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Die chinesische Antwort auf Tesla: Eine Testfahrt im Nio ET7

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Nio ET7
Noch im Herbst kommt der 5,10 Meter lange Nio ET7 auch nach Deutschland. Zu haben ist die Luxuslimousine dann allerdings nur im Abo. © Nio/dpa-mag

Start-ups für E-Autos gibt es inzwischen viele, auch in China. So wurden dort bereits einige Modelle präsentiert, die es mit Tesla aufnehmen sollen. Doch kaum welche schafften es auf die Straße oder gar nach Europa. Das will Nio mit dem ET7 nun ändern.

Berlin - Auf dem E-Auto-Markt läuft sich ein neuer Mitbewerber warm. Denn nachdem Nio bereits 250.000 Fahrzeuge in China verkauft hat, kommt die junge Automarke jetzt auch nach Deutschland. Noch im Herbst sollen die ersten Auslieferungen der elektrischen Oberklasse-Limousine ET7 beginnen. Im Frühjahr folgen voraussichtlich das große SUV EL7 und danach der etwas kleinere ET5.

Nio will die Kunden nicht nur mit eleganten Formen, leistungsstarken Antrieben und innovativer Ausstattung ködern, sondern auch mit einem neuen Vertriebskonzept: Statt stationärer Händler gibt es einen Online-Shop. Geplant sind lediglich noch eine Handvoll „Nio-Houses“, die in den Metropolen Raum für Begegnungen bieten sollen. Anstatt sie zu kaufen, kann man die Autos nur abonnieren - zu Preisen, die beim ET7 bei 1199 Euro im Monat starten. Besteht Reparaturbedarf, kommen die Mechaniker mit einem Ersatzwagen zu den Kunden.

Viele Sensoren, wenig Stauraum

Die 5,10 Meter lange Luxuslimousine ist extrem windschnittig und sieht Startup-Konkurrenten wie dem Lucid Air oder dem Tesla Model S auf den ersten Blick ziemlich ähnlich. Die Unterschiede offenbart jedoch der zweite Blick - etwa auf das Sensor-Set für das autonome Fahren. In der Hoffnung auf baldige Software-Updates wurde es bereits eingebaut, ohne dass der ET7 mehr könnte als die Spur und den Abstand zu halten. Dafür ragen die Sensoren aber aus dem Dach hervor und stören das Gesamtbild. Auch bei den praktischen Tugenden erlaubt sich Nio ein paar Patzer. Beispielsweise gibt es keinen Frunk, nicht mal ein Handschuhfach. Zudem lassen sich die Rücklehnen nicht umklappen, um den Kofferraum zu erweitern.

Aufladen in fünf Minuten

Mehr hervortun könnte sich Nio mit der Batterie. Sie verfügt wahlweise über 75 kWh für maximal 385 Kilometer oder über 100 kWh für maximal 505 Kilometer Reichweite. Diese Werte sind zwar allenfalls gehobener Durchschnitt, genau wie die maximale Ladeleistung von 11 kW an der Wallbox und 130 kW am Gleichstrom. Doch dafür ist Nio der erste und einzige Hersteller, der auf den automatischen Batteriewechsel setzt.

Statt geduldig an der Steckdose zu stehen, fährt der ET7 in eine automatische Wechselstation. Dort wird der leere Akku binnen fünf Minuten einfach gegen einen vollen ausgetauscht. In der Theorie ist der Nio damit genauso schnell wieder flott wie ein Verbrenner. In der Praxis allerdings hat die Sache einen Haken: Während es in China bereits 1100 Wechselstationen gibt, sind es in Europa erst drei, und zum Jahresende sollen es gerade mal 20 sein.

Ein digitaler Beifahrer namens Nomi

Innen folgt Nio wiederum seinen Vorbildern Tesla und Lucid. So ist der ET7 radikal reduziert und lockt neben nachhaltigen Materialien vor allem mit einer luftigen Leere im Cockpit. Auf dem Armaturenbrett thront allerdings ein kleiner Helfer, der dem Bediensystem buchstäblich ein Gesicht gibt: Nomi heißt die charmante Assistenz, die munter drauf los plappert und dabei den Blickkontakt zum Fahrer sucht. Ähnlich wie Siri beim iPhone oder Alexa bei Amazon kann sie viel mehr als Sprachbefehle ausführen. Sie ist sogar in der Lage, vom Fahrer ein Foto zu schießen. Datenschützer dürften daher einige Bedenken haben.

Nio ET7
Die Assistenz Nomi gibt dem Bediensystem des Nio ET7 buchstäblich ein Gesicht. © Nio/dpa-mag

Das Fahren selbst fühlt sich relativ vertraut an. Mit 180 kW/245 PS an der Vorderachse und 300 kW/408 PS im Heck taugt die E-Limousine gleichermaßen zum Cruisen und Sprinten. Schließlich schwebt sie nicht nur auf ihren Luftfedern gelassen übers Kopfsteinpflaster, sondern jagt auch engagiert durch die Kurven. Beschleunigungswerte von 3,8 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h sind bei E-Autos allerdings keine Seltenheit. Und dass Nio bei 200 km/h schon wieder den Stecker zieht, will nicht so recht zum Tesla-Herausforderer passen. Das Model S ist genau wie der Lucid Air deutlich schneller.

Fazit: Gefährlicher Tesla-Rivale aus Shanghai

Aiways, MG, BYD: Nio ist nicht der einzige Hersteller aus China, der mit Elektroautos nach Deutschland drängt. Doch die neue Marke aus Shanghai hat wohl die besten Aussichten hier Fuß zu fassen. Das liegt vor allem am einzigartigen Bedienkonzept und dem flexiblen Abo-Modell. Und in der Zukunft dürften auch die Wechselakkus, die die Ladezeiten radikal verkürzen, und die Hardware-Vorrüstung fürs autonome Fahren einen entscheidenden Vorteil bringen. Deshalb könnte Nio seinem Vorbild Tesla durchaus gefährlich werden.

Nio ET7
Statt einer Bedienlandschaft gibt es im Nio ET7 einen sprechenden Helfer namens Nomi. © Nio/dpa-mag

Datenblatt: Nio ET7

Motor und AntriebElektroantrieb mit zwei Motoren
Max. Leistung:480 kW/653 PS
Max. Drehmoment:850 Nm
Antrieb:Allradantrieb
Getriebe:Eingang-Getriebe
Maße und Gewichte
Länge:5101 mm
Breite:1987 mm
Höhe:1509 mm
Radstand:3060 mm
Leergewicht:2379 kg
Zuladung:k.A.
Kofferraumvolumen:k.A.
Fahrdaten:
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h:3,8 s
Durchschnittsverbrauch:19,0 kWh/100 km
Reichweite:505 km
Batteriekapazität:100 kWh
CO2-Emission:0 g/km
Kraftstoff:Strom
Schadstoffklasse:k.A.
Effizienzklasse:A+
Kosten:
Grundpreis des Nio ET7:ab 1199 Euro/Monat (nur im Abonnement)
Typklassen:k.A.
Kfz-Steuer:0 Euro/Jahr
Wichtige Serienausstattung:
Sicherheit:Sieben Airbags, ESP, Spurhalte- und Abstandsregelung
Komfort:3-Zonen-Klimaautomatik, Digitale Instrumente, Sitzheizung, Digitaler Beifahrer «Nomi»

Alle Angaben laut Hersteller dpa

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