1. leinetal24
  2. Auto

Porsche-Besitzer klagt nach Unfall – weil er Ford fahren muss

Erstellt:

Von: Marcus Efler

Kommentare

Weil sein Porsche 911 nach einem Crash in der Werkstatt stand, musste ein Autofahrer mit einem Ford Mondeo vorliebnehmen. Er klagte auf Entschädigung – darum verlor er.

Ein Unfall gehört zu den eher unschönen Erlebnissen im Leben eines Autofahrers. Selbst, wenn dabei niemand verletzt wird, und man selber keine Schuld trägt, ist der Ärger groß. Das eigene Auto ist womöglich schrottreif, und angesichts der aktuell absurden Lieferzeiten für Neuwagen steht man auf absehbare Zeit ohne eigenes Auto da. Aber auch eine aufwändige Reparatur mit langem Werkstatt-Aufenthalt verhindert die gewohnte Mobilität.

Schadenersatz nach Auto-Unfall: Verursacher muss für Entschädigung aufkommen

Für genau diese Fälle ist die Entschädigung für den Nutzungsausfall gedacht: Die Versicherung des Unfall-Verursachers muss nämlich nicht nur die Reparaturkosten (oder den Zeitwert) des beschädigten Autos ersetzen, sondern auch für jeden Tag, an dem der Geschädigte ohne Pkw dasteht, Schadenersatz leisten. Davon kann der Geschädigte entweder einen Mietwagen finanzieren – oder auch einen Fahrschein für den öffentlichen Nahverkehr (demnächst vielleicht den Nachfolger des 9-Euro-Tickets), und sich dann vom Rest des Geldes was Schönes gönnen.

Ford Mondeo Turnier
Eines Porsche-Fahrers unwürdig? Ein Ford Mondeo Turnier. (Symbolbild) © Charlie Magee/Ford

Entschädigung: Porsche-Besitzer klagt nach Unfall – weil er Ford fahren muss

Der Besitzer eines gecrashten Porsche 911 konnte genau das nicht. Dessen schicker Sportwagen stand nach einem unverschuldeten Unfall zwar 112 Tage, also gut dreieinhalb Monate, in der Werkstatt, doch Geld von der gegnerischen Versicherung gab es dafür trotzdem nicht. Was rechtlich in Ordnung geht: Schließlich hatte der nicht gerade arme Mann noch vier andere Autos, die er nutzen kann. Eben nicht, konterte der Elfer-Fan, denn: Zwei dieser Autos würden von Familienmitgliedern bewegt, das dritte zwar von ihm, aber nur auf der Rennstrecke, und Nummer vier ist – ein Ford. Ein Mondeo Turnier.

Nun ist ein Ford Mondeo, zumal als Kombi, ganz zweifellos ein zuverlässiger Alltagsbegleiter, aber eben nicht ganz so schnell wie ein Porsche 911, und nur fast so schick. Grund genug für den Porsche-Fahrer, besagte Nutzungsentschädigung zu verlangen. Und zwar nicht wenig, nämlich 46,18 Euro pro Tag. Insgesamt also 4612,12 Euro.

„Beschränktes Fahrvergnügen“: Porsche-Besitzer klagt nach Unfall, weil Versicherung Zahlung verweigert

Nachdem die Versicherung die Zahlung verweigert hatte, traf man sich vor Gericht. Das OLG Frankfurt ließ den verhinderten Porsche-Fahrer freilich abblitzen: „Dass es sich bei dem beschädigten Fahrzeug, einem Porsche 911, mithin einem Sportwagen, aufgrund seiner Motorisierung, Fahrleistung und Ausstattung um ein Fahrzeug aus dem deutlich gehobenen Marktsegment handelt, während es sich bei dem Ford Mondeo ledig um ein Mittelklassefahrzeug handelt, führt nicht zur Unzumutbarkeit der Nutzung des Ford Mondeo“, befand es.

Im Klartext: Auch ein Sportwagenfan kann mit einer Familienkutsche unterwegs sein, ohne dass ihm ein Zacken aus der Krone bricht. Dass es dann ein wenig an Fahrvergnügen mangeln könnte, räumte das Gericht durchaus ein. Eine solche „immaterielle Beeinträchtigung“, die nicht auf subjektiver Wertschätzung fuße, sei aber nicht ersatzpflichtig. Nochmal Klartext: Geld gibt’s nur für Sachen mit Preisschild dran, nicht für entgangenen Rausch der Geschwindigkeit.

Auch interessant

Kommentare