Grünen-Chef auf Konferenz

Habeck: Digitalisierung macht Energiewende erst möglich

Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa
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Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Ohne Digitalisierung sind die Klimaziele kaum zu erreichen - davon ist Grünen-Chef Robert Habeck überzeugt. Bei intelligenten Stromzählern sollten dabei aber auch die Interessen der Nutzer mehr in den Vordergrund rücken.

Potsdam (dpa) - Die Energiewende in Deutschland und Maßnahmen zum Klimaschutz sind nach Einschätzung von Grünen-Chef Robert Habeck nur mit Hilfe einer umfassenden Digitalisierung zu erreichen.

Beim Übergang einer gleichmäßigen Energieversorgung aus Atom- und Kohlekraftwerken hin zu den vielfältigen erneuerbaren Energiequellen benötige man eine neue Koppelung der schwankenden Produktion an den Energieverbrauch, sagte Habeck am Donnerstag auf der "Smart Engergy"-Konferenz des Hasso-Plattner-Instituts in Potsdam. "Das ist eine gigantische Chance, über die smarte Energienutzung in Deutschland, in Europa, einen deutlichen Fortschritt zum Klimaschutz zu erzielen."

Habeck kritisierte, dass bisherige Konzepte für intelligente Stromzähler ("Smart Meter") zu sehr auf die Bedürfnisse der Netzbetreiber ausgerichtet seien. Smart-Meter-Systeme seien bislang für die Menschen unattraktiv, weil sich für die Verbraucher keine klaren Vorteile ergäben. "Wenn man sagen würde, Du kannst jetzt über Dein Smarthome oder Deinen Internet-Router festlegen, dass bestimmte Haushaltsgeräte erst anfangen, Strom zu ziehen, wenn der Preis unter soundsoviel Cent pro Kilowattstunde liegt, dann hätte man eine ganz andere Nachfrage."

Habeck betonte, es könnten enorme Energiemengen eingespart werden, wenn die erneuerbaren Energien mit einer besseren Nutzung und einer größeren Effizienz verzahnt würden. "Das liegt bei ungefähr 30 Prozent des primären Energieverbrauchs in Deutschland." Die exakte Menge kenne zwar niemand genau. "Aber 30 Prozent ist mehr als die Menge des Kohleausstiegs." Bei der Digitalisierung müsse allerdings auch der Schutz von Persönlichkeitsrechten durch konsequenten Datenschutz beachtet werden: "Wir wissen, dass Technik eine Gesellschaft auch verändern kann."

Professor Christoph Meinel, der Gastgeber der Konferenz und Direktor des HPI, betonte, bei der Entwicklung eines "Smart-Energy"-Systems dürfe man Fehler nicht wiederholen, die vor 50 Jahren bei der Erfindung des Internets begangen worden seien. Damals hätten sich die beteiligten Forscher alle untereinander gekannt und sich gegenseitig vertraut und deswegen kein Sicherheitssystem in den ersten Internet-Protokollen vorgesehen: "Das muss heute von Anfang an mitgedacht werden."

Die Digitalisierung könne die Klimakrise nicht lösen, sagte Meinel, aber neue digitale Technologien könnten einen zentralen Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen und zu mehr Energieeffizienz leisten. "Wir stehen vor der Herausforderung, dass es künftig sehr viele kleine Einspeiser ins Energienetz geben wird, die mal Energie erzeugen, mal diese selbst nutzen. Die Rolle von Energieerzeugern und -verbrauchern verändert sich, und dafür braucht es ganz neue mathematische Modelle."

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte, umweltfreundliche Energie sei ein bedeutender Standortfaktor bei der Ansiedlung von Industriebetrieben. "In Brandenburg gibt es kein Industrieunternehmen, das sagt, es ist mir egal, ob ich Erneuerbare Energien direkt kriegen kann. Sie wollen sie alle."

Agenda HPI-Konferenz

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