microsoft-Konzern die gesamte Gaming-Branche mit der Bekanntgabe, den Publisher Activision Blizzard übernehmen zu wollen. Erst im Vorjahr hatte Microsoft den Mutterkonzern des Spiele-Publishers Bethesda gekauft. Im April 2022 gaben auch die Aktionäre von Blizzard ihre Zustimmung zu dem Deal. Bevor der Verkauf jedoch abgeschlossen werden kann, muss erst ein Prüfverfahren eingeleitet werden, um die rechtlichen Rahmenbedingungen der Übernahme zu klären.

Was ist das für ein Prüfverfahren? In dem Prüfverfahren zur Übernahme von Activision Blizzard durch Microsoft muss der Konzern gegenüber verschiedenen Prüfungskommissionen und Regierungsbehörden Auskünfte erteilen. Gegenüber der „New Zealand Commerce Commission“ (der Neuseeländischen Handelskommission) musste Microsoft nun Rede und Antwort stehen.

Das sagt Microsoft zu dem Deal: Als es darum ging, dass die Übernahme dem generellen Wettbewerb auf dem Markt schaden könnte, entgegnete Microsoft wie folgt:

„Insbesondere in Bezug auf die Videospiele von Activision Blizzard gibt es nichts Einzigartiges an den von Activision Blizzard entwickelten und veröffentlichten Videospielen, das für konkurrierende PC- und Konsolen-Videospiel-Vertriebe ein „Must Have“ wäre und Anlass zu Bedenken hinsichtlich einer Abschottung geben könnte.“

Microsoft (schriftliche Antwort an die New Zealand Commerce Commission)

Was meint Microsoft damit? Diese Antwort von Microsoft mag im ersten Augenblick seltsam anmuten. Warum sollte sich Microsoft für ein Unternehmen interessieren, dessen Produkte nichts Einzigartiges an sich haben und kein sogenanntes „Must Have“ darstellen? Die Antwort ist simpel: Microsoft muss in dem Prüfverfahren in erster Linie kartellrechtliche Bedenken der verschiedenen Kommissionen ausräumen, um die geplante Übernahme abwickeln zu können.

Dabei geht es auch darum, die Prüfer davon zu überzeugen, dass Microsoft sich durch den Deal nicht in eine Monopol-Stellung bringt und damit gegen geltende Marktbedingungen verstößt. Es wäre kein kluger Schachzug, die Prüfer mit eigenen Aussagen davon zu überzeugen, dass Microsoft sich mit dem Deal enorme Marktmacht sichert.

Es wurden dazu auch führende Tech-Unternehmen aus der Branche befragt, wie sie dem Deal gegenüberstehen. Interessant ist, dass sich nur der direkte Konkurrent Sony gegen den Deal von Microsoft stellt. Das scheint auch der Grund zu sein, weshalb in der Antwort von Microsoft die Games von Activision Blizzard eher kleingeredet werden.

Die Göttin Justizia vor einem Hintergrund aus Dollar-scheinen neben dem Microsoft-Logo
Microsoft verteidigt Milliarden-Deal – „Activision hat keine Must-Have-Titel“ © Microsoft Corporation / Unsplash.com (Montage)

Das ist der größte Deal der Gaming-Branche: Der Übernahmeprozess von Microsoft soll bis Sommer 2023 planmäßig abgeschlossen werden. Der Deal ist in der Spielebranche in seiner Größenordnung bisher einzigartig, eine vergleichbare Übernahme hat bisher noch nie stattgefunden. Auch Microsoft hat noch nie solche Summen für ein anderes Unternehmen ausgegeben. Das teuerste Unternehmen, das Microsoft bis dato übernommen hatte, war die Firma „LinkedIn“ im Jahr 2016 für 26,2 Milliarden US-Dollar.

Microsoft scheint die Zukunft des Konzerns eindeutig im Gaming-Bereich zu sehen. Insgesamt hat Microsoft mit dem Kauf von Activision Blizzard ein verhältnismäßig „preiswertes“ Geschäft gemacht. Nach dem Sexismus-Skandal im Sommer 2021 bei Activision Blizzard fiel auch die Aktie des Publishers auf fast die Hälfte. Insofern bot sich für Microsoft eine günstige Gelegenheit. Brancheninsidern zufolge war es aber Activision Blizzard, das sich verschiedenen Konzernen zum Kauf anbot. Auch mit Facebook soll es Gespräche gegeben haben.

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