Start-Up-Fabrik

Rakete im Blindflug? Rocket Internet peilt neue Ziele an

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Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Rocket Internet AG. sitzt während einer Pressekonferenz vor dem Foto: Boris Roessler

Rise, das ist englisch für Aufstieg. In einem Kreuzberger Hochhaus steht das auch als Abkürzung für Rocket Internet SE. Die Aktionäre der Start-up-Fabrik sehen noch viel Luft für Wachstum.

Berlin (dpa) - Nach dem Aufbau zahlreicher Start-ups von Mode bis Essenslieferungen nimmt Rocket Internet weitere Geschäftsfelder ins Visier.

"Wir suchen mittlerweile auch Fintechs, Software, künstliche Intelligenz, Proptechs", umriss Vorstandschef Oliver Samwer am Freitag die Ziele der Start-up-Fabrik, aus der unter anderem der Modehändler Zalando hervorging. Welches "die nächste große Sache" im Internet wird, konnte der Unternehmer den Aktionären bei der Hauptversammlung in Berlin aber nicht sagen. "Es liegt daran, dass ich es einfach nicht weiß."

Brutto hat die Start-up-Fabrik demnach 2,6 Milliarden Euro in der Kasse, um Unternehmen zu gründen oder zu entwickeln. Proptechs bieten Technik für die Immobilienbranche (Property Technology), Fintechs Finanzdienstleistungen an. Damit hat Rocket schon Erfahrung durch eigene Kreditplattformen wie Zencap, Iwoca und Spotcap. Fintechs würden zum Kernsektor werden, sagte Samwer.

Er kündigte an, nach dem starken Wachstum des Kochboxenlieferanten Hello Fresh in den Vereinigten Staaten den US-Markt weiter in den Blick zu nehmen. "Wir werden auch in Zukunft Unternehmen starten, die es schaffen, in den USA die Nummer eins zu werden."

Aktionärsvertreter kritisierten, dass der Aktienkurs des MDax-Unternehmens weiter deutlich unter dem Ausgabekurs beim Börsengang 2014 von 42,50 Euro liegt. Am Freitag wurden die Anteilsscheine für etwa 25,30 Euro gehandelt. Die Aktionäre verlangten, dass Samwer seine Ziele präziser formuliere.

Nächste Woche will Rocket den Online-Möbelhändler Home24 an die Börse bringen, weitere Kandidaten nannte der Vorstand aber nicht. "Das läuft nicht wie am Fließband. Es gilt das Gesetz des klugen Kaufmanns", sagte Samwer. "Wir gehen mit derselben Demut, mit der wir das Jahr 2017 begonnen haben, in das Jahr 2018", sagte Samwer. Es werde ein Jahr des Fortschritts, aber weder eins der Überraschung noch der Enttäuschung.

Aktionärsvertreter gaben sich damit nicht zufrieden. Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger sprach von einem desaströsen Aktienkurs. "Mir ist nicht ganz klar, wie sie aus dieser Falle herauskommen wollen." Er forderte eine kleine Dividende als "Trostpflaster" für die Aktionäre, die von Anfang an dabei sind. Rocket investiert seine Erträge jedoch üblicherweise wieder und so sprach sich die Hauptversammlung gegen eine Dividende aus.

Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz kritisierte, der Erfolg bei Rocket sei zu wenig messbar. In die Zukunft gehe das Unternehmen nach Börsengängen von Delivery Hero und Hello Fresh im "Blindflug". Tüngler fragte: "Was ist denn die nächste große Sache in fünf oder zehn Jahren?"

Der Vorstandschef warb um Vertrauen und verwies darauf, dass er als Internetunternehmer in den vergangen 20 Jahren überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet habe. "Ich gehe davon aus, dass wir auch die nächsten 30 Jahre erfolgreich sein werden."

Samwer bekräftigte, dass die bewährten Segmente wie Kleidung und Essen aus dem Internet weiter aussichtsreiche Geschäftsfelder seien. "Wir glauben, dass die Leute auch in Zukunft nicht nackt herumlaufen." Der Trend zum Essen zu Hause nehme zu, Kunden wollten dafür aber nach der Arbeit nicht erst zum Supermarkt. Mit virtuellen Ansichten stiegen auch die Chancen von Online-Möbelhändlern.

Die Aktionäre halbierten die Zahl der Aufsichtsräte auf vier und erhöhten zugleich die Vergütung der Mitglieder kräftig. So hatte es das Kontrollgremium vorgeschlagen.

Mit den Stimmen der Aktionäre band Rocket Internet außerdem die Investmentgesellschaft Global Founders Capital und zwei weitere Töchter enger an sich. Sie müssen ihre Gewinne an Rocket Internet überweisen. Für die nächsten zwei bis drei Jahre müsse die Mutter dort zwar noch Verluste ausgleichen, sagte Finanzchef Peter Kimpel. Das rechne sich aber, weil Rocket dabei Steuern spare.

Pressemitteilung

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