Cyber-Kriminalität

Kaspersky: Gefährlichere Cyberangriffe auf Industrie

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Die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky sieht einen Anstieg gefährlicherer Cyberattacken auf deutsche Industrieunternehmen.

Die Cyber-Angriffe werden nicht unbedingt mehr, dafür zielgerichteter. Die deutsche Industrie steht im Fokus der Angreifer. Investieren die Unternehmen zu wenig in Software-Spezialisten?

Moskau/Berlin (dpa) - Die russische IT-Sicherheitsfirma Kaspersky sieht einen Anstieg gefährlicherer Cyberattacken auf deutsche Industrieunternehmen.

Die reine Zahl der beobachteten Angriffe sei im vergangenen Jahr zwar gesunken, diese seien aber lokaler, fokussierter und dadurch auch komplexer und schwerer zu erkennen geworden, warnte Kaspersky am Mittwoch.

Insgesamt sei ein Problem, dass die meisten Steuerungssysteme in der Industrie auf denselben Technologien basierten, betonte Gründer und Chef Eugene Kaspersky. «Quer über alle kritischen Infrastrukturen wie Verkehr oder Energienetze sind die Systeme dadurch mehr oder weniger gleich angreifbar.» Entwickelte Länder hätten zwar mehr Ressourcen, um in den Schutz der Systeme zu investieren - man brauche aber auch viele gut ausgebildete Software-Experten. «Das könnte ein Problem für Deutschland sein, weil die Deutschen viel mehr für ihre Ingenieure als für ihre Softwareentwickler bekannt sind.»

In der Cyberspionage seien aktuell die USA, Russland und China besonders aktiv. «Jeder hackt jeden». Jüngst hatten die USA Hacker aus Russland unter anderem für eine tiefgreifende Attacke auf amerikanische Behörden mit Hilfe einer manipulierten Wartungs-Software verantwortlich gemacht. Es gebe aber auch viele Fälle, in denen russische Firmen und Behörden von englischsprachigen und chinesischen Angreifern gehackt worden seien, sagte Kaspersky. «Der Unterschied ist, dass einige Länder wie die USA viel Lärm darum machen, während Russland schweigt. Ich weiß nicht, warum.»

US-Behörden dürfen seit 2017 keine Kaspersky-Software mehr verwenden. Auslöser war ein Fall, in dem ein Mitarbeiter des US-Geheimdiensts NSA Schadsoftware aus dem Büro mit nach Hause nahm - und sie auf seinem privaten Computer von Kasperskys Antivirenprogramm entdeckt und zur Analyse auf die Server der Firma nach Moskau übertragen wurde.

Kaspersky entwickelte auch ein Betriebssystem für Industrieanlagen und stellt auf der diesjährigen Hannover Messe ein Gateway zur sicheren Datenübertragung zwischen vernetzter Technik im sogenannten Internet der Dinge vor. In Entwicklung sei auch ein abgesichertes Smartphone zum Fernzugriff auf Industrieanlagen, sagte Kaspersky.

© dpa-infocom, dpa:210414-99-202925/3

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