In 11 Ländern

EU-Länder tauschen Daten der Corona-Warn-Apps aus

Die Corona-Warn-App. Foto: Oliver Berg/dpa/archiv
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Die Corona-Warn-App. Foto: Oliver Berg/dpa/archiv

In Deutschland wird die Corona-Warn-App von schätzungsweise 15 Millionen Menschen aktiv genutzt. Bislang verfolgt sie nur Kontakte in der Bundesrepublik. Künftig kann die App aber über eine Schnittstelle auch auf Daten aus anderen Ländern in Europa zugreifen.

Brüssel (dpa) - In elf EU-Staaten können Nutzer von Corona-Warn-Apps noch in diesem Herbst ihre Kontakt-Daten anonym länderübergreifend abgleichen und sich so vor möglichen Infektionen warnen lassen.

Weitere Länder sollen bald folgen. Eine entsprechende Schnittstelle für Smartphones in einer ersten Staatengruppe sei seit Anfang dieser Woche aktiv, hieß es am Dienstag aus Kreisen der Europäischen Kommission in Brüssel. Das Gateway soll am 17. Oktober mit den Datenbeständen der jeweiligen nationalen Corona-Warn-Apps verbunden werden.

Man habe das neue System zunächst mit sechs Ländern getestet - Ziel sei es, bis Mitte oder Ende Oktober dann elf EU-Mitglieder in einer "ersten Welle" dabei zu haben. Zuerst sollen Deutschland, Italien und Irland verknüpft werden. Danach sind den Angaben zufolge Österreich, Tschechien, Dänemark, Estland, Lettland, die Niederlande, Polen und Spanien an der Reihe. Die Reihenfolge hänge von den technischen Entwicklungen der unterschiedlichen Warn-Apps und regulatorischen Fragen in den jeweiligen Ländern ab.

Anwender müssen dazu ihre Apps aktualisieren und dem Datenaustausch auf EU-Ebene explizit zustimmen. Sie können dann entscheiden, ob sie nur die nationalen Daten empfangen wollen, die Daten aus ausgewählten Einzelstaaten oder den EU-weiten Datensatz. In dem Datenpaket befinden sich verschlüsselt die Kontakt-IDs der Anwender, die sich in ihren Apps als Corona-positiv eingetragen haben.

Frankreich, wo die Ansteckungen mit dem Coronavirus zuletzt wieder besonders stark zugenommen hatten, ist vorerst nicht darunter, weil sich die Verantwortlichen für ein anderes technisches Konzept entschieden haben. Die Franzosen wollten ihre nationale Corona-Warn-App nicht auf den technischen Schnittstellen der US-Konzerne Google und Apple aufsetzen. Das hat dazu geführt, dass die französische App auf den iPhones nur schlecht läuft und bislang auch nur rund drei Millionen Downloads verzeichnet.

Vertreter der EU-Kommission betonten, man hoffe jedoch, dass alle EU-Länder "so rasch wie möglich" dazu stoßen können. Ohne Frankreich gebe es bereits in 15 EU-Staaten nationale Corona-Warn-Apps, die im Prinzip kompatibel seien. Drei weitere seien in Arbeit.

Es habe in den vergangenen Wochen eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Kommission und den Mitgliedstaaten gegeben - sowohl in epidemiologischen Fragen als auch zur Sicherheit privater Daten bei der Nutzung. Verbraucher sollen nun mit einer Informationskampagne von den Vorteilen eines europaweiten Corona-Warnsystems per Smartphone überzeugt werden.

Nach dem Vorbild der deutschen App, die inzwischen rund 18 Millionen Mal heruntergeladen wurde, tauscht die Software über Bluetooth-Funk verschlüsselte Daten zwischen Handys aus, deren Besitzer sich nahekommen. Die Kommission betonte, dass ausschließlich zufallserzeugte Schlüssel und ein anonymisierter Datenverkehr zum Einsatz kommen. Wird eine Virusinfektion bekannt, erhalten Kontakte des Betroffenen übers Mobiltelefon einen Warnhinweis. Der Austausch der Informationen funktioniere nun auch bei Aufenthalten in verschiedenen EU-Staaten. Damit werde das Reisen innerhalb der Europäischen Union sicherer. Die Warn-App sei aber auch nur ein Mittel von mehreren, um die Pandemie einzudämmen.

© dpa-infocom, dpa:200929-99-756608/3

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