Digitaler Minimalismus:

Das Smartphone auch mal fortlegen können

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Die permanente Erreichbarkeit und der jederzeit mögliche Blick ins Internet sind Vorzüge der modernen Welt mit großen Schattenseiten.

Während die junge Generation kaum mehr ohne ihr Smartphone kann, ist das Handy auch im Geschäftsleben zum wichtigsten Kommunikationsdevice geworden. Richtig abzuschalten und sich in Ruhe anderen Dingen des Lebens zu widmen, bleibt auf der Strecke. Mit dem Vorsatz zum digitalen Minimalismus lässt sich die Lebensqualität spürbar steigern - und dies ohne negative Auswirkungen auf Freundschaften oder die Arbeit.

Permanenter Stress als lästige Gewohnheit

Für einen Großteil der Menschen hierzulande geht der erste morgendliche Handgriff zum Smartphone auf dem Nachttisch. Als Wecker genutzt, ist ein Blick auf alle tagespolitischen Themen, Wetter und die neusten Einträge in sozialen Netzwerken zur Selbstverständlichkeit geworden. Viele Menschen führen eine dutzendfache Überprüfung Ihres Mail-Faches oder von Pinnwandbeiträgen automatisch und unterbewusst durch. Eine schleichende Gewohnheit, die schnell mehrere Stunden des Tages verschlingt.

Unter den Gewohnheiten der digitalen Welt leidet privat die Lebensqualität und beruflich die Effizienz. Wer permanent ins Mailfach schaut, wird hier kleine und große Aufgaben finden, die ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Ein oder mehrere Aufgaben dieser Art in Ruhe zu erledigen, wird kaum mehr möglich, schließlich wartet die nächste Ablenkung durch neue Mails oder Nachrichten auf dem Smartphone sofort.

Im Privatleben kennt jeder die Auswirkungen der permanenten Erreichbarkeit über Smartphones und Tablets. So wird mit Freunden oder dem Partner Zeit im Restaurant verbracht, während der jeder für sich größtenteils aufs Handy schaut. Das größte Problem: Keine dieser Handlungen ist zielgerichtet oder sorgt für eine permanente Befriedigung. Im Gegenteil: Viele Menschen stehen dauerhaft unter Strom und erleben selbst in Freizeit und Urlaub größten Stress, etwas zu versäumen.

Minimalismus ist kein vollständiger Verzicht

Sobald Freunde oder Kollegen auf dieses Verhalten angesprochen werden, reagieren diese abwehrend. Viele fürchten, ihre liebgewonnenen Gewohnheiten gänzlich aufgeben zu müssen. Doch dies ist nicht das Ziel des digitalen Minimalismus', dem eine wachsenden Zahl an Mediennutzern aller Generationen folgen.

Wer die stundenlange Nutzung von Handy und Social Media als extreme Gewohnheit oder leichte Sucht für sich erkannt hat, wird die Parallele zu anderen Genussmitteln erkennen. Nicht der komplette Verzicht ist gefordert, sondern ein Konsum in Maßen. An erster Stelle steht hierbei die Bewusstwerdung, wie viel Zeit überhaupt am Smartphone oder beim Betrachten von Urlaubsbildern und Sprüchen über Facebook & Co. investiert wird.

Wer weiterhin online Nachrichten aus dem Lokalsport lesen oder sich mit Freunden per WhatsApp unterhalten möchten, kann dies tun. Jedoch mit dem bewussten Vorsatz, diese Zeit zum Lesen oder Kommunizieren zu nutzen und sich in der verbleibenden Freizeit anderen Interessenten zuzuwenden. Wer nicht weiß, wie er mehrere Stunden des Tages ohne Internet verbringen soll, dürfte noch stärker ein offensichtliches Suchtpotenzial aufweisen.

Die richtige Strategie im Minimalismus

Die Lösung des Problems liegt in einer klaren Strategie und der richtigen Disziplin. Betroffene sollten im Vorfeld festlegen, wie viel Zeit sie pro Tag oder Woche online verbringen möchten. Wer aus beruflichen Gründen zwingend erreichbar sein muss, kann eigene Rahmenbedingungen schaffen. So hilft es, nur ein- oder zweimal pro Tag ins Mailfach zu schauen und sich einen festen Zeitrahmen für die Beantwortung von Mails vorzuschreiben.

Gleiches gilt für den richtigen Umgang mit sozialen Medien oder die Kommunikation über WhatsApp und andere Messenger. Permanent für andere zur Verfügung zu stehen und sofort auf jede Nachricht zu antworten, schränkt das eigene Leben häufig unbemerkt ein. Jeder Freund und jedes Familienmitglied wird verstehen, wenn man ein festes Zeitfenster für die Kommunikation einräumt. Wer hier nicht einsichtig ist, kann mit einem Telefonat anstelle endloser Kurznachrichten hin und her überzeugt werden.

Technisch zu Disziplin gezwungen werden

Jeder kennt die guten Vorsätze beim Start einer Diät, doch nach wenigen Tagen werden wieder Süßigkeiten und Cola genossen. Beim Nutzungsverhalten am Smartphone gibt es keinen Unterschied, Disziplin fällt vielen Betroffenen schwer. Hier hilft es, kleine Kniffe auf technischer Ebene zu nutzen und sich langfristig zum eigenen Glück zu zwingen.

Ein wertvolles Hilfsmittel sind Apps, bei denen gezielt die Nutzungszeit des Smartphones eingestellt werden kann. Solche Programme verhindern das Öffnen des Webbrowsers, von Messengern und weiteren Programmen innerhalb eines vorgegebenen Zeitrahmens. Der einzelne Anwender hat gar nicht erst die Möglichkeit, sich anders zu entscheiden und so das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen.

Auch mit dem Handytarif und der Wahl des richtigen Datenvolumens lässt sich ein Beitrag leisten. Viele Anwender nutzen mittlerweile unabhängige Online-Plattformen, bei einem Handyvertrag Vergleich zum besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu gelangen. Bei der Tarifoptimierung kann bewusst ein Rückschritt in Form einer möglichst geringen Bandbreite gegangen werden. Ist diese für den laufenden Monat aufgebraucht, ist die gewohnte Handynutzung schlichtweg nicht mehr möglich.

Kosten sparen und neue Lebensqualität gewinnen

Digitaler Minimalismus muss keiner Dauerlösung sein. Vielmehr kann der freiwillige Verzicht eine alternative Lebensweise aufzeigen und gewohnte Abläufe hinterfragen. Wie bei einer mehrtägigen Fastenkur, in der ein neues Bewusstsein für die eigene Ernährung entsteht, bringt das digitale Fasten wertvolle Erkenntnisse für den Umgang mit der eigenen Lebenszeit.

Nicht permanent zwischen Facebook, E-Mails und dem News-Ticker gefangen zu sein, schafft Freiräume für Freunde und Freizeit, von der so viele Menschen träumen. Außerdem entstehen finanzielle Freiheiten durch geringere Nebenkosten, wenn Sie bewusst einen Handyvertrag mit überschaubaren Leistungen auswählen. Für viele Nutzer ist digitaler Minimalismus sogar der erste Schritt zum Konsumverzicht und zum Hinterfragen permanenter Online-Einkäufe, die ebenfalls schnell einen Suchtcharakter aufweisen. Neben der persönlichen Bereicherung bleibt hierdurch am Ende des Monats oft noch mehr Geld im Portemonnaie.

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