Museumsstück

Eine Spritztour im seltensten und vermutlich teuersten Porsche der Welt

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Wir durften eine Spritztour im wohl seltensten Porsche der Welt machen.

Zehn Jahre nur im Museum – und jetzt wieder auf der Straße. Zum 70. Jubiläum hat Porsche die Nummer 1 herausgeholt. Und wir durften mitfahren.

Da steht er also, der Vater aller Porsches, der Urahn aller 911er, die Nummer 1. Und ist schön wie am ersten Tag. Flach wie eine Flunder, die Formen rund und fließend, ein Hauch von Frontscheibe – sonst nichts. Minimalismus pur, sogar die Türgriffe sind versenkt, man möchte meinen der 356-001 war nur eine kühne Studie.

Porsche 356: Ein waschechter Prototyp für die Straße

Von wegen. Beim "Einser", konstruiert von Ferry Porsche persönlich, handelt es sich um einen waschechten Prototypen für die Straße. Tiefer Schwerpunkt, leichte Karosserie, Boxermotor – die Formel Porsche, die später den Autobauer so erfolgreich gemacht hat. Der große Unterschied: Beim 356-001 wurde der Motor quer und noch vor der Hinterachse eingebaut. Schon bei der Nummer 2 wanderte das Triebwerk nach hinten.

Gebaut wurde der Ur-Porsche im Nachkriegsstandort Gmünd bei Kärnten. Zuffenhausen war von den Alliierten besetzt und so mussten die Autobauer in ihrem Kriegs-Asyl in Österreich bleiben. Um Geld zu verdienen, bauten die rund 200 Mitarbeiter unter anderem Traktoren und Schlepper (für die Firma Allgaier), Seilwinden und Wasserturbinen.

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Porsche 356: 1948 zum ersten Mal in der Öffentlichkeit

Und eben den 356er, den die beeindruckte Öffentlichkeit zum ersten Mal anno 1948 beim Großen Preis von Bern sah. Die Rundstrecke im Bremgartenwald wurde bis 1954 als Formel1-Kurs benützt, sie galt als gefährlich und machte 1948 ihrem Ruf alle Ehre. Schon im Training gab es zwei Tote, beim Rennen einen weiteren.

Noch vor dem Großen Preis von Bern gab es die ersten Testfahrten für Journalisten. Die Automobilwoche notierte: "So stellt man sich tatsächlich die Fahreigenschaften eines modernen Wagens vor, der die Vorzüge moderner Aufhängungssysteme und ihres gute Fahrkomforts mit der zähen Bodenhaftung eines ebenso modernen, niedrigen und handlichen Sportwagens vereint. Der Zweisitzer ließ erkennen, dass er dank eines günstigen Leistungsgewichts nicht nur als Wagen für den täglichen Gebrauch sondern auf für die Teilnahme an sportlichen Veranstaltungen ein ideales Gefährt bildet."

1948 beeindruckte der Porsche 356 die Öffentlichkeit beim Großen Preis von Bern.

Porsche 356: Aus einem Porsche-Prototypen wurde der Pesco

Schon bald gab es für den Roadster, dessen Karosserie in den Zulassungspapieren mit "Torpedo-Sport" klassifiziert wurde, die ersten Interessenten. Und weil das Geld knapp war, verkaufte Porsche damals sogar einen Prototypen. Für 7.500 Franken ging das Auto an einen gewissen Peter Kaiser, einen deutschen Architekten, der in Zürich lebte.

Der ließ gleich mal neue Bremsen einbauen (die Seilzugtechnik ersetzte er mit einer Hydraulik) und benannte seinen Roadster um. Pesco hieß sein Fahrzeug, er wollte keine Werbung für Porsche machen, außerdem klang dieser Name sportlicher und italienischer.

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Danach folgten einige Wiederverkäufe, Umbauten, Renneinsätze und eine für damalige Verhältnisse abenteuerliche Urlaubsfahrt nach Spanien. Rosemarie Muff hieß die wagemutige Frau, die sich daran erinnert, dass sich bei jeder Gelegenheit eine große Männerschar um das Auto versammelte.

Die Frontscheibe des Porsche356 ist so flach, dass man sich in den Sitz kauern muss, um keine Insekten ins Gesicht zu bekommen.

Nach zehn Jahren im Museum kehrt der Porsche 356 auf die Straße zurück

Schon 1958 kaufte Porsche dann das seltene Stück von einem Privatmann zurück, die letzten zehn Jahre verbrachte es im Museum. Und wurde jetzt für den Jubiläumseinsatz wieder in den Dienst gestellt.

Ja, die Legende lebt und fährt. Und wir sitzen drin. Die Frontscheibe ist so flach, dass wir uns ein wenig in den Sitz kauern müssen, damit die Stirn nicht zum Insektenfänger wird, von hinten wird es heiß, schließlich sitzt uns der luftgekühlte Boxermotor im Nacken.

Und weil es diesen Porsche halt nur ein Mal gibt, kann man den Wert des Fahrzeugs kaum schätzen. Nur so viel: Versichert ist die Nummer 1 mit zwei Millionen Euro. So viel würde es kosten, wenn man den Ur-Porsche nach einem Totalschaden wiederherstellen würde.

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Rudolf Bögel

Porsche 356: Eine Legende kehrt auf die Straße zurück

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